Archiv für Februar, 2010

Februar 27, 2010

Przimbels Abenteuer in einer Welt

Göktan Przimbel hat es letztens noch klar zum Ausdruck gebracht. Als der Besitzer des Copy-Shops (welcher nicht unbedingt der Eigentümer sein musste) sagte: “Wie viele Kopien wollen Sie davon?”, sagte Gökke, so sein Spitzname, einfach, aber doch tiefgehend: “So viele, wie die FED erlaubt.”

Die Bankangestellten der örtlichen Bank, die gerade am Copyshop vorbeiliefen lächelten ob dieser Worte.

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Februar 27, 2010

Schurkenstaat des 21. Jahrhunderts: Die Schweiz.

Machtpolitische Allianzen zwischen dem kühlen Machtpragmatiker Wolfgang Schäuble und dem schillernden, nach Außen hin eher auf Entertainment setzenden Diktator Muammar al Gaddafi.

Der Eine führt den Steuerkampf gegen die Schweiz, in der immer noch zu viele Republikflüchtlinge ihr Geld verstecken wollen. Der Andere wollte grundsätzlich mal wieder Schlagzeilen, und auf seine Ideen aufmerksam machen. Zu diesem Zweck findet er nicht schön, dass in der Schweiz vorläufig (bis zur nächsten anderslautenden Abstimmung) keine neuen Minarette mehr gebaut werden dürfen.

Schäuble hat ja auch gute Kontakte zur arabischen Welt, könnte der Verschwörungs-Fan da sagen. Aber ich glaube, der Selbstdarstellungsfaktor steht bei Gaddafi eindeutig im Vordergrund, während Schäuble (als “machiavellistischer” Fiskalmerkantilist) bei der (immer im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft stehenden) Kassenlage inzwischen jedes Mittel recht wäre, Geld für den Staat zu requirieren.

Warum wirft er dann nicht die Notenpresse an, könnten Realisten fragen? Ja, das wird schon gemacht, auch von der EZB und in der nächsten Zeit vermutlich mehr und mehr. Aber das fällt nicht in Schäubles Ressort. Jeder sorgt auf seinem Platz dafür, dass die wunderbare Welt der Illusion so bleibt – bis sie sich wieder ändert:
Der Steuer”sünder” und die Steuer”sünderin” versuchen, ihr Geld zu verstecken. Ohne sie hätte der Finanzminister kein Geld, das er suchen könnte. Im Inland und neuerdings verstärkt auch im Ausland. Die Fiskalinstitution und die an sie angeschlossene staatliche Hierarchie müsste mit dem auskommen, was die verbleibenden Nettozahler (Menschen, die noch weniger direkte oder indirekte Transfers vom Staat erhalten, als sie Steuern bezahlen) für den Staat erwirtschaften.

Das macht für das System den Unterschied zwischen früherem oder späterem Bankrott oder Umbruch. Aber für den Einzelnen bedeutet es einen großen Unterschied.

Freizeit nach Goethe: An der Illusion hängt, zum Untergang drängt, doch alles.

Februar 26, 2010

Berufsentscheidungen

“Nicht denken, lenken.” So heißt es nicht nur beim Autofahren, wenn viel Verkehr ist.
“You can’t stop deutsch” said somebody. “Test the best, forget the rest.” I thought of Rolf Zacher, a legendary witty mensch. Udo Lindenberg seems to be a bit alike.
Eigentlich wollte (oder will immer noch aber mache derzeit was anderes/ es nicht) ich das Lustige Taschenbuch zum nihilistischen Kampfblatt machen. Aber es gefiel mir mit der Zeit so – ich wusste bereits nicht mehr was mir gefiel, aber ich mochte den Zustand und wollte ihn vorläufig beibehalten.

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Februar 26, 2010

Schein in Konsequenzen real

Possibilistisch pragmatistisch:
Der (An)schein kann in seinen Konsequenzen real sein.
“Der Schein bestimmt das Bewusstsein.
Und ich meine nicht den Geldschein. Der ist auch nur ein kleines Rädchen im Wind der Fahnen, Farben und Symbole, mit denen sich menschliche Wünsche, Sehnsüchte und Illusionen verdinglichen.”

Im Stile der 1960er-Jahre wäre es also möglich, ein Schein-in zu veranstalten, oder es einfach zu sein.

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Februar 23, 2010

Ein Gedicht

Wenn man nur weiß, weiß, weiß,
wär das (ganz/ja) nice, nice, nice,
aber man weiß, weiß, weiß,
leider so wenig.

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Februar 22, 2010

Solidarität mit dem Pilotenstreik

Ein Kommentar,
nicht von Hugo Müller Nikolaus von Wagner

Sie glauben vielleicht, “Diese Piloten, überbezahlte Säcke. Die brauchen doch nicht zu streiken, die verdienen doch genug und brauchen nicht noch eine Gehaltserhöhung.” Und subjektiv stimmt das vielleicht auch. Aber darum geht es nicht.

Es geht ums Ganze. Nicht darum, das “Ganze” zu erhalten, sondern es ist das Ganze all-immerda. Es ist, es braucht nicht gerettet und kann nicht im eigentlichen Sinne verändert werden. “Dann wäre es ja egal, ob die Lufthansen nun streiken oder nicht.” Das könnte man meinen.

Aber: Wenn es der Lufthansa und der Seite (der Medaille) der Manager gelingt, den Piloten das streiken zu verbieten, dann…
Es könnte ein Präzedenzfall für die gesamte Situation werden.

Denken Sie darüber nicht weiter nach, es bleibt mithin eh subjektiv. Daher: Solidarität mit den streikenden Piloten. Polis for Pilots!

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Februar 21, 2010

Menschen

“Wegen der zeitlichen Verzögerung wird der Gedankenaustausch mit entfernten außerirdischen Zivilisationen nicht einfach sein. Aber allein die Tatsache, dass es sie gibt, wird unser Selbstbild so grundlegend verändern, wie es Kopernikus vor fünf Jahrhunderten gelang. Und trotz der Entfernung werden wir natürlich versuchen, mit ihnen zu reden. Ein Drittel von uns wird sie erobern, ein Drittel bekehren wollen. Und der Rest wird versuchen, ihnen irgendetwas zu verkaufen.”

Paul Saffo

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Februar 19, 2010

Schwarz-grün als politideologischer Trend?

Die schwarz-grüne Flagge. Eigentlich die Farbe des “Öko-Anarchismus”. “So was staatskritisches” ist schwarz-grün vermutlich nicht. Eher die Fortsetzung der grünen Ideologie mit bürgerkonformem Auftreten.

Wird schwarz-grün im parteipolitischen Sinn auch (bald) die politisch angesagte Farbe in den Regierungen der Bundesländer? Und wenn ja: Wird schwarz-grün eine wirkliche “neue” bzw. neu zusammengemischte ideologische Grundlage von Herrschaft? Oder wird es nur ein neuer Trend auf gleicher Grundlage (Wechsel der Farben ohne substanzielle Änderungen) werden. Also wie ein Wechsel der angesagten Farben in der Mode zwischen dem einen Jahr und dem anderen?

Wellentheoretisch

Ist schwarz-grün ein saisonales Phänomen? Zum Frühling passte rot-grün, zum Sommer die Große Koalition, zum Herbst aus Versehen – und gegen alle etatistischen Prioritäten – schwarz-gelb. Und im, für oder gegen den  ‘Sinnwinter’ nun schwarz-grün? Als Versuch, wieder einen ideologischen Frühling zu kreiren, an den die Menschen glauben können, weil viele glauben wollen (müssen?).

Der Glaube ist wichtig. Heute noch so wie vor der Aufklärung. Nur sind andere Formen des Glaubens und die Konkurrenz der Glaubenslehren hinzugekommen. Sprache und Begriffe aus der Modewelt sind eine gute Symbolik für soziale Realitätsbeschreibungsversuche, stellte ich bei Schreiben dieses Textes fest.

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Februar 15, 2010

Fly on the wings of love

“Ich bin ein elender Über-die-Hosen-Pinkler!” beklagte sich Ewald über sich selbst. “Bist Du auch ein Über-die-Hosen-Pinkler?” sagte er zu dem jungen Mann mit Mantel und schicken Schuhen.

“Nein,” sagte dieser, mit einem zurückhaltend-pikierten und naserümpfenden Gesichtsausdruck. Das Nein kam sehr schnell, aber vielleicht zu schnell? Vermutlich war es ein reflexhaftes “Natürlich nicht”. Das besagte nicht, dass es nicht stimmte. Es war eben aber auch nach dieser Aussage nicht klar, dass es nicht nicht stimmte.

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Februar 15, 2010

KONFORMITÄT

ist alles. Nicht normativ, sondern praktisch. Man kann sich Non-Konformismus denken. Aber handeln kann man ihn in dem Sinn nicht. Er ist wohl ein geistiges Produkt. Vielleicht werden wir Non-Konformisten und individuelle Individuen, wenn wir im Himmel sind. Ob es einen getrennten Himmel nach Glaubensrichtungen gibt, ist offen: Einen für Anarchisten, einen für Liberale, für Fußballfans und Musikfreunde. Die Möglichkeiten, die die menschliche Kultur hervorgebracht hat, sind durchaus zahlreich. Wenn auch oft oberflächlich. Oder immer oberflächlich, trotz der “deutschen Sehnsucht” nach Tiefgang und so weiter. Vielleicht ist das ja auch gut so. Und im Nachdenker-Himmel können wir über alles noch mal wirklich in Ruhe nachdenken. Vielleicht ist das auch dann das Fegefeuer.