Archiv für ‘Fiktion’

Mai 15, 2012

Die Sucher der Mitte

Es gibt eine Gruppe, die postmodernistisch und philosophisch motiviert für sich selbst einen Prozess erzählt. Sich als Teil des Prozesses einer Suche versteht. Sie nennen sich die “Sucher der Mitte” und leben die Paradoxa. Sie lehnen Idealbilder ab und nehmen sie gleichzeitig in ihr Gesamt-Mosaik mit auf. Denn eine reine, aktive Ablehnung von Ideal-Typen und Idealisierungen wäre selbst ein Idealbild.

Unter ihnen sind auch einige Damen. Diese sind im Allgemeinen, ohne deshalb dem – oder auch nur einem – Klischee zu entsprechen, zurückhaltender. Auch bei dem Begriff der Suche und Gruppen, die etwas suchen. Und sei es die Mitte. Und damit sind sie auf der Suche vermutlich bereits mindestens einen Schritt voraus.

An eine Mauer, die leider nicht so frei ist, wie sie sein könnte, hängen sie folgende Denkformulierung, mit der sie Atheisten wie positiv Gläubige beidermaßen zunächst unzufrieden machen:

Gott will von uns, dass wir Atheisten werden.

Dann schleichen sie von dannen, sanft aber hörbar. Etwas kokettierend immer noch, es ist noch Jugend in Ihnen. Aber doch mit einer Betonung auf der Höflichkeit, die das Alter kennt – und respektiert. Aber auch das nicht als einziger Zweck. In der einzelnen Situation schon – dann auch versuchtermaßen voll und ganz. Aber nicht im Gesamten.
Ein Flickenteppich aus fragmentarischen Intensitäten, die Ausgewogenheit ergeben sollen. Und nicht immer, aber immer wieder, auf der Suche.

Mai 2, 2012

Großvater erzählt (,) postmodern

20xx? Irgendwann, in einer Zeit nach dem Ende des gesellschaftlichen Umbruchs. In einer Zeit, in der die Strukturierungen wieder etabliert sind. Horst, Mensch und ‘Akteur in Strukturen’, und als solcher ein Veteran des Umbruchs gewesen, erzählt:

“Die Republik der wilden, offenen Jahre. Die Umstände waren offen, weil sie für die Menschen in ihrer Entwicklung nicht genauer vorhersagbar waren. Sowohl was die Zeit als Gesamtes, noch was ihre Lebensgeschichten anbetraf. Was waren wir wild gewesen. Natürlich nicht wir als solche oder an sich, nicht mehr oder weniger als Andere in anderen Generationen jedenfalls. Die Strukturen waren es. Sie waren beweglich zu jener Zeit, sie tanzten durch die Tage und Monate, wie der Kongress vorder Restauration, hier allerdings am Ende der wilden Umbruchphase und zu Beginn der Re-Strukturierung. Aber immerhin und unbenommen waren wir – per Zufall und ohne Verdienst, also ohne Stolz, aber mit Glück, wie ich subjektiv meine – die Träger der Strukturen. Ob wir mal Wasser oder mal Wein trugen – beides ist notwendig vorhanden, also bedingt und Teil des Ganzen. Manche von uns trugen Fahnen, andere T-Shirts, mal als (post-)moderne Uniform, mal als Ausdruck naiver Individualität. Es wurde viel vor sich her-, und der Zeit hinterher-, getragen. Dafür wurde »this time« nicht so viel geschlagen – die Demographie war ruhig. Und trotzdem der Umbruch. Das stimmt doch in gewisser Weise optimistisch. Auch die demographisch saturierte Gesellschaft erlebte eine grundstrukturelle Veränderung. Oder ist das ‘saturiert-Werden’ selbst der Umbruch? Bzw. der Grund für diesen? Ich glaube Nein. Denn das Demographisch-Saturiertsein ist ein Element, ein wichtiges, aber nicht das Einzige, in der Komposition der Grundstruktur. Das Element ist nicht die Gesamtheit, wenn auch einzelne Elemente für Erklärungen leichter zugänglich und konkretisierbar sind. Den Pudding anhand eines seiner möglichen Zutaten an die Wand nageln, sozusagen. Die Gesamtheit ist es, in ihrer nichteinfachen, nichteindeutigen Form, die die Sozialsituation darstellt, durch welche die jeweils aktuelle Grundstruktur bedingt ist. Ob in ihrer Stabilität oder in ihrem Umbrechen zu einer neuen Grundstruktur.

April 28, 2012

Die Radikale Konservative Aktion postuliert

Freiherr Geiner („war so wie er“) Heißler von Oberlehrerdorf zu Sapienz ritt auf einem weißen Pferd in die Arena der öffentlichen Empfindungen. Er trank gerne mal einen ‘Heichelberger Unverfroren‘, war im Grunde aber eine ehrliche Haut. Er wurde vieles gefragt und beantwortete die Fragen oft verbindlich im Ton und unverbindlich im Inhalt. Das war, durchaus ernsthaft und ironisch zugleich, ein Teil seiner Erfahrung und Weisheit. Dann wieder eine Frage: „Die Geldmenge ist heute um ein Vielfaches größer als die tatsächliche Summe der Leistungen und Waren. Wenn man das für gefährlich erachtet: Wie könnte man diese virtuellen Geldblasen reduzieren, ohne das berühmte ‘Wachstum‘ zu gefährden? Und ohne die Einlagen vieler Sparer, Versicherten und Rentenanleger über Maßvollität – sozusagen maßvolle Volatilität – zu reduzieren? Muss das System erhalten werden so lange es geht, also bis es platzt? Oder kann man es gezielt bzw. kontrolliert reformieren?“

März 5, 2012

The slow rider will always be a lone rider?

“Man müsste einen Zeitraffer nehmen und dich 20 Stunden filmen; dann das Ganze in, sagen wir, 2 Minuten abspielen. Dann würde man sehen, dass Du etwas leistest. Ich will Dir ja gar nicht in Abrede stellen, dass Du arbeitest. Aber Du arbeitest so unglaublich langsam.”

Wie immer wieder versuchte ich, meine Zeit zu nutzen und hörte nicht mehr recht hin – war das Gesagte doch vielfach gehört. Ich dachte angestrengt an etwas anderes: ‚Sind mächtige Menschen so unsicher weil sie mächtig sind und Angst um diese erreichte Macht haben? Oder wollten Sie so mächtig werden, weil Sie von vorne herein bzw. schon zuvor ängstliche Menschen waren, die ihre Unsicherheit durch Macht kompensieren wollen?’

„Wechselwirkung…. – Wechselwirkung“ hörte ich Tarski im Hintergrund sagen.

Februar 4, 2012

Pressekonferenz

Die Pressemeute lauschte gespannt den Worten des Parteivorsitzenden der größten Oppositionspartei.
Dieser beschäftigte sich breit angelegt mit den großen Fragen und den offensichtlichen Schwächen der Konkurrenzparteien.

“Populismus und Alternativlosigkeit sind unsere größten Probleme derzeit”, sagte der Politiker mit betont ernster Miene. Dem schickte er noch einen Ernsthaftigkeit und Seriosität selbstbestätigenden Blick hinterher. Es hätte seinen Schauspiellehrer glücklich gemacht. Wenn er einen gehabt hätte. Er hatte in seinem Lebenslauf schon mit einem unvermeidlichen Aufenthalt am Lee Strasberg Institut geliebwandelt. Aber dann war er in die Politik gegangen.

“Kanzlerin Stromberg verkauft unsere Interessen an die USA” fuhr er ungerührt, diszipliniert in seiner Rolle, fort. “In China wagt sie es nicht einmal die Menschenrechte anzusprechen.”
“Wahrscheinlich hat sie diese dort auch gar nicht angetroffen”, flüsterte der zynische Reporter Walter zu seinem Kollegen nebenan.
“Auch die Linke Alternative hat außer Populismus und platten Parolen nichts zu bieten.”
Walter lächelte. Der Kollege neben ihm notierte fleißig, aber routiniert. Überraschungen waren heute wohl nicht zu erwarten.

Dezember 24, 2011

AmazonInnen und Weihnachten

Wildgewordene und teils wild gewordene AmazonInnen ziehen durch die Straßen und Landschaften. Sie überfallen Menschen und nötigen Sie, Grimassen zu schneiden oder über Ihr Leben nachzudenken (nicht höflich, vor allem aber: In vielen Fällen nicht nett). Sie steigern sich in ihrem Aktionismus in mehreren Etappen bis zum Plündern von Zitaten und Aufrufen der Revolutionsgeschichte – von Versuch über Darstellung und Pose. Wer sich Ihnen in den Weg stellt wird mit einem Stimmen-Gewirr von Fragen ge- und über-fordert. “Bist Du glücklich?” “Was ist Dein erster Lebensinhalt?” “Was willst Du erreichen?” “Was fehlt Dir in Deinem Leben?” etc. Dabei wird mit der Du-Form die übliche Distanz überschritten, was unangenehm sein kann. Oder es wird gelacht, der Vorbeigehende betrachtet und in seinen Reaktionen beobachtet. Danach zieht die Horde weiter und ver-un-sichert die nächste soziale Situation.

Heute ist Weihnachts-Abend. Allen Menschen einen ruhigen oder unruhigen Abend, so wie Sie ihn sich wünschen.

Oktober 31, 2011

Revolution ist anstrengend

„Wir brauchen keine geistigen Vaterlandsverräter – Wir brauchen richtige Vaterlandsverräter!“
rief er in den begeisterten Saal.
Aber der Saal war alt und erfahren. Die Leute darin waren jung und ob der großen Anforderungen des Redners nicht so begeistert.

Oktober 31, 2011

Humor gegen Revolutionsgelüste

Ein Kabarettist parliert auf lokaler Ebene über die schlechten Zustände in intersubjektiv geteilten Vorstellungswelten. Ausnahmsweise reagiert auf diese Kritik aus der intellektuellen res publica die Weltbühne. Die „Reaktion“ ist – heutzutage oder allgemein? – weder zustimmend noch ablehnend:
„Wenn die Leute drüber lachen kennen, dann denkens nicht an die Freuden einer versuchten Revolution“ sagte Woodrow thesenhaft. „Oder auch den Versuch revolutionärer Freuden.“ Und so weiter.

Im Hintergrund erhält der Komiker von vorhin am Hintereingang (des ?-Klubs) ein Bündel Geldscheine von einem Mann in einer Limousine, der dann wieder (der Chauffeur fährt) abfährt bzw. abfahren lässt.

Günther: „Die Leit’ hier machen auch so keine Revolution.“
„Erinnern wir uns an 1848!“ sagte der vorsichtige Ewald.

Nicht persönlich, nein“ scherzte Walther.

Günther: „Nein, das war keine Revolution. Der Erfolg macht die Revolution zu einer solchen.“
Walther: „Der Versuch ist strafbar, aber für sich alleine eine theoretische Randnotiz.“

Felics: „Man soll ja auch die Randnotizen beachten. Vielleicht liegt in Ihnen manchmal oder allgemein mehr Schönheit als im reinen Pragmatismus.“
Peter: „Ja, das kann sein. Die Klarheit hat abstrakt ihre orientierende und eventuell inspirierende Wirkung. Aber konstruktiv ist sie vielleicht nur, wenn sie subjektiv schön wirkt und nicht, wenn sie Angst macht.“

Rohrbach: „Auf einer anderen Seite sollte eine Interpretation der Wirkung des „subjektiv Schönen“ auch in den theoretischen Überlegungen an ihre sozialstrukturelle Subjektivitätsgebundenheit gekoppelt bleiben. Es sollte nicht eine generalisierte Forderung nach „Schönem“ bzw. eine moralisch instrumentelle Konstruktion eines solchen sein. Denn das konstruiert-objektivierte „Schöne“ konstituiert auch die kontrastierende Vorstellung eines „Unschönen“. Ein Schönheits-Kult wäre nicht die Antwort auf die Suche nach einer Orientierung in postmodernen Zeiten.“

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Oktober 31, 2011

Story – New Revolution

Alexei war groß gewachsen und hatte blondes Haar. Er hatte leuchtende blaue Augen und schien aus “gutem Hause” zu sein.

Er diskutierte mit Igor über Sinn und Sinnlichkeit von Revolutionen, seit sie mit dem U-Boot abgelegt hatten. Dabei formulierten beide von unterschiedlichen Standpunkten aus, kamen sich aber durch ihre Gespräche auch näher.

Alexei hatte auch Lord Acton gelesen und bereits die Lebenserfahrung gemacht, dass Macht korrumpiert. Auch deshalb war er aber selbst an Macht interessiert. Auch er wollte korrumpiert werden, sich gehen lassen, sich nicht entschuldigen müssen, für seine Triebe und Leidenschaften. Ihm stand der Sinn nach Marquis de Sade.

Igor schaute Alexei länger an als sonst: Es war nun etwas Glühendes an ihm. Er schien ein Ziel, einen Zweck zu haben, für das er – zumindest im Jetzt und für die Gegenwart, praktisch nicht theoretisch – zu leben versuchte.

„Mit jeder Phase meines Körpers will ich die Revolution der Sinnlichkeit voranbringen. Ich will zeigen, dass man es kann! Dass es der Mensch kann, Frauen und Männer, Alte und Junge. Im Jetzt leben und die Normen für die Zukunft aufsparen – oder besser noch: In die Sonntagsvitrine der Vergangenheit stellen. Es wird Zeit die bürgerliche Moral hinter uns zu lassen,“ sagte er und grinste Igor an.

„Ich weiß nicht, ob das überhaupt möglich ist,“ wandte Igor ein.

Der Starke ist am mächtigsten allein,“ sagte Alexei zitierend.
Igor im übertragenen Sinne zwinkernd: „Wir sitzen alle in einem Boot.“

Lenja Sarafanja – die auch Matrjoschka genannt wurde, weil sie immer für Überraschungen gut war – läutete die Glocke zum Duschen: „Wer duschen will, jetzt anstellen!“ „Pjat, Pjat – immer fünf auf einmal, bitte!“ rief sie durch die Gänge.

„Wir sollten unsere soziale Einbettung nicht zu sehr verlassen“ mahnte der auf dem Land aufgewachsene Nikolai mit betont ernsthafter Stimme. Er war auf dem Weg zur Dusche und hatte nur seine Halskette mit einem Kreuz daran und ein Handtuch um. Vielleicht redete er deshalb etwas lauter.

„Einbettung habe ich genug“, sagte Alexei. „Und die soziale Interaktion fördern wir Abenteurer der Sinnlichkeit auch.“

Juni 4, 2010

Jura – eine Wissenschaft für sich

§ 221 Lügengesetz verbietet Lügen in der Öffentlichkeit – mit Ausnahme von Lügen über das Aussehen von Mitmenschen und über die Freude, jemanden wiederzusehen.
§ 743 Nasenverwaltungsüberprüfungsvorstellungsgesetz schreibt bei einer Größe der Nase ab 7 cm eine Verlängerung der Fristzeiten bei geringerem Appetit in Tagesfällen auf.

Nasen haben kurze Beine! Aber haben Beine auch was zu sagen? Beim Tanz und Spiel bringen Sie viel. Theoretisch ist eher der Kopf entscheidend.