Archiv für ‘Komplexität der Moderne’

Mai 22, 2012

Steuern sind nicht steuerbar

Steuern runter, Bürger munter.

Das ist aus klassisch-liberaler Perspektive durchaus nicht falsch. Nach dieser ist der Staat das Gegenüber des Bürgers. Aus einer klassisch-konservativen Sicht jedoch ist das Konstrukt ‘Der Staat und seine Bürger’ (und umgekehrt) eine begrifflich-konstruktivistische Gemeinschaft – ohne gefragt zu werden, grundgegeben: Solange es die Institutionen ‘Staat’ und ‘Bürger’ gibt. Soll und Haben sind zwischen Staatsbürgern und Staatsinstitution immer gleich groß. Hier ist dann “nur” die Frage, wessen Steuern wann gesenkt und erhöht und gezahlt werden. Und für was sie ausgegeben werden. Letztlich bleibt alles im Kreislauf.

Mai 16, 2012

Die Abspaltung

Kaum war die Radikale Konservative Aktion (RKA) gegründet. Deren Ikone: Der Exzentriker Franz von Assisi, der vermutlich gar keine Ikone sein wollte. Da kam es bereits zum Bruch, eine Gruppe innerhalb der “alten RKA” brach heraus. So gründeten sich die “Post-Konservativen”. Nicht als Verein und nicht als Partei. Das wäre der Idee abträglich. Einfach kompliziert als Konzept des Umgangs mit der Umbruchzeit. In der die Orientierung aller Milieus neu justiert wird. Gedacht als stabilisierender Ausgleich zwischen der Gegenbewegung der Faulheit & des Etatismus (u.a. der RKA) auf der einen Seite und dem rekommodifizierenden und durch abstrakte Ideologiekonstrukte exzentrisch aufgeladenen Zeitgeist auf der anderen. Die erste Ikone der Postkonservativen war, etwas klischeehaft, Otto von Bismarck.

Eine Abspaltung passte zu dieser bewegten Phase und sollte der RKA, die als lebenskünstlerisches exzentrisches und politisches Projekt ergebnisoffen sein sollte, keinen Abbruch tun.

Das biedere Bürgertum war plötzlich politisch! Warum nicht? Gleiches Recht für alle, aber mancherlei subjektive Prädestination war damit, zumindest für diese Zeit, gefährdet. Eine Infragestellung des Status der institutionalisierten Revolution – und ihrer Repräsentanten – durch eine, wenn auch ebenso nur vermeintliche, Revolution von einer anderen Seite als der etablierten “Revolutionären”. Denkbar, aber ein Affront!

Von der erfrischenden Bilderstürmerei abgesehen: Biederkeit in motion. Sollte einem das Angst machen? Einen freuen oder unterhalten? Angst wäre, vielleicht inhaltlich falsch, aber vor allem übertrieben. In demographisch ruhigen Zeiten entsteht aus Trägheit auch in der Umbruchzeit kein gewalttätiger Extremismus. Das Bürgerliche (ob jeweils “alt” oder “neu”) bleibt unter diesen Bedingungen auch in der Bewegung (angenehm oder harmlos) ruhig.

Die Frage, die einer besorgt stellte, war: “Wenn das Bürgertum, als verlässlicher Pol der Ruhe und Kontrastbild für vermeintliche Revolutionäre, sich plötzlich ‘bewegt’. Wie soll der Revolutionär sich dann noch abgrenzen?”
“Der Revolutionär hats schwer” sagte ein Anderer.
Eine kluge Frau fragte: “Mal schichten-technisch gesagt: Wenn die Mitte in Aufruhr ist, sollen dann zum Ausgleich des Universums die Ränder bieder und ruhig werden?”
“Das wäre die Frage” sagte Udo, der Charismatiker mit der randvollen Brille. “Es könnte in der Abstraktion und Tat so sein, dass in einer Umbruchzeit die Mitte vom Rand kommen muss. Der temporäre Bewegungsdrang der Mitte wäre dann von den Rändern auszugleichen?”
“Ist das unsere Rolle? Die Innovatoren von gestern als die Beruhigungspillen von heute?” fragte Horst, der als Veteran schon an einigen Rändern der Gesellschaft war.

“Wir müssen nicht zusammenhalten, das ist unser Vorteil. Der Ausgleich kommt. Aber ob wir Teil des Biederen in Bewegung oder Teil des Bewegten in Biederkeit sind, das ist bedingt. Eine Wahl haben wir nicht. Gehen wir es also optimistisch und konstruktiv an.”

Die Postkonservativen gingen ans Werk, das daraus bestand, das yáng zum yīn zu sein. Und irgendwann auch wieder umgekehrt.

Mai 12, 2012

Herdprämie versus Kühlschrankboni

Ich will auch die Herdprämie. In meinem Besitz befindet sich ein Herd. Nicht in meinem Eigentum, aber es sollten doch nicht nur die eh schon Vermögenden belohnt werden. Ich habe zwar keine Kinder, aber auch hier sollte es keine nicht mehr zeitgemäßen Bevorzugungen mehr geben.

Und ich möchte weiter solche albernen Schlagzeilen lesen:

Zoff ums Betreuungsgeld

Merkel ködert die Feinde der Herdprämie


Quelle: Spiegel Online

Mai 3, 2012

L’Européanisation par la dette

Angela chante à l’oreille de Nicolas: «Boy, vous devez apprendre à vivre sans dette.»

Nicolas dit: «Peut-on faire une division du travail?»

Angela demande: «Qui fait quoi?»

Nicolas: «Cette année, l’art cher d’épargner est à vous. L’année prochaine, vous avez des élections. Et voilà, nous allons recommencer à épargner. Au moins, nous sauvons les apparences.»

Angela: «Cela ressemble à un judicieux Realpolitik.»

 

Nicolas 2012, Angela 2013. Francois 2012, Frank-Walter 2013.
Les élections pourraient obtenir une légère touche européanisé.

Mai 1, 2012

Fußball zwischen Moral und Ethik

Kurz vor der Tür der Ausführung steht die Männer-Fußball-EM 2012. Bisherige geplante (abstrakte) Gastgeber sind die Staaten Polen und Ukraine. Viele Menschen sind nun, eher aktuell, aus moralischen Gründen für den Entzug der Spiele für die (bzw. in der) Ukraine. Manche freuen sich schon auf die Verlegung der Spiele nach Deutschland.

Aus dieser Sicht schlägt Fußball also doch Politik. Selbst in unserer ungeordnet-politisierten Umbruchzeit.

April 27, 2012

Dialog der Narrative

Sturm und Drang: “Da muss doch was passieren!”

Biedermeier: “Immer schön mit Ruhe und Ordnung!”

Ominöse Mitte: “Wenn es so bedingt ist, also strukturell in der Zeit, dann tut sich was. Sonst nicht.
Aber ziert Euch nicht zu sehr wegen sozialer Unterschiede und kommunizieret miteinander und Ihr werdet Euch vielleicht inspirieren. Oder zumindest geistig transpiriert haben, wenn auch eventuell nur mit dem Ergebnis, dass ihr hinterher wieder zu wissen glauben dürft, warum Eure Vorurteile eben doch “recht” haben.”

April 18, 2012

Stability through elaborated flexibility

 

Che Schäuble Stability by Realpolitik

 

April 6, 2012

Ka-Ching!

Das Lied “Ka Ching!” von Shania Twain ist irgendwie postmodern. Es erzählt vom Leben in einer Kredit- und Konsumgesellschaft. Dabei ist der Text bzw. Gehalt des Liedes vielleicht sogar postmodernistisch-reflektiert – bewusst oder unbewusst. Text und Melodie könnten eine Satire sein, die selbstkritisch (auf der mikrosozialen Ebene) und allgemein-kritisch (bezogen auf die makrosoziale Ebene) die eigene und allgemeine Verstrickung in Konsum-Strukturen beschreibt. Es könnte aber auch – zumindest in der ursprünglichen Absicht der Autoren des Liedtextes – ein oberflächlicher Text sein, der in herkömmlicher Weise (und dabei, da er aus einer [bisher noch] voll etablierten Unterhaltungsindustrie kommt: heuchlerisch) über die “Verfehlungen” der Masse lamentieren soll, mit denen man natürlich “nichts zu tun” hat.

März 27, 2012

Per lubidine ad sinisterum

»“Rechts“ ist bewahren und “Links“ ist Verändern. Wir sind links.«

»Zumindest heute.«

»“Sinisteri sensuales!“ ist unser Motto. Oder eines unserer möglichen Motti.«

»Was heißt das?«

»Weiß nicht. Klingt aber gut. Könnte so etwas wie „Düstere Linke mit Gefühl“ heißen. Sinister klingt nach düster, aber auch nach ‘Links’. Das ist heute schon mal nicht falsch, formal-oberflächlich eingebettet im aktuellen Zeitgeist. Dabei sollte es aber offen genug sein, um flexibel auf kommende raum-zeitliche Veränderungen in der Auslegung von falsch und richtig reagieren zu können.«

»Bei der Re-Etablierung der Verhältnisse nach der Umbruchzeit sollten wir vorne mit dabei sein.«

»Diese Art der modernen – nicht postmodernen – Beliebigkeit scheinen unsere Postulate zu haben.«

»Flexibilität ist die Stärke unserer Organisation. ‘Authentizität durch Flexibilität’ ist auch eines unserer Elogia. Dieses kann zumindest als An-Schein die Assoziation des Lebendig-Dynamischen hervorrufen. Und es ist nicht modern-ironisch, sondern zeitlos gemeint. Mit etwas Glück wirken aufbauende Phrasen auch in Umbruchzeiten.«

»Ob morphomimetische Zeitgeist-Wiedergabe auch in so bewegten Zeiten wie heute für eine sozialstrukturelle Spitzenposition ausreicht, bleibt abzuwarten.«

»Der Geldschein wird derzeit in Frage gestellt. Der schöne Schein des zeitlich Angepassten vielleicht weithin nicht.«

»Vielleicht würde eine solche Revolution auch zu weit gehen.«

Januar 5, 2012

Schutz und Schelte

Auch die “Medien” sind relativ:

Das “gute” oder “schlechte” “Lumpenproletariat” aller Klassen vertritt nicht die ‘Interessen’ des Privatrundfunks. Eher umgekehrt*. Die von den öffentlich-rechtlichen Medien zu solchen gemachten “Intellektuellen” sind in den selbigen zu Haus.

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* Aber auch nicht wirklich, wie wir von der Dekonstruktion wissen [bzw. gerade nicht] können und wie es die Sozialstrukturelle Lehre zurecht verneint.