Akzeptieren und trotzdem, oder gerade deshalb, reflektiert und differenziert sein, ist Teil einer Lebenskunst
»Wer mit Gott unzufrieden ist, kann leider nicht sagen: Gib mir bitte noch mal einen Schöpfer.«
Wien ist nicht überall und doch
Akzeptieren und trotzdem, oder gerade deshalb, reflektiert und differenziert sein, ist Teil einer Lebenskunst
»Wer mit Gott unzufrieden ist, kann leider nicht sagen: Gib mir bitte noch mal einen Schöpfer.«
Die ‘ominöse Mitte’ ist nicht greifbar, nicht klar und ein-deutig definierbar. Das macht sie aus und das macht sie zur Kunst(herausforderung) im psychologischen (Innen-)Bereich wie auch in sozialen Kontexten.
Auch und besonders in der Kulturdebatte gibt es die – für mich klassische, menschheits-traditionelle – (zumindest theoretische) Pol-Linie (z.B. als Stufenmodell oder Kontinuum darstellbar) zwischen Laissez-Faire und Autoritarismus:
- Ist “der Mensch” fähig, seine eigenen Potenziale und das “was gut für ihn ist” selbst zu suchen? (Von “Wir haben es gefunden” sprechen oftmals die Ideolog[i]en.)
- Oder muss ein Mensch, von ‘Individuum’ bis ‘Masse’, erst kulturell gebildet und erzogen werden, gezeigt bekommen, was “richtige” und was “falsche” Kultur, Lebensweise und Geschmack sind? Aber, da es keine im Voraus gesetzte Objektivität gibt, wer mögen die “auserwählten” Menschen sein, die den Menschen erziehen, wie Jean-Jaques [Rosseau] “seinen” Emile? Wie es Max Stirner radikal kritisiert.
Die “Kulturindustrie” (als abstrakte Zusammenfassung aller [offensichtlich] “kommerziellen” Unterhaltungen) hat hegemoniale Tendenzen (vgl. Adorno). Die “Wahre Kultur”, wenn sie bloße arrogante Gegenkonstruktion bleibt, ist aber ebenso nicht inter-subjektiv orientiert, sondern projiziert eigene Vorstellungen und ein subjektives “Das ist Kultur und das nicht” auf die gesamte Gesellschaft.
La Grèce: Je ne veux pas travailler (trop).
L’Union européenne: Si c’est le cas – moi non plus.
Achtung: Déviance pourrait être contagieuse
A: Ich mache keine faulen Kompromisse. Annähernd alles was ich mache, mache ich aus Faulheit.
B: Der Fleiß des Faulen. Sollte auch mehr gewürdigt werden eigentlich.
A: In der Tat bzw. in der Nicht-Tat. Durch Taten soll man sie erkennen. Allerdings in diesem Fall nicht, weil man so viel von irgend etwas tut, sondern weil man es nicht tut. Auch wenn das vielleicht nicht Pareto-zufrieden macht. Mit der Zeit oft auch sehr unzufrieden.
B: Die tatsächliche Pflege der Faulheit ist nicht einfach. Eine Herausforderung. Vielleicht besonders in unserer Zeit, wo allem einen Sinn beigemessen wird. Wenn er fehlt, muss man ihn suchen. Oder zumindest eine glaubwürdige Attrappe aufstellen.
A: Heute ist auch die Faulheit komplex.
B: Eine Frage, wie man sich und sein Leben in einer Umwelt austariert, die ständig damit beschäftigt ist, sich mehr oder weniger gut auszutarieren.
A: Das ist Arbeit. Für die Griechen und Römer kam die Muße noch vor der Arbeit. Also in der Hierarchie der Beschäftigungen.
B: Allerdings basierte die Denkbarkeit eines für größere Bevölkerungsteile möglichen Müßiggangs, als ausgedehnte Beschäftigung, auf der Sklavenwirtschaft. Die einen “arbeiten”, die anderen “Denken”. Zwar denken viele beim Arbeiten und intensives Denken ist auch Arbeit. Aber diese Arbeitsteilung gibt es öfters.
A: Ja, Arbeitsteilung. Dann teilt man die Arbeit. Aber es bleibt Arbeit. Ob gut oder schlecht.
B: Mir deucht, die Arbeit in einem weiteren Sinne ist unentrinnbar.
A: Vielleicht hilft dann nur noch eine Umdefinition.
B: Arbeit abschaffen durch Veränderung des Begriffs bzw. seiner sozialen Deutung. Sozusagen eine diskursive Methode.
A: Die Arbeit abschaffen? Warum nicht? Natürlich fällt einem viel ein, ‘warum nicht’. Aber die Frage bleibt trotzdem bestehen. Vielleicht gerade, weil sie perspektivisch unterschiedlich beantwortbar ist.
B: Oder die Arbeit zu etwas machen, was mehr hergibt, was erfüllender ist als „herkömmliche Arbeit“.
A: Marketing und subversive Diskurs-Beiträge verbinden, das klingt gut. Kann etwas, das gut klingt, praktikabel sein?
Oscar: Hörst, Du alter Walzenbummler. Was machst Du denn da draußen? Gibt’s kein Morgen mehr oder hast Du das alles nur für eine Woche eingekauft?
Fred: Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren is. Ich hab nur ein wenig zum Leben kaufen wollen und nun hat mich der Genuss gepackt! Ich hab alles gekauft, was ich schon immer nicht haben musste.
Oscar: Fin de siècle am Anfang des Jahrhunderts, sogar am Anfang des millenio?
Fred: Man kann ja nicht ewig streben. Wenn man Karriere macht, macht man das ja nicht der Karriere wegen, sondern aus egoistischen Gründen.
Churchill-Film
Churchill hält vor seinem Kabinett eine Rede zum Kampf des englischen Staates gegen den Überfall des Deutschen Reiches auf Europa. Mit vielleicht nicht unnützem Pathos beschwört er den Kampf gegen die Besetzung bis zum Tod aller anwesenden Zuhörer. Das wirkt wegen seiner heldenartigen Absolutheit befremdlich für differenzierungsgewöhnte Ohren und erlernt (bzw. konditioniert) mehrperspektivisches bzw. reflexives Denken. Es mag gleichzeitig (zum Staatserhalt) notwendig gewesen sein, und gegenüber der Bedrohung ist das “Notwendige” (Zweckmäßige) in diesem Fall wohl intersubjektiv segensreich gewesen. Keine Kapitulation. Aber es ist in dieser Form (der instrumentellen Vereinfachung) nichts, was meine Emotion gewinnt.
Szenenwechsel. Nun steigt Churchill nach dem Baden aus dem Meer und lässt sich mit dem ersten Schritt von seinem Leibwächter Feuer für seine Zigarre geben. Er ist mir sympathisch.
Das Verhältnis zwischen Leistung und Entspannung
Fred: Waast, mit da Disziplin, des is es, mit da Disziplin, daas die heut kaaner meea hott, des hott oeß ins Wanken bracht.
Oscar: Wissen Sie, Herr Fred, der Witz is hjo daas: Des stimmt aach noch. Es klingt nach allfelliger Kulturkritik-Routiine. Isses vielläächt auch – aba nicht in diesämm Zusammenhaange.
Fred: Germanien als Sparta, wer hätte das zu römischer Zäät gedacht? Durch das Wirtschaftssparta zum “Wirtschaftswunder”. Höötezutage als lässiges “Komm ich hööt nicht, komm ich moagen – vielläächt.”
Oscar: Vom Wirtschaftssparta zum Zaahlmäista würden maanche EU-Defaitisten sagn.
Fred: Vielleicht ham die Teutschen die Disziplin abgelegt, aber nicht die dazu gehörende Kultur entwickelt. Eine Kultur der Relativität des Läästungsgedankns.
Oscar: So wie sie zum Bäschpill die Italiener haben.
Fred: Ja, also Kultur, nicht pauschal jedes einzelne Individuum oder jede Region und so wääta.
Oscar: Oder wie die Franzosen – die Probleme einfach wegstreiken.
Fred: Währenddessen die Italiener sich einfach nicht zu sehr damit beschäftigen.
Oscar: Die sand mit ihrär kultuviertn Gelossenheit viellächt ganz gut auf die zukümftigen Enderungn vorberätet.
Fred: Italianità per Urbi et Orbi?
Oscar: Per haps.