Archiv für ‘Philosophie’

April 7, 2012

Y lichtendzrin

Ostern

Dualistisch formuliert hat alles zwei Pole. Zwischen denen man sich bewegen kann, und manchmal entscheiden muss, was seine Lebensphilosophie angeht. Da wären: Ideeller Absolutismus* versus Pragmatischer Relativismus.

Wir suchen das Schöne, Wahre, Gute (siehe Goethe, Antike, etc.) und erhalten doch das, was wir erhalten. Von Verdienen kann hier keine Rede sein. Das Leben ist keine Ökonomie. Eher eine große Suche nach dem Osternest des Lebens. Die Suche ist das Ziel. Zwischendurch gibt es Geschenke.

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* Zum ideellen Absolutismus [in gewisser Weise auch: Rigorismus] zähle ich den radikalen (konsequenten und am Ideal als Maßstab orientierten) Idealismus, wie auch den radikalen Relativismus (als Absolutismus, der den Idealismus als Anti-Idealismus bzw. Negations-Idealismus spiegelt).

April 5, 2012

Idealismus: John Henry Mackay

Kurze Interpretation des Gedichts “Kampfweise” von John Henry Mackay erschienen im Jahr 1890:

Das Poém hat etwas Stirnerisches. Er hat auch etwas von Nietzsche (was spekulativ etwas Post-Stirnerisches ist). Das “Vornehme” interpretiere ich spontan als Zurückhaltung gegenüber Massenbewegungen und Massendynamiken. Eine (mehr oder minder weit-gehende) Zurücknahme von (und Verzicht auf ein/das) “Dabei sein”. Dieser Verzicht als ein Ausdruck (oder eine Möglichkeit) von “frei” sein/fühlen etc. Darin könnte man u.a. auch stoische Elemente verorten.

Das Entfachen zur That für die Schwächlichen könnte ein Aufruf sein. Das Wort soll wohl inspririeren, die Schwächlichkeit (vielleicht Unmündigkeit) durch Praxis zu entwöhnen. Die Folge der Schwächlichkeit könnte in den folgenden Zeilen beschrieben werden: Das Mitlaufen/sich Mitreißen lassen in der Masse, die den jeweils aktuellen Phrasen hinterherläuft bzw. diese vor sich herträgt, wie eine Ersatz-Monstranz. Dieser “Gott” sei der Gott des Freien nicht, so der Text (in meiner hierigen Interpretation).

Der dritte Vierzeiler spricht vom fernsten Land. Dieses kann u.a. eine politische Utopie oder eine Wunschvorstellung darstellen. Ich assoziiere hierzu gerade zwei Möglichkeiten: Entweder die Stirnerische Darstellung eines eigenständig zu vollziehenden Erkundens seines subjektiv eigentümlichen Universums durch den jeweils “Einzigen”. Oder ein optimistischer, auf die soziale Gesamtheit bezogener Ausblick: Das am Anfang sozial herausfordernde – und daher oft anstrengende bis gefährliche (“herbe Saat”) – Schreiten von Einzelnen auf unbekannten Pfaden (als “Vorreiter” in verschiedenen Gebieten, z.B. Schumpeters Unternehmer in der praktischen Wirtschaft) führt zur Erschließung neuer Bereiche (Erkenntnisse, Möglichkeiten, etc.). Diese werden, zumindest wenn sie später sozial rezipiert und adaptiert werden, in späteren Generationen zum Selbstverständlichen gehören: “Wie werden mühlos einst und leichten Schrittes
Die Enkel ernten unsere herbe Saat !”

März 23, 2012

Kunst für die Umbruchzeit

Easy Rider war einer von einigen Filmen, die in künstlerischer Darstellung über Geist(e) und Geister (im vielseitigen Sinn, als Ideen, Erfahrungen, Interpretationen, Postulate etc.) ihrer ‘Zeit’* berichteten.
Wir leben meiner Interpretation und erzählerischen (Re-)Konstruktion nach aktuell in einer grundstrukturellen Umbruchzeit. Da kam mir spontan die Frage: Brauchen wir einen neuen Easy Rider? Neue Filme, Musik, Literatur, die diesen Umbruch ansatzweise (im Sinne Quines angedockt bzw. vermittelt über die geistig vielleicht bewegliche[re]n Ecken unserer Weltsicht und -verarbeitung) aufnehmen lassen und ein gemeinsam teilbare** Symbole und Kommunikations-Anknüpfungspunkte für die gewandelte Struktur – die Grundstruktur und die Substrukturen in den ausdifferenzierten partiellen Welten – der Zeit sein könnten?

Künstlerische Verarbeitung konkreter Erfahrungen und abstrakter Ideen der Zeit. Aus der Zeit, für die Menschen in der Zeit, über die Zeit hinaus. Repräsentativ und reflexiv.

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* Die Zeit von u.a. Easy Rider ist als “physikalische” Zeit mit dem Begriff ’1960er-Jahre’ nur grob zusammengefasst. Für die Zeit-Repräsentation und -Reflektion entscheidend sind die “60er” als (sozusagen metaphysische) strukturell-kulturelle Zeit, die sich in verschiedenen Räumen (im “Westen” und darüber hinaus) ereignete.
** Intersubjektiv teilbar als ‘Eines für (möglichst) viele (potenzielle) Einzigartige’, im Sinne Hannah Arendts, eventuell auch Ludwig Marcuses und anderer Humanisten. ‘Unus pro (et per) multa’ (und/oder multis etc.?).

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März 20, 2012

Permanente Herausforderung und Recht auf Pause

Michel Foucault → Abweichung ist Trumpf. Permanent minority report. Minderheit und Potenzial des Menschen in der und durch die Abweichung (U.a. Marcuse [Herbert]: Randgruppen als Träger des/eines kritischen Potenzials).

Permanent deconstruction – nicht immer (weil anstrengend) aber grundsätzlich immer möglich (zeitlich) und auf alle Themen bezogen bzw. anwendbar (und grundsätzlich auch allem gegenüber egalitär anzuwenden). Not saving any topic from having the right to be deconstructed (just because you like it) → no conservation or Aussparung der jeweils eigenen Lieblinge etc. (But) at the same time teilweise Akzeptanz of some kind of partial construction: Als Referenz (und praktische Grundlage etc.) ‘A‘, auf die sich die jeweilige Dekonstruktion von Thema ‘B‘ beziehen kann. Denn man kann nicht (oder doch?, aber wäre das Nihilismus?) alles gleichzeitig – und zeitunabhängig vermutlich überhaupt nie inhaltlich alles dekonstruieren. Irgend einen Anker des Bezugs braucht der kritischste Mensch. Viele vermeintliche Supra-Kritiker sind sogar sehr verankert (bishin zu ideologisch zementiert) in bestimmten Urteils-”Gewissheiten”. Reflektierter und (selbst-)kritikoffener Steckenpferds-Konservatismus ist also praktischer und menschennäher als die postulierte Gewissheit, keine liebgewonnenen Gewohnheiten zu haben. Oasen der persönlichen Vorliebe (als lebendiger oder auch schläfrig-müßiggängerischer Garten oder Museum etc.) sind es, die uns offen machen für neue Eindrücke. Wer keine Oase hat, der sucht den Halt oft dort, wo er die Offenheit pflegen sollte und projiziert das Museum der Privatheit in eine Ideologie des öffentichen Raums.

Dezember 31, 2011

Markt der Illusionen

“Einen interessanten Fang haben wir uns hier eingefangen,” sagte der Hobby-Kryptozoologe Dornkaat Wallenstein. “Aber Markt Euch keine Illusionen,” fuhr er rhetorludisch fort. “Wir brauchen mehr als das, um vom wirtschaftlichen System Support zu erhalten. Nur eine gute Geschichte zählt heute nicht mehr. Wir brauchen eine gute Mischung aus Sex, Intrige und Volksnähe.”

“Wie sollen wir das alles in unser Projekt integrieren?” fragte Lohbichler Michi sorgenvoll.

“Vielleicht müssen wir unser ‘Projekt’ auch in den heute gefragten Standard integrieren.” mutmaßte Manfred.

“Wissenschaft schafft Arbeitskraft, also Motivation, aber auch Arbeit. Das sind zwei Seiten eines Tetraeders.” sagte Dornkaat.

“So lange das Paradigma stimmt, würde Kuhn vielleicht sagen, passt das.”

“Der Eine verteidigt zwanghaft das Bestehende, der andere propagiert ebenso zwanghaft das Neue.”

“Der Eine betreibt eine Routine und konstituiert sie dadurch. Der Andere wird davon angetrieben, letztlich eine neue Routine zu etablieren.”

“Bring Dich auf einen allgemeinen Überblick über den Stand unseres auskonstruierten Fachgebietes. Dann entscheide Dich: Routine und sichere Wege zu etabliertem Ansehen und Position im Betrieb. Oder Herausforderung des Alten um der Herausforderung willen. Neuer, steiniger Weg, mit dem ambivalenten Ruhm des Außenseiters. Mit der Möglichkeit sozial bekannt zu Scheitern oder zu Obsiegen. Als Vorreiter eines neuen Paradigmas.”

“Is eigentlich egal.”

“Könnte eine Typfrage sein.”

“Letztlich entscheidet also wohl wieder die Psychologie innerhalb der soziologischen Strukturen über Position und Positionierung. In der Religion wie in der Wissenschaft.”

“Wissenskonstruktion und Glaubenskonstruktion sind nicht weit auseinander. Und doch zwei verschiedene gesellschaftliche Funktionsbereiche.”

Dezember 5, 2011

Slavoj Žižek bleibt stehen

Großartitsch. http://www.welt.de/kultur/article13741294/Occupy-Dieser-Hippie-Scheiss-ist-so-oede.html

Die Bewegung definiert sich, Žižek zieht weiter. Und andersherum: Die Bewegung bewegt sich, so ist das bei Bewegungen. Žižek bleibt stehen und denkt (weiter, anders?).

November 30, 2011

Faulheit als eine der Möglichkeiten der Lebenskunst

A: Ich mache keine faulen Kompromisse. Annähernd alles was ich mache, mache ich aus Faulheit.

B: Der Fleiß des Faulen. Sollte auch mehr gewürdigt werden eigentlich.

A: In der Tat bzw. in der Nicht-Tat. Durch Taten soll man sie erkennen. Allerdings in diesem Fall nicht, weil man so viel von irgend etwas tut, sondern weil man es nicht tut. Auch wenn das vielleicht nicht Pareto-zufrieden macht. Mit der Zeit oft auch sehr unzufrieden.

B: Die tatsächliche Pflege der Faulheit ist nicht einfach. Eine Herausforderung. Vielleicht besonders in unserer Zeit, wo allem einen Sinn beigemessen wird. Wenn er fehlt, muss man ihn suchen. Oder zumindest eine glaubwürdige Attrappe aufstellen.

A: Heute ist auch die Faulheit komplex.

B: Eine Frage, wie man sich und sein Leben in einer Umwelt austariert, die ständig damit beschäftigt ist, sich mehr oder weniger gut auszutarieren.

A: Das ist Arbeit. Für die Griechen und Römer kam die Muße noch vor der Arbeit. Also in der Hierarchie der Beschäftigungen.

B: Allerdings basierte die Denkbarkeit eines für größere Bevölkerungsteile möglichen Müßiggangs, als ausgedehnte Beschäftigung, auf der Sklavenwirtschaft. Die einen “arbeiten”, die anderen “Denken”. Zwar denken viele beim Arbeiten und intensives Denken ist auch Arbeit. Aber diese Arbeitsteilung gibt es öfters.

A: Ja, Arbeitsteilung. Dann teilt man die Arbeit. Aber es bleibt Arbeit. Ob gut oder schlecht.

B: Mir deucht, die Arbeit in einem weiteren Sinne ist unentrinnbar.

A: Vielleicht hilft dann nur noch eine Umdefinition.

B: Arbeit abschaffen durch Veränderung des Begriffs bzw. seiner sozialen Deutung. Sozusagen eine diskursive Methode.

A: Die Arbeit abschaffen? Warum nicht? Natürlich fällt einem viel ein, ‘warum nicht’. Aber die Frage bleibt trotzdem bestehen. Vielleicht gerade, weil sie perspektivisch unterschiedlich beantwortbar ist.

B: Oder die Arbeit zu etwas machen, was mehr hergibt, was erfüllender ist als „herkömmliche Arbeit“.

A: Marketing und subversive Diskurs-Beiträge verbinden, das klingt gut. Kann etwas, das gut klingt, praktikabel sein?

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August 27, 2011

Artikulation ohne mit Aussage

Ist eine aussage- und interpretations-offene Kommunikation möglich?

Fred: „Ich weiß selbst nicht genau, was ich damit aussagen will. Ich drücke es eben aus, wie es mir gerade scheint bzw. erscheint.“

Oscar: „Da fehlt ja dann die klare Aussage. Was soll man denn damit anfangen?“

Fred (rhetorisch empört): „Sind wir schon so „neoliberal“, dass in allen unseren menschlichen Artikulationen eine klar umrissene Aussage stecken muss? Ist der ’Positivismus’ schon Grundlage all unserer Gespräche geworden? Oder soll er es nur sein, weil wir damit die Vorstellung einer Objektivität haben, an der wir uns festhalten können? Trotz aller Ungewissheit und Subjektivität?“

Mai 31, 2011

Ideal des Differenzierens

Man kann es so sehen: In der theoretischen Beschäftigung (nicht auf der lebenspraktischen Handlungsebene) mit prinzipiell allem kann man und sollte man (in einem möglichst weitgehenden, so weit subjektiv menschenmöglichen Maß) die soziale Einbettung und den jeweiligen Kontext der Dinge differenzieren.

Mai 11, 2011

Leben und Vorstellung davon

Das Leben spielt sich zwischen, durch und entgegen unseren Vorstellungen ab.

Eine Frage ist, ob wir eher unser Leben unseren Vorstellungen oder unsere Vorstellungen unserem Leben anpassen.

Eine weitere Frage ist, ob wir diese Frage selbst (mit)beantworten können.

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