Archiv für ‘Stilfragen’

April 27, 2012

Dialog der Narrative

Sturm und Drang: “Da muss doch was passieren!”

Biedermeier: “Immer schön mit Ruhe und Ordnung!”

Ominöse Mitte: “Wenn es so bedingt ist, also strukturell in der Zeit, dann tut sich was. Sonst nicht.
Aber ziert Euch nicht zu sehr wegen sozialer Unterschiede und kommunizieret miteinander und Ihr werdet Euch vielleicht inspirieren. Oder zumindest geistig transpiriert haben, wenn auch eventuell nur mit dem Ergebnis, dass ihr hinterher wieder zu wissen glauben dürft, warum Eure Vorurteile eben doch “recht” haben.”

November 30, 2011

Faulheit als eine der Möglichkeiten der Lebenskunst

A: Ich mache keine faulen Kompromisse. Annähernd alles was ich mache, mache ich aus Faulheit.

B: Der Fleiß des Faulen. Sollte auch mehr gewürdigt werden eigentlich.

A: In der Tat bzw. in der Nicht-Tat. Durch Taten soll man sie erkennen. Allerdings in diesem Fall nicht, weil man so viel von irgend etwas tut, sondern weil man es nicht tut. Auch wenn das vielleicht nicht Pareto-zufrieden macht. Mit der Zeit oft auch sehr unzufrieden.

B: Die tatsächliche Pflege der Faulheit ist nicht einfach. Eine Herausforderung. Vielleicht besonders in unserer Zeit, wo allem einen Sinn beigemessen wird. Wenn er fehlt, muss man ihn suchen. Oder zumindest eine glaubwürdige Attrappe aufstellen.

A: Heute ist auch die Faulheit komplex.

B: Eine Frage, wie man sich und sein Leben in einer Umwelt austariert, die ständig damit beschäftigt ist, sich mehr oder weniger gut auszutarieren.

A: Das ist Arbeit. Für die Griechen und Römer kam die Muße noch vor der Arbeit. Also in der Hierarchie der Beschäftigungen.

B: Allerdings basierte die Denkbarkeit eines für größere Bevölkerungsteile möglichen Müßiggangs, als ausgedehnte Beschäftigung, auf der Sklavenwirtschaft. Die einen “arbeiten”, die anderen “Denken”. Zwar denken viele beim Arbeiten und intensives Denken ist auch Arbeit. Aber diese Arbeitsteilung gibt es öfters.

A: Ja, Arbeitsteilung. Dann teilt man die Arbeit. Aber es bleibt Arbeit. Ob gut oder schlecht.

B: Mir deucht, die Arbeit in einem weiteren Sinne ist unentrinnbar.

A: Vielleicht hilft dann nur noch eine Umdefinition.

B: Arbeit abschaffen durch Veränderung des Begriffs bzw. seiner sozialen Deutung. Sozusagen eine diskursive Methode.

A: Die Arbeit abschaffen? Warum nicht? Natürlich fällt einem viel ein, ‘warum nicht’. Aber die Frage bleibt trotzdem bestehen. Vielleicht gerade, weil sie perspektivisch unterschiedlich beantwortbar ist.

B: Oder die Arbeit zu etwas machen, was mehr hergibt, was erfüllender ist als „herkömmliche Arbeit“.

A: Marketing und subversive Diskurs-Beiträge verbinden, das klingt gut. Kann etwas, das gut klingt, praktikabel sein?

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Oktober 31, 2011

Humor gegen Revolutionsgelüste

Ein Kabarettist parliert auf lokaler Ebene über die schlechten Zustände in intersubjektiv geteilten Vorstellungswelten. Ausnahmsweise reagiert auf diese Kritik aus der intellektuellen res publica die Weltbühne. Die „Reaktion“ ist – heutzutage oder allgemein? – weder zustimmend noch ablehnend:
„Wenn die Leute drüber lachen kennen, dann denkens nicht an die Freuden einer versuchten Revolution“ sagte Woodrow thesenhaft. „Oder auch den Versuch revolutionärer Freuden.“ Und so weiter.

Im Hintergrund erhält der Komiker von vorhin am Hintereingang (des ?-Klubs) ein Bündel Geldscheine von einem Mann in einer Limousine, der dann wieder (der Chauffeur fährt) abfährt bzw. abfahren lässt.

Günther: „Die Leit’ hier machen auch so keine Revolution.“
„Erinnern wir uns an 1848!“ sagte der vorsichtige Ewald.

Nicht persönlich, nein“ scherzte Walther.

Günther: „Nein, das war keine Revolution. Der Erfolg macht die Revolution zu einer solchen.“
Walther: „Der Versuch ist strafbar, aber für sich alleine eine theoretische Randnotiz.“

Felics: „Man soll ja auch die Randnotizen beachten. Vielleicht liegt in Ihnen manchmal oder allgemein mehr Schönheit als im reinen Pragmatismus.“
Peter: „Ja, das kann sein. Die Klarheit hat abstrakt ihre orientierende und eventuell inspirierende Wirkung. Aber konstruktiv ist sie vielleicht nur, wenn sie subjektiv schön wirkt und nicht, wenn sie Angst macht.“

Rohrbach: „Auf einer anderen Seite sollte eine Interpretation der Wirkung des „subjektiv Schönen“ auch in den theoretischen Überlegungen an ihre sozialstrukturelle Subjektivitätsgebundenheit gekoppelt bleiben. Es sollte nicht eine generalisierte Forderung nach „Schönem“ bzw. eine moralisch instrumentelle Konstruktion eines solchen sein. Denn das konstruiert-objektivierte „Schöne“ konstituiert auch die kontrastierende Vorstellung eines „Unschönen“. Ein Schönheits-Kult wäre nicht die Antwort auf die Suche nach einer Orientierung in postmodernen Zeiten.“

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Juli 17, 2011

Fritz the Hayek and… the Lord

Fritz the Hayek

Friedrich August von Hayek was so totally “neoliberal” that he almost could be considered as classical-liberal. Or even as a classical liberal. He was serious! – in thinking as well as in lifestyle.

Mai 31, 2011

Ideal des Differenzierens

Man kann es so sehen: In der theoretischen Beschäftigung (nicht auf der lebenspraktischen Handlungsebene) mit prinzipiell allem kann man und sollte man (in einem möglichst weitgehenden, so weit subjektiv menschenmöglichen Maß) die soziale Einbettung und den jeweiligen Kontext der Dinge differenzieren.

Mai 10, 2011

Schreiben, Stil, Test, Roboter, Neue Welt


Dietmar Dath

Ich entschuldige mich bei Dietmar Dath. Der Test wird aber von einem gut programmierten Roboter durchgeführt. So gesehen in mehrfachem Sinne die Stilkritik einer neuen Zeit. In gewisser Weise basisdemokratisch, heute als virtuelle Klick- und Kommentar-Variante durchaus praktisch möglich: Jeder darf was reinschreiben, erhält eine (Ein- und Zu-)Ordnung durch Stil, und wird wahrgenommen. Und das Ganze passiert in der neu konstruierten virtuellen Großgesellschaft / “Welt”, und durch eine programmierte Maschine. Die Zukunft ist hier durchaus nicht mehr ganz futuristisch.

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Februar 25, 2011

Mörtel ist grundlegend

Die Kirche gehört ins Dorf  – und der Opernball gehört denen, die ihn gestalten.

Mörtel ist das Unterhaltsamste, was der Opernball die letzten Jahre zu bieten hatte. Wenn er Ruby einladen will, ist das nicht Schlimmer als jede andere Einladung. Er ist ein Macher. Er machte was, er machte was her und damit auch für den Opernball. Er ist Richard Lugner, er lebt die Rolle. Wenn er eine attraktive junge Frau einlädt, dann lädt er sie ein. Der Opernball ist eine Institution – Lugner ist einer ihrer heutigen Säulen. Er ist der Mörtel des Fundaments des derzeitigen Opernballs.

Man kann immer sagen: “Was hat dieser Gast denn geleistet?”, aber da wirds schon sehr subjektiv und eine weitere Diskussion darüber kann maximal noch unterhaltsam sein. Geleistet hat der/die Gast/Gästin, dass er/sie zum Opernball eingeladen wird, von dem Mann, der den Opernball die letzten Jahre mit geprägt hat.

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Dezember 15, 2010

Pragmatischer Genussmensch

Kann man sagen, dass Rainer Brüderle (derzeit Bundeswirtschaftsminister, FDP) der Erich Streissler (Professor, emeritiert, Universität Wien) der deutschen Politik ist? So als Analogie vermutlich nicht. Aber als Ähnlichkeiten-Assoziation vielleicht schon.

Juli 10, 2010

Alexei Romanows Zigaretten-Freiheit

Alexei Romanov ging mir auf den Sack. Er kaufte sich immer die gleichen Zigaretten. Natürlich nicht die selben, denn er rauchte sie ja. Aber die Gleichen. Ob er ein Egalitätsfanatiker war, war nicht bekannt. Der Mensch ist sowohl egalitär als auch anti-egalitär. Im Ergebnis ist das, konstituierend für das menschliche Dasein, ein Widerspruch zwischen verschiedenen, nicht kompatiblen subjektiven und intersubjektiven Ansprüchen und der naturgegebenen Wirklichkeit. Denn an den Grenzen der Wünsche erfährt man die Wirklichkeit, bzw. dort ist sie zu Haus.

Oktober 30, 2009

Was wäre wenn

Was wäre, wenn eine Persönlichkeit in einem für wichtig erachteten Amte, wie der (deutsche/österreichische)* Bundespräsident, seine offiziellen Texte mit persönlichen Randnotizen bzw. Unterschriften versehen würde? Z.B. mit “Schalke 04 forever” oder “HDgdl”. Wäre das volksnah, bürgerfreundlich, bildungsfern, populistisch, der Untergang des Abendlandes oder moderner Präsidialstil?

 

 

*Der preussische und der österreichische Bundespräsident sind selbstverständlich zwei verschiedene Ämter und Persönlichkeiten.

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