Artikel getaggt mit ‘Geschichte’

Mai 2, 2012

Großvater erzählt (,) postmodern

20xx? Irgendwann, in einer Zeit nach dem Ende des gesellschaftlichen Umbruchs. In einer Zeit, in der die Strukturierungen wieder etabliert sind. Horst, Mensch und ‘Akteur in Strukturen’, und als solcher ein Veteran des Umbruchs gewesen, erzählt:

“Die Republik der wilden, offenen Jahre. Die Umstände waren offen, weil sie für die Menschen in ihrer Entwicklung nicht genauer vorhersagbar waren. Sowohl was die Zeit als Gesamtes, noch was ihre Lebensgeschichten anbetraf. Was waren wir wild gewesen. Natürlich nicht wir als solche oder an sich, nicht mehr oder weniger als Andere in anderen Generationen jedenfalls. Die Strukturen waren es. Sie waren beweglich zu jener Zeit, sie tanzten durch die Tage und Monate, wie der Kongress vorder Restauration, hier allerdings am Ende der wilden Umbruchphase und zu Beginn der Re-Strukturierung. Aber immerhin und unbenommen waren wir – per Zufall und ohne Verdienst, also ohne Stolz, aber mit Glück, wie ich subjektiv meine – die Träger der Strukturen. Ob wir mal Wasser oder mal Wein trugen – beides ist notwendig vorhanden, also bedingt und Teil des Ganzen. Manche von uns trugen Fahnen, andere T-Shirts, mal als (post-)moderne Uniform, mal als Ausdruck naiver Individualität. Es wurde viel vor sich her-, und der Zeit hinterher-, getragen. Dafür wurde »this time« nicht so viel geschlagen – die Demographie war ruhig. Und trotzdem der Umbruch. Das stimmt doch in gewisser Weise optimistisch. Auch die demographisch saturierte Gesellschaft erlebte eine grundstrukturelle Veränderung. Oder ist das ‘saturiert-Werden’ selbst der Umbruch? Bzw. der Grund für diesen? Ich glaube Nein. Denn das Demographisch-Saturiertsein ist ein Element, ein wichtiges, aber nicht das Einzige, in der Komposition der Grundstruktur. Das Element ist nicht die Gesamtheit, wenn auch einzelne Elemente für Erklärungen leichter zugänglich und konkretisierbar sind. Den Pudding anhand eines seiner möglichen Zutaten an die Wand nageln, sozusagen. Die Gesamtheit ist es, in ihrer nichteinfachen, nichteindeutigen Form, die die Sozialsituation darstellt, durch welche die jeweils aktuelle Grundstruktur bedingt ist. Ob in ihrer Stabilität oder in ihrem Umbrechen zu einer neuen Grundstruktur.

Dezember 14, 2009

Musikalische Untermalung oder Kunst

Shimanov: „Im Rahmenprogramm wird die Historypunk-Band ‚Schmalkaldischer Frieden“ auftreten. Das gut funktionierende Musikkollektiv spielt neben Punkversionen von historischem Liedgut, wie dem pragmatistischen Klassiker „Die Partei hat immer recht“ oder (dem launigen) „Brüder, zur Sonne zur Freiheit – aber bitte gut eingecremt“ auch eigene Werke zu historisch unzwefelhaften Ereignissen, wie z.B. dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor.
Die Band passt mit ihrer Musik gut ins Jugendprogramm und die Texte passen derzeit auch gut zu unserem Staat. Daher lassen wir Sie hier gerne als offizielle Musikkünstler spielen.“

Hm: „Was ist wenn die Texte mal nicht so passen?“

Shimanov: „Nun, so eine Auftrittsgenehmigung und Spielerlaubnis wird ja auf aktueller Grundlage entschieden. Daher könnte es durchaus sein, dass einzelne Teile oder das ganze Programm angepasst werden müssten. Wenn dies nicht im Sinne der/einer Band wäre, würden andere hungrige junge Gruppen nachrücken.“

Hm: „Wie oft kommt es zu solchen Zensurfällen?“

Shimanov: „Auch nicht häufiger als in anderen Ländern. Nur ist es bei uns begründet.” Shimanov lächelte Hm verschmitzt an

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Oktober 14, 2009

Historosophie

Was bedeutet neu im historio-kulturell-evolutionären Kontext? Hier kann man u.a. zwischen zwei Fragestellungen unterscheiden:

  • Kann es noch etwas wirklich Neues auf der Welt geben oder ist alles “Neue” eine neue Form eines bereits Gewesenen?
  • (Wenn es nach Frage 1 theoretisch möglich ist:) Gibt es in den heutigen Rahmenbedigungen und Möglichkeiten der Kultur noch etwas Neues?

Die Frage kann nicht nur im kunstkulturellen Bereich gestellt werden, sondern auch in der Politik, in der Geschichte, in der gesamten Bandbreite menschlicher Kultur und der gesamten Entwicklungsgeschichte des Menschen. Bei der Entwicklungsgeschichte des Menschen kann man natürlich nur die heute bekannte(n) Geschichte(n) vergleichen, was im geschichtlichen Dunkel liegt leider nicht. Aber sollte man beim Vergleich geschichtlicher Abläufe auf allgemeine Regeln treffen, würden diese vermutlich allgemein für Bekanntes und Unbekanntes in der Geschichte und vermutlich auch für die Zukunft gelten. Oder kann der Mensch durch kulturelle Evolutionssprünge sich selbst quasi aus seinen menschlichen geschichtlichen Wiederholungsmustern katapultieren?

Die Frage, die mich auf so allgemeine Sinnierung brachte, stellte sich nach Betrachtung eines Musikvideos: Sind die ‘The Ting Tings’ die neuen ‘The White Stripes’? Oder sind die The White Stripes einfach immer noch The White Stripes? Und neue Dinge sollten lieber neu sein oder gar nicht?

Oktober 6, 2009

Gone by 2049

“Wir wählen die Freizeit”

hört man den Kanzler im Plenum sagen. Er hat die Bundestags-Wahl 2049 mit dem Spruch “Keine Experimente” gewonnen.

“Meine Damen und Herren, Herrinnen und Damern,

Wir können uns keine weitere Flucht der arbeitsfähigen 60-70jährigen aus unserem Gemeinwesen leisten. Die Generation Dritter Frühling darf nicht mehr länger nach USAnada oder in andere Nehmerländer abwandern. Heute…”

Plötzlich taucht auf der Zuschauertribüne ein Mensch auf, ein blutjunger Aktionist, vielleicht 55, höchstens 60 Jahre alt. Er schwingt eine Fahne der Widerstandsbewegung…

Opposition gibt es nicht mehr im Parlament. Die großteils über 80jährigen Parlamentarier sind aus dem Alter hinaus, in dem man große Veränderungen vor sich herträgt oder ernsthaft versucht. Widerstand formierte sich nach Jahren der Lethargie langsam, aber stetig anwachsend, außerhalb des Parlaments.

Ein Zentrum der ausformulierten Oppositionsaktivitäten stellt der Kropp-Verlag um den inzwischen 114jährigen Autor Erich Schwediken dar. Aber der Widerstand wird nicht nur dargestellt. Manchmal werden auch Aktionen gestartet. So wie an diesem nebligen Vormittag im Reichstag in Berlin. Versammelt hatte man sich zunächst auf dem ‘Gunnar Heinsohn-Platz’ am Denkmal des ungeborenen Revolutionärs.

 

Fortsetzung folgt, ohne Gewähr.