Machtpolitische Allianzen zwischen dem kühlen Machtpragmatiker Wolfgang Schäuble und dem schillernden, nach Außen hin eher auf Entertainment setzenden Diktator Muammar al Gaddafi.
Der Eine führt den Steuerkampf gegen die Schweiz, in der immer noch zu viele Republikflüchtlinge ihr Geld verstecken wollen. Der Andere wollte grundsätzlich mal wieder Schlagzeilen, und auf seine Ideen aufmerksam machen. Zu diesem Zweck findet er nicht schön, dass in der Schweiz vorläufig (bis zur nächsten anderslautenden Abstimmung) keine neuen Minarette mehr gebaut werden dürfen.
Schäuble hat ja auch gute Kontakte zur arabischen Welt, könnte der Verschwörungs-Fan da sagen. Aber ich glaube, der Selbstdarstellungsfaktor steht bei Gaddafi eindeutig im Vordergrund, während Schäuble (als “machiavellistischer” Fiskalmerkantilist) bei der (immer im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft stehenden) Kassenlage inzwischen jedes Mittel recht wäre, Geld für den Staat zu requirieren.
Warum wirft er dann nicht die Notenpresse an, könnten Realisten fragen? Ja, das wird schon gemacht, auch von der EZB und in der nächsten Zeit vermutlich mehr und mehr. Aber das fällt nicht in Schäubles Ressort. Jeder sorgt auf seinem Platz dafür, dass die wunderbare Welt der Illusion so bleibt – bis sie sich wieder ändert:
Der Steuer”sünder” und die Steuer”sünderin” versuchen, ihr Geld zu verstecken. Ohne sie hätte der Finanzminister kein Geld, das er suchen könnte. Im Inland und neuerdings verstärkt auch im Ausland. Die Fiskalinstitution und die an sie angeschlossene staatliche Hierarchie müsste mit dem auskommen, was die verbleibenden Nettozahler (Menschen, die noch weniger direkte oder indirekte Transfers vom Staat erhalten, als sie Steuern bezahlen) für den Staat erwirtschaften.
Das macht für das System den Unterschied zwischen früherem oder späterem Bankrott oder Umbruch. Aber für den Einzelnen bedeutet es einen großen Unterschied.
Freizeit nach Goethe: An der Illusion hängt, zum Untergang drängt, doch alles.
