Monat: Oktober 2009

Drunter und drüber

Zitat aus einem Basketball-Blog: „Oben und unten ist relativ“.

Das stimmt. Man kann finanziell in wohlständigen Verhältnissen leben und trotzdem unzufrieden sein, man kann arm sein, aber glücklich – und umgekehrt. Wenn man aber oben und unten austauscht bzw. die Verhältnisse durchmischt ist bald wieder alles so wie es war. Oben A und unten B = Oben B und unten A. Nicht individuell, hier gibt es deutliche Unterschiede: Ein guter Monarch bedeutet für seine Untertanen etwas deutlich anderes als ein schlechter Monarch oder gar ein bösartiger Herrscher. Aber in der Masse (Durchschnitt) und nach einer gewissen Zeit (x) führt der Austausch von oben und unten, vermutlich egal in welchem Bereich, zu keiner Veränderung der Gesamtverhältnisse. Das könnte man erschreckend nennen – oder beruhigend, weil verlässlich.

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Panis et ludi

B: Natürlich ist politische Herrschaft heutzutage noch möglich. Vermutlich sogar aufgrund technischer Mittel noch viel besser als früher. Aber man muss es auf eine Art machen, die für eine kritische…

A: …bzw. unkritische… lacht boshaft

B: …Masse angenehm ist. Negativ auffallen wird der Herrscher, der es nicht versteht, seine durch seine Position mitübernommenen Kinder auch auf eine adäquate Art und Weise zu unterhalten.

Propositum 2010

„Wie kommen Sie darauf, so etwas zu behaupten?“  schnaubte der Sachbearbeiter B. unsachlich.

A: Wenn mir keine Leistungen gewährt werden muss ich demnächst versuchen, meinen Lebensunterhalt durch Betteln zu bestreiten.

B: Sie bestreiten also, einen Lebensunterhalt zu benötigen?

A: Wie meinen? Ich würde versuchen müssen, durch Betteln zu überleben meinte ich.

B (sieht aus, als ob ihm eine Idee gekommen ist): Sie könnten also freiberuflich – ohne Sozialleistungen über die Runden kommen?

lächelt

A: Weiß ich doch nicht. Überleben kann man wahrscheinlich schon. Aber eine würdige Existenz hätte man dann nicht.

B: Oh….. Hochwürden.   rutscht auf dem Sessel hin und her und lächelt

A: Meinen Sie nicht?

B: Nun, es gibt ja verschiedene Auffassungen , was ein würdiges Leben ist, Herr äh… Holzmann.

A: Ja, kann sein. Was meinen Sie?

B: Ich habe als Vertreter einer Körperschaft öffentlichen Rechts zunächst mal keine Meinung, sondern Dienstvorschriften.

Jenseits pur, Diesseits synkret

These: Nur mit Diesseits-Jenseits-Vorstellung ausgestattete, also klassisch-gläubige Menschen haben das Recht, das Leben puristisch (sozusagen quasi-ideologisch) anzugehen – und sich dem Diesseits abzuwenden, das heißt auch von Forderungen an das Diesseitige und an die Diesseitigen. Das irdische Leben allein ist – neben allen intersubjektiven Argumenten – zu kurz, um eine Ideologie für das Diesseits rechtfertigen zu können.

Historosophie

Was bedeutet neu im historio-kulturell-evolutionären Kontext? Hier kann man u.a. zwischen zwei Fragestellungen unterscheiden:

  • Kann es noch etwas wirklich Neues auf der Welt geben oder ist alles „Neue“ eine neue Form eines bereits Gewesenen?
  • (Wenn es nach Frage 1 theoretisch möglich ist:) Gibt es in den heutigen Rahmenbedigungen und Möglichkeiten der Kultur noch etwas Neues?

Die Frage kann nicht nur im kunstkulturellen Bereich gestellt werden, sondern auch in der Politik, in der Geschichte, in der gesamten Bandbreite menschlicher Kultur und der gesamten Entwicklungsgeschichte des Menschen. Bei der Entwicklungsgeschichte des Menschen kann man natürlich nur die heute bekannte(n) Geschichte(n) vergleichen, was im geschichtlichen Dunkel liegt leider nicht. Aber sollte man beim Vergleich geschichtlicher Abläufe auf allgemeine Regeln treffen, würden diese vermutlich allgemein für Bekanntes und Unbekanntes in der Geschichte und vermutlich auch für die Zukunft gelten. Oder kann der Mensch durch kulturelle Evolutionssprünge sich selbst quasi aus seinen menschlichen geschichtlichen Wiederholungsmustern katapultieren?

Die Frage, die mich auf so allgemeine Sinnierung brachte, stellte sich nach Betrachtung eines Musikvideos: Sind die ‚The Ting Tings‘ die neuen ‚The White Stripes‘? Oder sind die The White Stripes einfach immer noch The White Stripes? Und neue Dinge sollten lieber neu sein oder gar nicht?

Kratosophie

In einer Demokratie können oftmals nicht nur die Beherrschten, sondern auch die Politiker lockerer mit der eigenen Situation umgehen, als in einer Diktatur. Auch in einer Parteiendemokratie ist zwar die Macht der Regierenden in gewisser Weise durch Wahlen in Frage gestellt. Aber auch bei einer Abwahl bleibt doch die berechtigte Hoffnung auf einen Posten in Partei, Aufsichtsrat oder Verband. Diese Absicherung macht gelassener gegenüber dem Wahlvolk, auch wenn dieses mal – mit Ankündigung oder überraschend – frech wäre oder kritisch. So kann der Mensch aus dem Volk über die Regierung schimpfen und der Regierende kann es zulassen.

Wertschätzung

Man sagt: Diese Leistung ist nicht zu unterschätzen. Damit meint man (meist): Die Leistung soll man nicht unterschätzen, also richtig wert zu schätzen wissen. Man könnte es aber den Worten nach auch so verstehen: Diese Leistung kann gar nicht unterschätzt werden, da sie am absoluten Tiefpunkt angesiedelt ist.

Ein noch größeres Lob kann daher sein (im umgekehrter Auslegung dann wiederum nicht): Diese Leistung ist nicht zu überschätzen. Damit könnte man dann meinen: Diese Leistung kann man gar nicht überschätzen, also man kann sie nicht zu hoch einschätzen, da sie alle hohen Wertungen einhält oder sogar übertrifft.