Solaria


„Willkommen in der Ökodiktatur,“ sagte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses freundlich. Er sagte es nicht ironisch, denn Ironie war der Feind des Kampfes für eine Wende. Wende war das neue Wort für Revolution, weil bisher weniger abgenutzt. Auch hatte man sich eingestanden, dass eine gewisse gute Sache auch überzeugte Vorreiter brauchte. Die Funktionsträger von Solaria hatten sich für diese Rolle geopfert. Der Vorsitzende begrüßte die Neubürger, die den solarianischen Pass erhalten hatten. Er war auch einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Kommission für nachhaltige und verantwortungsbewusste Entwicklung, die für die Organisation des verantwortlichen Lebens in Solaria Verantwortung übernahm. Von den Menschen.

Der die neuen Einwanderer aus weniger nachhaltigen „Gesellschaften“ begrüßende Verantwortungsträger hieß Scheinmeier. Er hatte eine ungewöhnliche Brille, aber gewöhnliche Ansichten. Man gewöhnte sich nicht so gut an seine besserwisserische Art, das war vielleicht ein Marketing-Problem. Die Neuankömmlinge wussten das und vieles andere aber noch nicht. Sie konnten nur erahnen, welche zukünftige Freude noch lauern würde – Zukunft war sehr wichtig in Solaria. Sie nahmen zunächst nur die Beflissenheit wahr, mit der der äußerst abgestimmt gekleidete Vorsitzende sie in die Regeln und Pflichten des Lebens in Solaria einweihte.

Neben der Nachhaltigkeitskommission war die Agentur für Gesundheitsfürsorge, die vom Gesundheitsausschuss geleitet wurde, eine der wichtigsten Behörden der Nachhaltigkeitsvorsorge in Solaria.

’Intellektuelle gegen den Klimawandel’ stand auf einem Plakat in der Chaussee Claudia Roth. Es war nicht zu übersehen, dass hier viel getan wurde, für die gute Sache, aber vor allem gegen die Angst, die seltsamerweise oft gerade dann zunahm, wenn man sich besonders davor wappnen wollte.

Natürlich ist es eine Utopie. Deshalb ist die Frage: Wie utopisch sind die Utopisten?

Hermann fragte: „Bleiben Sie bei dem, was sie umsetzen können oder versteigen sie sich – und vor allem: die vormals von diesen Segnungen ausgeschlossenen Menschen – in nicht technisch machbare Veränderungen im Geiste, die politisch nicht planbar sind?“

„Und nicht beherrschbar?“ merkte Olio ungewollt konterrevolutionär an.

„Es geht uns nur um die Sache.“ sagte Scheinmeier mit leicht angesäuertem Gesicht.

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