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1. Dezember 2010

Morgens im Winter

Der Weg zur Bushaltestelle ist kurz. Kurz ist auch die Zeit, die mir bleibt, die Hausaufgaben noch zu erledigen. Das Wetter ist kalt, trockene, klirrende Kälte, die auf Körper und Psyche einwirkt. Die Gedanken kommen in die Gänge, werden angeregt durch die Anforderungen des Bewegens im öffentlichen Verkehr. Einstieg, der suchende Blick nach einem Sitzplatz: Gefunden, ein Platz allein im hinteren Abteil. Hinsitzen. Ruhe durch Distanz. Blick aus dem Fenster: Die Landschaft zieht vorbei. In Schnee gehüllte Wiesen, Äcker, Bäume. Ein Wintertraum? Traum von Ferien. Faire rien, obwohl man nie nichts macht, wirklich. Wirklichkeitswahrnehmung, morgens im Kalten anders als Mittags in der wärmenden Sonne. Haltestelle nach Haltestelle, Ausstieg, Einstieg, das geschäftige Gewusel am Morgen, dynamisch oder getrieben, die Menschen folgen ihren gewohnten Spuren. Halt! Hier muss ich schon raus. Ich träumte doch gerade so schön. Es ist fordernd, das alltägliche Leben, es ist unnachgiebig, das alltägliche Leben, es braucht Struktur, das alltägliche Leben, dann gibt es Orientierung, das alltägliche Leben.

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