Archive for Februar, 2012

27. Februar 2012

Es lebt und lebe das Versagen

Was wären wir ohne das sogenannte Markt- und Staatsversagen? Eine Perfect World? Man weiß es nicht, kann es aber spekulieren. Gemessen an der Dystopie eines fehlerfreien Staates und eines fehlerfreien  Marktes „versagen“ Markt und Staat ja praktisch am laufenden Fließband. Weil die Gesellschaft kein Fließband ist. Das ist humanistisch begrüßenswert. Und für die menschliche Praxis ist es realistisch. Nicht alles was als real interpretiert werden kann ist gut. Aber die Imperfektion – im „Postiven“ wie „Negativen, im Ambivalenten und in der Gesamtbetrachtung – ist mit der Menschlichen (Selbst- und Fremd-)Erfahrungs kongruenter als (vermeintliche) Ideale der Perfektion. Auch und gerade Fehler und Abweichungen (nonintentionaler Art oder mehr oder weniger bewusste, wie bei Foucault) in großen, komplexen und systemischen Dingen, sind ein Zeichen der Lebendigkeit. Ein vollkommener Markt, oder gar ein vollkommener Markt? Ein „perfekter Staat“, ein Staat ohne Fehler im System, ohne das Potenzial zur (in der Regel ungeplanten und in der Folge unvorhersehbaren) Abweichung*? Nein, das ist nicht und das bräuchte nicht zu sein – wenn man darüber nach frei wählbaren Optionen entscheiden könnte (was man nicht kann, das ist auch ein Teil der Imperfektion, in diesem Fall derjeningen der menschlichen Demokratie bzw. Autonomie im Bezug auf die komplexen, vielquelligen, abstrakten strukturellen Gefüge).

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* Im Sinne einer bestimmten (evtl. paläostrukturalistischen) Foucault-Interpretation.

16. Februar 2012

Liste bedrohter abstrahierender Beschäftigungen

Was auf die Liste der von Marginalisierung bedrohten Human-Beschäftigungen gehört,
u.a.:

– Die Neoklassik
Die Beschäftigung mit der Schönheit der Wirtschaft als Theorie, als Modell und Form. Nicht als schnöde Anpassung an die „Realität“. Das klingt teils ironisch, ist es doch auch die Kritik an der Neoklassik und ihrer Modellwelt(en). Es ist aber auch ihre Stärke gegenüber allen soziologischen und (sonstigen) empirischen Herangehensweisen, von denen ein Teil derzeit (strukturell immer zurecht) wieder en vogue ist.

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4. Februar 2012

Pressekonferenz

Die Pressemeute lauschte gespannt den Worten des Parteivorsitzenden der größten Oppositionspartei.
Dieser beschäftigte sich breit angelegt mit den großen Fragen und den offensichtlichen Schwächen der Konkurrenzparteien.

„Populismus und Alternativlosigkeit sind unsere größten Probleme derzeit“, sagte der Politiker mit betont ernster Miene. Dem schickte er noch einen Ernsthaftigkeit und Seriosität selbstbestätigenden Blick hinterher. Es hätte seinen Schauspiellehrer glücklich gemacht. Wenn er einen gehabt hätte. Er hatte in seinem Lebenslauf schon mit einem unvermeidlichen Aufenthalt am Lee Strasberg Institut geliebwandelt. Aber dann war er in die Politik gegangen.

„Kanzlerin Stromberg verkauft unsere Interessen an die USA“ fuhr er ungerührt, diszipliniert in seiner Rolle, fort. „In China wagt sie es nicht einmal die Menschenrechte anzusprechen.“
„Wahrscheinlich hat sie diese dort auch gar nicht angetroffen“, flüsterte der zynische Reporter Walter zu seinem Kollegen nebenan.
„Auch die Linke Alternative hat außer Populismus und platten Parolen nichts zu bieten.“
Walter lächelte. Der Kollege neben ihm notierte fleißig, aber routiniert. Überraschungen waren heute wohl nicht zu erwarten.

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