Ka-Ching!


Das Lied „Ka Ching!“ von Shania Twain ist irgendwie postmodern*. Es erzählt vom Leben in einer Kredit- und Konsumgesellschaft. Dabei ist der Text bzw. Gehalt des Liedes vielleicht sogar postmodernistisch**-reflektiert – bewusst oder unbewusst. Text und Melodie könnten eine Satire sein, die selbstkritisch (auf der mikrosozialen Ebene) und allgemein-kritisch (bezogen auf die makrosoziale Ebene) die eigene und allgemeine Verstrickung in Konsum-Strukturen beschreibt. Es könnte aber auch – zumindest in der ursprünglichen Absicht der Autoren des Liedtextes – ein oberflächlicher Text sein, der in herkömmlicher Weise (und dabei, da er aus einer [bisher noch] voll etablierten Unterhaltungsindustrie kommt: heuchlerisch) über die „Verfehlungen“ der Masse lamentieren soll, mit denen man natürlich „nichts zu tun“ hat.

Eine psychologisch und sozial selbstbestätigende Distanzierung gegenüber dem „Übel der Welt“, dessen Teil weder die Sängerin noch diejenigen, die sich gerade das Lied anhören, sein sollen. Gemeint und verstrickt sind immer „die Anderen“. Oberflächlich wäre das Lied dann, wenn es nur die Konsumgewohnheiten der Gesellschaft (Mesoebene) „kritisiert“, dabei aber behauptet, es selbst besser zu „wissen“ und vor allem besser zu handeln -> und daher besser zu ’sein‘.

Auch dieses Lied ist in seiner schlichten Komplexität wohl ausreichend, um es auf verschiedene Arten hören und interpretieren zu können. Hier eine (Um-)Interpretation bzw. Um-Schreibung des Liedtextes (mit anderen Worten und teilweise einer anderen Aussage-Richtung):

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Wir leben in einer gierigen kleinen Welt, die allen Jungen und Mädchen beibringt, so viel zu verdienen, wie irgend möglich – und es dann alles wieder dumm und sinnlos auszugeben.
Kannst Du es mich schreien hören? Ich möchte dich beschwören: Gib dein Geld doch lieber mir. Du kannst ja doch nicht damit umgehen. Du musst verstehen: Ist das Geld weg, lebt sich’s leichter. Du tust es doch eh nur für nutzlose Sachen ausgeben. Also jetzt bitte keine egoistischen Ausreden: Hinfort mit dem Übel der Welt. Gib mir jetzt dein Geld.

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* ‚Postmodern‘ im Sinne der Epochenbezeichnung der u.a. so genannten Postmoderne. Also als Begriff zur Fassung der (noch?) heutigen Zeit. (Andere interpretieren die jetzige Zeit eher als eine „Spätmoderne“ oder ander(e)s.)
** ‚Postmodernistisch‘ im Sinne der philosophischen und theoretischen Beschäftigung mit den sogenannten „postmodernen“ Ansätzen und Sichtweisen (auf die Welt etc.). Von mir werden diese postmodernen Denkweisen ‚postmodernistisch‚ genannt, ob der besseren Unterscheidung von der Postmoderne als Zeit bzw. gesellschaftlichem Zustand.

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