Archive for Mai, 2012

29. Mai 2012

Neuer Wein oder doch die (Nicht mehr-)Sicherheit des Bewährten?

Ich steh so auf das ganze soziale Zeug. Im Sinne der Komplexität der verschiedenen sozialen Phänomene, die durch die Zeit geistern. Einzeln sind es oftmals einfache, oder zumindest nachvollziehbare Konstruktionen und Erzählungen. Aber zusammen ergeben sie ein buntes Potpourri der subjektiven Prioritäten und Perspektiven.

Derzeit stehe ich auf Griechenland. Aufregende Zeit dort, obwohl es sich bei diesem indirekt traditionsreichen Konstrukt um ein relativ (und hoffentlich auch locker) alterndes, demographisch ruhiges Land handelt. Das macht Hoffnung auf ein schwungvolles Europa auch noch in 10, 20 Jahren. Dann ist vermutlich wieder Ruhe eingekehrt im alten Kontinent. Der seinem Namen Ehre macht. Und in dem trotzdem – und das stimmt optimistisch – immer noch, alle Phase (und Phrase) wieder, neue thematische Aufreger durchs Dorf jagen. Das Dorf ist heute, bezogen auf die Menschen mit Internetzugang, potenziell global. Das Herumschwirren der Schlagzeilen und Erregungen ist mit der Kommunikationstechnik schneller geworden. Das soziale Be-geistern und Ent-geistern scheint mir jedoch dem Prinzip nach gleich. Die soziale Gesamtsphäre – als Ort des Zuschauens und Eingreifens, neben den Welten des persönlichen Umfelds, der konkreten sozialen Gruppen etc. – ist interessant, so lange in den dort gerade zirkulierenden Schwirrungen Geist verortet ist. Oder zumindest irgend eine Art des Gehalts, direkt oder ableitbar, assoziativ und inspirativ. Das daraus Folgende ist, was man daraus „macht“ (bzw. in der subjektiven Bedingtheit „für“ und „durch“ den Menschen daraus „gemacht wird“). Kommunikativ, subversiv, kritisch, unterhaltsam, etc. Aber Geist sollte darin sein – denn sonst kann auch nichts durch Raum und Zeit geistern. Geistlose Aufregung erscheint mir eine Zeitverschwendung.

Nationen sind mir egal. In einer Art der relativistischen égalité sind mir alle Nationen gleich – unwichtig. Aber dadurch, das ist dem elenden Dualismus geschuldet, sind mir (abstrakt und ggf. praktisch) auch alle Nationen gleich wichtig. Und ein ausschließliches, absolutes Relativieren ist wieder ein Absolutismus. Auch die puristische Unwichtigkeit ist also eine Form der Wichtigkeit, wenn auch wenigstens bewusst als Gegenbild formuliert. Um die also trotzdem verbliebene Wichtigkeit der Konstruktion ‚Nation‘ zu unterlaufen greife ich meist zu kritischer Ignoranz oder Dekonstruktion (und spielerischer Relativierung) nationaler Symbolismen in meiner Kommunikation. Einen spielerischen Umgang versuche ich mit gleichzeitigem ernstnehmen und relativieren. Die Gleichzeitigkeit der (Un-)Wichtigkeit von „National“-Konstrukten transzendiere ich derzeit aktiv durch das temporäre Kaufen griechischer Produkte. Eine Art soziales Spielen mit den symbolischen Konstruktionen der Zeit, wie aktuell „Griechenland“ und „griechische“ Wirtschaft.

There is no such thing as Griechenland. Was es gibt sind z.B. Menschen und Wein. Vielleicht sind auch diese Kategorien als Abstraktionen nicht realer als ‚Griechenland‘. Aber in konkret sind Lebewesen – und nicht zeitbedingte Konstruktionen – der Kontext unserer Existenz. Wir Menschen sind… nun ja, vielfältig und trotz unserer Menschlichkeit immer wieder interessant. Wein mag ich nur ab und zu. Aber Käse. Ich mag Käse. Wenn jeder das hedonistisch genießt, was er gerne mag, werden zumindest die alten Schläuche mit dem jeweils darin befindlichen Wein wieder ver- und gekauft. Das bringt über die Runden, aber es muss auch neue Sichtweisen geben, sage ich als postmodernistischer Romantiker. Was ich hoffe und spannend finde: Neue Schläuche und neue Weine – hoffentlich viele solche mit dem Inhalt der ‚Gleichheit in Vielfalt‘, im Sinne Heines, L. Marcuses, Arendts, u.a. – liegen in der Luft der Zeit.

 

Vive la différence! Vive la Syriza?

 

Obwohl ich verstehen kann, dass in allen europäischen Ländern – auch in den (zumindest nominell und als abstraktes Ganzes) nettozahlenden Ländern der EU – Sorgen um Renten, Krankenversicherung und die weiteren staatlichen Grundinstitutionen vorhanden sind. Und daher teilweise rationale wie emotionale Skepsis gegenüber einer derzeit unkontrollierten (oder so erscheinenden) „Solidarität“. Man könnte sagen: Wenn das Fass einen Boden hat, den Boden Europa, dann geht das Geld, was irgendwo hineinfließt, nicht verloren, sondern bleibt im Kreislauf. Man könnte befürchten: Das Geld wandert weiterhin in einem großteils separaten Finanzkreislauf umher und wird nur noch teilweise – und im Verhältnis zur erhöhten Geldmenge weniger – „aktiv“. Aber es soll (nicht nur, aber auch) aktiv sein, das Leben. Ein Element des Lebens ist u.a. auch das kritische Konsumieren. Hedonismus und Reflexion könnten (vielleicht) zusammen glücklich sein. Dafür braucht es aber meiner emotionalen Spekulation nach die Verteilung der Güter nach Ausgewogenheit, und am Maßstab postmodernistischer Vielfalt.

27. Mai 2012

Alles ist alles ist ?

Alles ist alles ist abstrakt.

Alles ist alles ist schlafen.
Alles ist alles ist essen.
Alles ist alles ist Anspannung.
Alles ist alles ist arbeiten.
Alles ist alles ist Feierabend.
Alles ist alles ist fahrradfahren.
Alles ist alles ist nackend am See liegen.
Alles ist alles ist schwimmen.
Alles ist alles ist sonnenbaden.
Alles ist alles ist lesen.
Alles ist alles ist Gedanken aufschreiben.
Alles ist alles ist Entspannung.
Alles ist alles ist lächeln.
Alles ist alles ist kommunizieren.

Alles ist alles ist Element.
Alles ist alles ist konkret.

23. Mai 2012

Akzeptanz und Kritik

Akzeptieren und trotzdem, oder gerade deshalb, reflektiert und differenziert sein, ist Teil einer Lebenskunst

»Wer mit Gott unzufrieden ist, kann leider nicht sagen: Gib mir bitte noch mal einen Schöpfer.«

22. Mai 2012

Team und der Einzelne

Libero, Libera und Liberal kommen nicht von ungefähr. 😉 Die Liberi sollen im Fußball das Schlimmste verhindern. Meistens machen sie nicht die großen Tore und stellen sich nicht durch flotten Positivismus ins Rampenlicht. Sie sind die Korrektoren, nicht die Darsteller von großen Fortschritten. Eher Showverderber im Falle der Abmilderung und Konterkarierung des Überschwangs. Diese negative Rolle (vgl. „negative Freiheit“ etc.) führen sie aber im Idealfall mit Stil aus.

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22. Mai 2012

Steuern sind nicht steuerbar

Steuern runter, Bürger munter.

Das ist aus klassisch-liberaler Perspektive durchaus nicht falsch. Nach dieser ist der Staat das Gegenüber des Bürgers. Aus einer klassisch-konservativen Sicht jedoch ist das Konstrukt ‚Der Staat und seine Bürger‘ (und umgekehrt) eine begrifflich-konstruktivistische Gemeinschaft – ohne gefragt zu werden, grundgegeben: Solange es die Institutionen ‚Staat‘ und ‚Bürger‘ gibt. Soll und Haben sind zwischen Staatsbürgern und Staatsinstitution immer gleich groß. Hier ist dann „nur“ die Frage, wessen Steuern wann gesenkt und erhöht und gezahlt werden. Und für was sie ausgegeben werden. Letztlich bleibt alles im Kreislauf.

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21. Mai 2012

Worlds

» I promised myself, I promised the world to you. « *

But it is my world that I offer.
What about yours?
And is there an ours? Our world?
Based upon both of our worlds?

___
* Nick Kamen – i promised myself

18. Mai 2012

Heterotopien: Der Kanal

Musik in der Wiener Kanalisation von oder via Isabellla

Inspirativ. Surreal und daher auch real. Musik aus der transnationalen Kanalisation.

Wenn sie oder er hinuntergeht steigt ein jeder Mensch in seine subjektiv eigene Kanalisation. Aber physikalisch es ist parallel dazu eine Kanalisation – one world. Die Verbindung von Innenwelt und Außenwelt (in subjektiver Gebundenheit) bzw. Innenwelten und Außenwelten (aus theoretischer, inter-subjektiver Vogelperspektive) gelingt sehr gut – vielleicht am Besten? – in Heterotopien. Diese im Sinne von ‚Anders-Orten‘, die einerseits abgesondert sind und andererseits Teil des Ganzen. Nur mit ihrer Ergänzung, dem Gegenüber der Welt „da draußen“, werden sie – sowohl grob dualistisch als auch differenzierter pluralistisch – zu einem Kontrast. Einem Ort, den wir unterscheiden können. An solchen Orten sind Kontemplation und Treffen von subjektiven Perspektiven möglich. Zumindest theoretisch. Ob aus dieser ‚vita contemplativa‘ auch eine Wirkung auf die ‚vita activa‘ ausgeht ist offen.

16. Mai 2012

Die Abspaltung

Kaum war die Radikale Konservative Aktion (RKA) gegründet. Deren Ikone: Der Exzentriker Franz von Assisi, der vermutlich gar keine Ikone sein wollte. Da kam es bereits zum Bruch, eine Gruppe innerhalb der „alten RKA“ brach heraus. So gründeten sich die „Post-Konservativen“. Nicht als Verein und nicht als Partei. Das wäre der Idee abträglich. Einfach kompliziert als Konzept des Umgangs mit der Umbruchzeit. In der die Orientierung aller Milieus neu justiert wird. Gedacht als stabilisierender Ausgleich zwischen der Gegenbewegung der Faulheit & des Etatismus (u.a. der RKA) auf der einen Seite und dem rekommodifizierenden und durch abstrakte Ideologiekonstrukte exzentrisch aufgeladenen Zeitgeist auf der anderen. Die erste Ikone der Postkonservativen war, etwas klischeehaft, Otto von Bismarck.

Eine Abspaltung passte zu dieser bewegten Phase und sollte der RKA, die als lebenskünstlerisches exzentrisches und politisches Projekt ergebnisoffen sein sollte, keinen Abbruch tun.

Das biedere Bürgertum war plötzlich politisch! Warum nicht? Gleiches Recht für alle, aber mancherlei subjektive Prädestination war damit, zumindest für diese Zeit, gefährdet. Eine Infragestellung des Status der institutionalisierten Revolution – und ihrer Repräsentanten – durch eine, wenn auch ebenso nur vermeintliche, Revolution von einer anderen Seite als der etablierten „Revolutionären“. Denkbar, aber ein Affront!

Von der erfrischenden Bilderstürmerei abgesehen: Biederkeit in motion. Sollte einem das Angst machen? Einen freuen oder unterhalten? Angst wäre, vielleicht inhaltlich falsch, aber vor allem übertrieben. In demographisch ruhigen Zeiten entsteht aus Trägheit auch in der Umbruchzeit kein gewalttätiger Extremismus. Das Bürgerliche (ob jeweils „alt“ oder „neu“) bleibt unter diesen Bedingungen auch in der Bewegung (angenehm oder harmlos) ruhig.

Die Frage, die einer besorgt stellte, war: „Wenn das Bürgertum, als verlässlicher Pol der Ruhe und Kontrastbild für vermeintliche Revolutionäre, sich plötzlich ‚bewegt‘. Wie soll der Revolutionär sich dann noch abgrenzen?“
„Der Revolutionär hats schwer“ sagte ein Anderer.
Eine kluge Frau fragte: „Mal schichten-technisch gesagt: Wenn die Mitte in Aufruhr ist, sollen dann zum Ausgleich des Universums die Ränder bieder und ruhig werden?“
„Das wäre die Frage“ sagte Udo, der Charismatiker mit der randvollen Brille. „Es könnte in der Abstraktion und Tat so sein, dass in einer Umbruchzeit die Mitte vom Rand kommen muss. Der temporäre Bewegungsdrang der Mitte wäre dann von den Rändern auszugleichen?“
„Ist das unsere Rolle? Die Innovatoren von gestern als die Beruhigungspillen von heute?“ fragte Horst, der als Veteran schon an einigen Rändern der Gesellschaft war.

„Wir müssen nicht zusammenhalten, das ist unser Vorteil. Der Ausgleich kommt. Aber ob wir Teil des Biederen in Bewegung oder Teil des Bewegten in Biederkeit sind, das ist bedingt. Eine Wahl haben wir nicht. Gehen wir es also optimistisch und konstruktiv an.“

Die Postkonservativen gingen ans Werk, das daraus bestand, das yáng zum yīn zu sein. Und irgendwann auch wieder umgekehrt.

15. Mai 2012

Die Sucher der Mitte

Es gibt eine Gruppe, die postmodernistisch und philosophisch motiviert für sich selbst einen Prozess erzählt. Sich als Teil des Prozesses einer Suche versteht. Sie nennen sich die „Sucher der Mitte“ und leben die Paradoxa. Sie lehnen Idealbilder ab und nehmen sie gleichzeitig in ihr Gesamt-Mosaik mit auf. Denn eine reine, aktive Ablehnung von Ideal-Typen und Idealisierungen wäre selbst ein Idealbild.

Unter ihnen sind auch einige Damen. Diese sind im Allgemeinen, ohne deshalb dem – oder auch nur einem – Klischee zu entsprechen, zurückhaltender. Auch bei dem Begriff der Suche und Gruppen, die etwas suchen. Und sei es die Mitte. Und damit sind sie auf der Suche vermutlich bereits mindestens einen Schritt voraus.

An eine Mauer, die leider nicht so frei ist, wie sie sein könnte, hängen sie folgende Denkformulierung, mit der sie Atheisten wie positiv Gläubige beidermaßen zunächst unzufrieden machen:

Gott will von uns, dass wir Atheisten werden.

Dann schleichen sie von dannen, sanft aber hörbar. Etwas kokettierend immer noch, es ist noch Jugend in Ihnen. Aber doch mit einer Betonung auf der Höflichkeit, die das Alter kennt – und respektiert. Aber auch das nicht als einziger Zweck. In der einzelnen Situation schon – dann auch versuchtermaßen voll und ganz. Aber nicht im Gesamten.
Ein Flickenteppich aus fragmentarischen Intensitäten, die Ausgewogenheit ergeben sollen. Und nicht immer, aber immer wieder, auf der Suche.

12. Mai 2012

Herdprämie versus Kühlschrankboni

Ich will auch die Herdprämie. In meinem Besitz befindet sich ein Herd. Nicht in meinem Eigentum, aber es sollten doch nicht nur die eh schon Vermögenden belohnt werden. Ich habe zwar keine Kinder, aber auch hier sollte es keine nicht mehr zeitgemäßen Bevorzugungen mehr geben.

Und ich möchte weiter solche albernen Schlagzeilen lesen:

Zoff ums Betreuungsgeld

Merkel ködert die Feinde der Herdprämie


Quelle: Spiegel Online

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