Die Abspaltung


Kaum war die Radikale Konservative Aktion (RKA) gegründet. Deren Ikone: Der Exzentriker Franz von Assisi, der vermutlich gar keine Ikone sein wollte. Da kam es bereits zum Bruch, eine Gruppe innerhalb der „alten RKA“ brach heraus. So gründeten sich die „Post-Konservativen“. Nicht als Verein und nicht als Partei. Das wäre der Idee abträglich. Einfach kompliziert als Konzept des Umgangs mit der Umbruchzeit. In der die Orientierung aller Milieus neu justiert wird. Gedacht als stabilisierender Ausgleich zwischen der Gegenbewegung der Faulheit & des Etatismus (u.a. der RKA) auf der einen Seite und dem rekommodifizierenden und durch abstrakte Ideologiekonstrukte exzentrisch aufgeladenen Zeitgeist auf der anderen. Die erste Ikone der Postkonservativen war, etwas klischeehaft, Otto von Bismarck.

Eine Abspaltung passte zu dieser bewegten Phase und sollte der RKA, die als lebenskünstlerisches exzentrisches und politisches Projekt ergebnisoffen sein sollte, keinen Abbruch tun.

Das biedere Bürgertum war plötzlich politisch! Warum nicht? Gleiches Recht für alle, aber mancherlei subjektive Prädestination war damit, zumindest für diese Zeit, gefährdet. Eine Infragestellung des Status der institutionalisierten Revolution – und ihrer Repräsentanten – durch eine, wenn auch ebenso nur vermeintliche, Revolution von einer anderen Seite als der etablierten „Revolutionären“. Denkbar, aber ein Affront!

Von der erfrischenden Bilderstürmerei abgesehen: Biederkeit in motion. Sollte einem das Angst machen? Einen freuen oder unterhalten? Angst wäre, vielleicht inhaltlich falsch, aber vor allem übertrieben. In demographisch ruhigen Zeiten entsteht aus Trägheit auch in der Umbruchzeit kein gewalttätiger Extremismus. Das Bürgerliche (ob jeweils „alt“ oder „neu“) bleibt unter diesen Bedingungen auch in der Bewegung (angenehm oder harmlos) ruhig.

Die Frage, die einer besorgt stellte, war: „Wenn das Bürgertum, als verlässlicher Pol der Ruhe und Kontrastbild für vermeintliche Revolutionäre, sich plötzlich ‚bewegt‘. Wie soll der Revolutionär sich dann noch abgrenzen?“
„Der Revolutionär hats schwer“ sagte ein Anderer.
Eine kluge Frau fragte: „Mal schichten-technisch gesagt: Wenn die Mitte in Aufruhr ist, sollen dann zum Ausgleich des Universums die Ränder bieder und ruhig werden?“
„Das wäre die Frage“ sagte Udo, der Charismatiker mit der randvollen Brille. „Es könnte in der Abstraktion und Tat so sein, dass in einer Umbruchzeit die Mitte vom Rand kommen muss. Der temporäre Bewegungsdrang der Mitte wäre dann von den Rändern auszugleichen?“
„Ist das unsere Rolle? Die Innovatoren von gestern als die Beruhigungspillen von heute?“ fragte Horst, der als Veteran schon an einigen Rändern der Gesellschaft war.

„Wir müssen nicht zusammenhalten, das ist unser Vorteil. Der Ausgleich kommt. Aber ob wir Teil des Biederen in Bewegung oder Teil des Bewegten in Biederkeit sind, das ist bedingt. Eine Wahl haben wir nicht. Gehen wir es also optimistisch und konstruktiv an.“

Die Postkonservativen gingen ans Werk, das daraus bestand, das yáng zum yīn zu sein. Und irgendwann auch wieder umgekehrt.

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