Team und der Einzelne


Libero, Libera und Liberal kommen nicht von ungefähr. 😉 Die Liberi sollen im Fußball das Schlimmste verhindern. Meistens machen sie nicht die großen Tore und stellen sich nicht durch flotten Positivismus ins Rampenlicht. Sie sind die Korrektoren, nicht die Darsteller von großen Fortschritten. Eher Showverderber im Falle der Abmilderung und Konterkarierung des Überschwangs. Diese negative Rolle (vgl. „negative Freiheit“ etc.) führen sie aber im Idealfall mit Stil aus.

Die jeweiligen, von Saison zu Saison, teils zwischen Spielen, wechselnden Farben der Trikots der Teams sind inhaltlich egal.

Heute ist in der Abwehr die „Kette“ vorherrschend. Die Verteidigung wird also heute durch ein Kollektiv dargestellt. Spät- oder post-modern wird der „Raum“ gedeckt, nicht mehr der einzelne Spieler. Der Akteur wird als Element im Raum wahrgenommen → der Fokus ging, nach der Verehrung des Einzelspielers, wieder vom Menschen zur Struktur über. Geht dabei auch die Kreativität verloren? Der einzelne Spieler, das Individuum, seine Originalität? Wo bleiben diese? Allerdings:  Bei aller traditionellen menschlichen Neigung zum „Kollektiv“, zum Team als Einheit etc., gibt es doch auch weiterhin die ebenso menschliche Staunensfähigkeit über das Besondere. Ein Staunen und ein Hang zum Interesse am Außergewöhnlichen, der Einzelerscheinung, also der Abweichung. Diese ist ungeplant und daher auch nicht vorhersehbar in Erscheinung und Ausgang. Macht das die Sache interessant? Zumindest ist es ein Teil der Faszination, wenn man nicht sicher sein kann, wie die Sache ausgeht. Und doch bei dieser Sache relativ klar ist, dass es, ob Sieg oder Niederlage, wieder ein neues Spiel geben wird.

Die seltene oder häufigere Abweichung kann eine Stärke oder Schwäche des Teams sein – so wie es die aus der Routine ausbrechenden Einzelkönner auch sind. Team- und Individual-Rhetorik haben im Fußball ihren traditionellen Platz. Beide haben wechselnde Konjunkturen, aber sie gehören zusammen und ergänzen sich kontrastiv. Als Dualismus mit z.B. den Formulierungen „Routine – Besonderes“, „Einzelspieler – Team“, „Korsett – Ausbruch“, u.s.w.. Ein Team, ohne das der Begriff des einzelnen Spielers keinen Zusammenhang hätte. Die Mannschaft aber nicht bestehend aus Robotern, sondern aus Einzelnen, aus Menschen. Mit Stärken und Schwächen in Spieltechnik, Stil und Charakter und allem, was in die jeweilige Situation hineinwirkt.

Manchmal will man einfach nur raus aus einem Team. Das Korsett ist zu eng und passt nicht zu einem. Dann kann man die Mannschaft verlassen. Man findet sich aber noch im Zuge dessen, als Verlasser „passiv“, und auch immer wieder „aktiv“, als Mitglied in einer neuen Gruppe wieder. Vielleicht kann man von der Seite des Spielers auf die des Managers oder Trainers oder in den Bereich der Fans wechseln. Aber man bleibt Teil des Spiels.

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