Hayek n‘ Keynes: Komplementäre Konstruktionen


Ihre in gesamtheitlicher Sicht kompatiblen Konstruktionen machen die Klassiker zu komplementären (Komplizen und) Kompagnons.

Auf der rechten Schulter erschien grandcitizen Keynes und sagte: „Konsumiere, konsumiere, konsumiere!“ Auf der linken Schulter tauchte Hayek auf. Der alte Österreicher sagte: „Spare, spare, spare!“ Mensch war verwirrt.
So in die kapitalistische Theorie-Zange genommen – zwischen Investition und Konsum, Kapital anlegen und Kapital in Umlauf bringen – war der Beratene der Geratene.

Hayek und The Keynez spielten „strenger Ökonom“ – „lässiger Ökonom“. Damit waren sie nun schon seit Jahrzehnten auf Tour. Und nur wenige waren ihnen bisher auf die Schliche gekommen. Eine Rekombination ihres Geschäftsmodelles durch Innovation, im Sinne des ebenfalls erfolgreichen Kollegen Schumpeter, war daher im Grundsatz noch nicht notwendig gewesen. Keynes und Hayek waren deutlich unterschiedlich. Aber beim Ergänzen ist das ja meist üblich.

Geschickt verbanden Keynes und Hayek die „Schöpferische Zerstörung“ der Kollegen Marx und Schumpeter:

Die ‚Kreativität‘ kam von Hayeks Wettbewerbsnarrativ. Zumindest als Erzählung waren seine Vorteile gut formuliert. Das Anstrengende und unsicherheitsbringende der Geschichte wurde aber von Hayek nicht ausgespart. Das konnte die berechtigte Angst hervorrufen, die den Keynes ins Spiel brachte. Nachdem die (vormals) klassische Religion an Integrationskraft verloren hatte, kam der Lord gerade recht. Die Nachteile der Hayek’schen Konstruktion konnte vielleicht der Keynes’sche Glaube an Reparatur und belebende Stimulation ausgleichen. Es war ja alles Theorie, da konnte man nicht so falsch liegen.

Die ‚Zerstörung‘ kam vom Keynezman: Fenster einwerfen und Löcher in vormals harmlose Landschaften buddeln. Das war sein Weg aus der Krise – ob es eine gab oder erst gefunden werden musste. Keynes propagierte die Arbeitsbeschaffung. Als Lebemann hätte er es besser wissen können. Er war dem „guten Leben“ oder dem Genussteil des Lebens zugeneigt. Als Lord und Keynes dachte er aber aber auch an diejenigen Mitmenschen, die ohne Arbeit nicht leben können oder zumindest übermäßig darben müssen. Ob sie offiziell Löcher buddelten oder freiberuflich Fenster einwarfen war zunächst eine Frage der Eignung, das Ergebnis für die Keynes’sche Erzählung von der Volkswirtschaft war das Gleiche. Wenn auch nicht das selbe, aber das ermöglichte Vielfalt. Es war égalité zwischen den Berufen und Berufungen. Alle, die etwas zum Kaputtmachen oder Wiederaufbauen hatten, konnten – theoretisch – etwas beitragen.

Die Aktivitäten sollten nur versteuert werden und die Gesellschaft sollte das Engagement durch Finanzierung fördern. Man konnte wählen, nach Neigung, Zufall, Schicksal, u.s.w.: Es gab in dieser Theorie Tätigkeiten als Konsument, als Zerstörer oder als Aufbauer. Aber mindestens eines davon musste man nun auch tun, sonst drohte der Kreislauf der Nachfrage zu versiegen. Man war also auch in Keynesens Welt in den Wirtschaftsablauf integriert, und sozialstrukturell kommodifiziert. Keynesens Modellwelt war damit weitaus konservativer als der betont anti-viktorianische Lord gedacht haben mag.

Der Hayekster war offiziell skeptisch gegenüber den Rezepten des Lord-Doktors. Aber die beiden ergänzten sich gut. Fritz war früher, in einer stürmischen Phase seiner Jugend, einmal Sozialist gewesen. Dann hatte ihm Ludwig von Mises eine Sparbüchse gekauft. In diese hatte Hayek das easy money seiner Zeit getan und erfreute sich kurze Zeit daran. Das Kapital gab Sicherheit und es konnte – theoretisch – für wichtige und „richtige“, also in diesem Fall effiziente, Investitionen verwendet werden. Bei Hayek kam aber die Kreativität vor der Zerstörung, umgekehrt zu Keynes. Setzte man nun beide Modelle zueinander hatte man spieltheoretisch vier Möglichkeiten: Zerstörung und Zerstörung, Kreativität und Kreativität, Kreativität und Zerstörung und Zerstörung und Kreativität. Da war doch für alle was dabei. Natürlich nicht für alle, aber alle sollten sich davon etwas aussuchen können. Innerhalb des Rahmens ließen Hayek’scher und Keynes’scher Kapitalismus verschiedene Wahloptionen – wie immer zunächst theoretisch.

Seit Hayek die Spardose als Begriff und Institution entdeckt hatte, passte er auf diese auf und wollte die Büchse der Pandora (des leichten, entspannt ungedeckten Geldes) nicht mehr öffnen. Der Staat wollte auch und immer wieder freinehmig Anteil haben am Inhalt der in der Gesellschaft vorhandenen Büchsen und Kästchen. Das machte Hayek misstrauisch gegenüber dem abstrakten Konglomerat, welches Staat genannt wurde und das ihm (subjektiv) primär als Spardosen-Leerer begegnete und erschien. Für Keynes war die Gesellschaft ein Spielbrett und der Staat war darauf der Spielleiter, einer der Spieler, der Schiedsrichter, und spielte die Bank. Mit der fiktiven Figur des Staates konnte man tolle Spielzüge machen.

Keynes und Hayek – der Ursprung und die Lösung der von ihnen beschriebenen Probleme?

“Fear the boom and (the) bust“! Keynes n‘ Hayek haben die “Lösung“! Für beide Phänomene. Aber nicht zur selben Zeit. → Also werden ihre Problem&Lösung-Konstruktionen immer gebraucht. Es gäbe damit, in Keynes’scher Formulierung, (theoretisch) immer eine Nachfrage nach Hayekeynes’scher (oder abgeleitet und verändert Hayekeynesianischer) Beratung. Wie Emile den Rousseau braucht. Oder ein Marxist den Marx → oder eben gerade nicht.

Das Angebot wird, neben den Originaltexten, weiterhin von den Keynesianern und Hayekianern geliefert.
Damit wird die konstruierte Sache rund. Mit dem abgewandelten Homer Simpson Alkohol-Theorem: Hayek und Keynes – der Ursprung und die temporäre (nicht endzeitliche) Lösung der von ihnen beschriebenen Probleme.

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