Gibt es etwas wie keinen Sinn


Die Gegenfrage zu: Gibt es einen Sinn? (Lesevorschlag u.a.: Albert Camus und Jean-Paul Sartre)

 

Ich sammle gerne Sätze und textliche Fragmente verschiedener Art (Werbesprüche, Überschriften, Parodien, Parolen, etc.). Weil sie mir z.B. Freude machen, gefallen, albern oder interessant sind. Ich möchte ein ‚Museum von Sätzen und Möglichkeiten von Text in der Welt über die konkrete Zeit hinaus‘ eröffnen. Virtuell oder materiell-real.
Dann weiß ich wieder: Kein‘ interessiert das. Nicht mal mich bräuchte und sollte es interessieren.

Leider zurecht.

Ein Museum der nichtssagenden Relikte. Nihilismus in postmodernen Relativismus gegossen.

Solche Relikte, ohne konkrete Zeitbindung – außer im Stil der Sprache -, sind relativ asketische Texte. Sie existieren „einfach“, ohne eine (überhaupt oder noch) vorhandene Bindung an einen schon festgelegten oder eine noch vorhandene Denotation (Haupt- oder Erstbedeutung eines Wortes). Durch ihre Loslösung vom konkreten Gebrauch erhalten die Wortefakte eine primäre Irrelevanz. Dadurch sind sie postulierbar als Nominalismen. Sie sind keine – behaupteten oder echten – Realismen mehr. Als Wortkonserven ständen sie dann im Museum für die Bewahrung um der Bewahrung willen. Ihre Inhalte stünden dann nur als Repräsentanten für etwas ‚Bewahrtes‘, nicht z.B. für etwas „Bewährtes“ oder andere inhaltliche Auf- und Zu-Füllungen. Die Worte, Sätze und Anordnungen selbst stehen dann als Worte – an und für sich wie ein Philsosoph vielleicht sagen könnte – im Museum. Und nicht mehr nur als Träger für ihren ehemaligen Inhalt. Dadurch werden sie selbst zum Zweck und, ohne festgelegt zu sein, zum Inhalt des Museums des Bewahrens um des Bewahrens. Im Museum könnten die Worte und Sätze von ihrer ehemaligen Inhaltsfestlegung befreit werden, im Sinne von geöffnet: Für neuen, erweiterten, verbreiterten oder sogar vertieften Sinn. Wenn sie dabei noch vor neuer Wieder-Festlegung bewahrt werden könnten – konserviert und anti-konservativ offen gehalten zugleich – wären sie: immerhin potenziell zeitlos.

Nihilistische Wortbefreiung und Öffnung für emanzipatorische Neu-Ko-Notationen.

Wenn man nun mal kein anderes Hobby hat.

Außer Spiele spielen in einem Klub. Aber gute, distinguiert-augenzwinkernde, englische Klubs gibts hier leider nicht. Die machen keinen Sinn, im Unterschied zu selbst- und fremd-ernannten Sinnmachern und Sinnmachendem. Sie haben vermutlich (auch) keinen Sinn. Aber sie sind Sinn.

 

 

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