Archive for Juli, 2013

26. Juli 2013

Jörg Zink über den (unvernünftigen) Scheinfrieden im Pater-Mater-nalismus

Ich spontaneously mag vom Sehen her Jörg Zink und Anselm Grün.

Ein Auszug eines Textes von Jörg Zink von 1978, den ich zufällig an der Uni las [also den Auszug]:

[…] das unterdrückte Wesen. Sie ist Sklavin. Sie ist Gebrauchsmittel. Sie ist geistig unterlegen. Sie hat an der Freiheit nicht teil, die dem Mann offensteht. Und noch immer ist ihre Befreiung in weiter Ferne.

Denn die Angst vor den Müttern sitzt auch dem modernen Mann noch tief in den Knochen. So macht er sie zur Eva, die die Vertreibung aus dem Paradies verschuldete, oder zur Verkörperung der Sünde, mit der er bei sich selbst nicht fertig wird. Sie ist diejenige, die ihm immer wieder beweist, wie wenig souverän er sich selbst gegenüber ist, wie abhängig von seinem Trieb, wie gefährdet in seiner moralischen Standfestigkeit.

Die Rolle des Mannes ist, grob gesprochen, der Frau gegenüber auf zwei Funktionen reduziert: Er ist einerseits ihr Wächter, der sie bewahrt vor aller Freiheit, und ihr Herr, der sie davon entlastet, ihren Verstand zu gebrauchen. Auf der anderen Seite ist er ihr Kind, orientiert an seinen Bedürfnissen, und die Frau als heimliche Mutter ist eins davon. So werden bis heute zwischen Mann und Frau die uralten Rituale durchgespielt, durchgekämpft, durchgelitten, und die wenigsten verstehen, was da vorgeht.

Hat eine Frau einen kindisch gebliebenen Mann, so findet sie sich ihm gegenüber, ohne es zu wollen und ohne anders zu können, in der Rolle einer Mutter. Da sie keinen Partner findet, dem sie als erwachsene Frau zugehören kann, findet sie schließlich Gefallen an der Macht, die sie als Mutter über das Kind hat. Sie bleibt ausgeliefert an ihre Rolle als Gattungswesen und wird nie sie selbst. Und sie rächt sich, indem sie dem Mann den Weg zum erwachsenen Menschen versperrt.

Der Mann wird dabei zum Pantoffelhelden und begegnet auf seiner Suche nach einer freundlichen Mutter dem zerstörenden, verschlingenden Aspekt der Frau. Weil er aber nicht verschlungen werden will, spielt er den Unterdrücker, und es ergibt sich landauf, landab das festgefahrene System der gegenseitigen Unterdrückung […]

Quelle: Jörg Zink – Licht über den Wassern. Geschichten gegen die Angst, Stuttgart 1978.
Ein anregender und debattierbarer Text. Einige technisch sehr gute Formulierungen darin. Der Text formuliert eine psychologische Perspektive und bildet einen Kontrast (nach) zwischen kantisch-aufklärerischem Vernunftgebrauchs-Potenzial und -sollen und der strukturellen Gebundenheit im partiellen Waffenstillstand bzw. der (vermeintlichen) Harmonie der gegenseitigen Ungleichbehandlung zwischen Mann und Frau. Paternalismus als mögliche Lebensform, aber als unvernünftig und unter dem Potenzial beider Geschlechter bleibend.

26. Juli 2013

So im Groben (und wenn’s geht mit feinem Vorgehen): Respekt den Individuen, Kampf (in) den Strukturen.

19. Juli 2013

Textbeispiel

[Eine maskuline Perspektive]

Anne ging fröhlich durch den Wald. ‚Herrlich, diese frische Waldluft‘ dachte Sie sich. Sie hatte sich extra einen Urlaubstag genommen, um wieder ein mal zu wandern. Die Vögel zwitscherten, das Laub roch nach Laub – hier war die Natur noch Natur, und nicht künstlich nachgestellt, wie im Botanischen Garten oder den Wohlfühloasen der Städte. ‚Wellness-Wochenende mit Sauna und Whirlpool‘, ‚Auch das hätte Sie haben können‘, dachte Anne. Sie wollte aber mal wieder die Natur spüren, den Wind, der nicht vom Ventilator im Büro kam und statt Hundehaufen auf dem Gehsteig lieber Pferdehaufen auf dem Waldweg ausweichen.

So war Sie nun also des morgens schon früh aufgestanden, hatte geduscht und sich einen Verpflegungs-Rucksack gepackt. Sie hatte ihre guten alten, fast schon klischeehaften Lederhosen angezogen – die gefielen ihr und waren zum Wandern einfach gut geeignet. Auch eine Regenjacke für eventuellen Wetterumschwung, gute Wanderschuhe und einen Fotoapparat hatte Sie eingepackt.

9. Juli 2013

Die (Re-)Konstruktion der zwei Welten

Der Einzelne ist in der modernen anonymen Masse der Großgesellschaft bedeutungslos. Schon teils absurdistisch bedeutungslos, bzw. absurd wirken seine Versuche, Bedeutung zu suggerieren, konstruieren und illusionieren/imaginieren.

Das kann aber auch beruhigend und befreiend sein. So z.B. Wiglaf Droste und Richard Sennett über Anonymität und Großgesellschaft.

Der Einzelne bedeutet nur in seiner Welt etwas, aber was ist daran nun falscher als anderes? Der Einzelne, die kleine Gruppe bedeutet nur im kleinen Bezugsrahmen wirklich (im Sinne von: praktisch wirksam und erfahrbar etc.) etwas: Seiner Familie, seinen Freunden, der „kleinen Welt“ [nach Hayek, mit konservativerer Schlussfolgerung Wilhelm Röpke, und anderen].

Aber: Das war schon immer so. Auch früher war der Mensch auf „die Seinen“ angewiesen, wenn es um emotionale „Anerkennung“, Geborgenheit, Verlässlichkeit ging.
Das ist eine Konstante im (zumindest bisherigen) Leben des Menschen als Sozialwesen.

Es hat sich also nicht die Bedeutung des Einzelnen verringert, es hat kein übersubjektiver Bedeutungsverlust stattgefunden, sondern es hat sich („nur“, aber natürlich mit Auswirkungen etc.) der Bezugsrahmen, die Gesellschaft vergrößert.

 

 

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2. Juli 2013

Tiefergehend eine Frage zu stellen, heißt, sich selbst dieser Frage zu stellen.

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Der kleine Mann im Kopf

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