Monat: Februar 2014

Ich habe derzeit die kritisch-rational widerlegbare These, dass cultural appropriation* ähnlich ambivalent** ist wie Kultur(en) selbst. Kultur(en) als Phänomen und ihre intern wie zwischeneinander strukturierenden Wirkungen.

___
* als die Aneignung (als unterdrückt definierter) nicht“eigener“ Kulturen
** vieldeutig, nicht dualistisch nur mit zwei Bedeutungen/Wirkungen

Advertisements

Ein wenig Hobbes am zivilisierten Kamin

Nichtnormative These über eine der modernen Verbesserungen bei gleich gebliebenem Menschen:
Moderne Formen von Steuern sind dafür da, nicht die ganze Bevölkerung leibeigen oder in Sklavenschaft halten zu müssen und dennoch soziale Institutionen, Hierarchie, Ordnung und Übersicht (und eine abstrakte, daher symbolisch-dauerhafte Obrigkeit zum Aufblicken) zu behalten unter „Wölfen“. In einer Großgesellschaft, die sich mit dem Staat ko-konstituiert.

Eine Mikroökonomik der Praxis, mit, ohne und gegen Makroökonomie der Strukturen

Reduktion von Komplexität. Mikroökonomik des Lebens.
Pessimismus und Aufklärung: Hobbes’scher Vollstaat und individualistisches Interieur. James M. Buchanans public choice auf Basis der unterschiedlichen Interessen mit rational-egoistischer Grundlage. Dabei die Soziopathie der Menschheit zu wenig einbezogen?

Rational choice in irrationaler Gesamtstruktur? Rational choice ist eine insightful Sichtweise (Rekonstruktion und Narrativ), aber theoretisch und praktisch nicht einzige Seite der Komplexität von Gesellschaften und individueller Existenz. Ein Austrian Economics approach to public choice würde auf der Idee der „epistemic primacy“ aufbauen [vgl. Anthony J. Evans: A subjectivist’s solution to the limits of public choice]: Wissen-können ist wichtiger als die Motivation des Handelnden. Aber für die Praxis werde ich mit Motivation und Konsequenz der Handelnden konfrontiert, nicht mit dem, was sie wissen und nicht-wissen. Ich mag mit dem strukturellen und kulturellen Nicht-Wissen-Können, vor allem mit dem Vom Wissen abgehalten werden unzufrieden sein. Aber genervt werde ich vom Handeln der Akteure. Und die Motivation hinter diesem bedingten Handeln zu erklären kann mir helfen, von der „gerissenen Dummheit“ weniger negativ betroffen zu sein [vgl. Kurt Tucholsky: „Das Volk ist doof, aber gerissen“]. Vermutlich schneller und (mindestens in der Oberfläche, in der wir in anonym-abstrakten Gesellschaften mit den meisten Menschen zu tun haben) effektiver helfen, damit praktisch umzugehen, als es eine Verstehensanalyse kann. Aber das ist nicht alles, so zumindest die Hoffnung. Und wo Hoffnung ist, da ist Möglichkeit? Verstehen also als Hobby, wenn man neben den Alltagskämpfen (mit Anderen und sich selbst) noch Zeit und Kraft dafür hat?

Erklären von individuellen und sozialen Phänomenen allein reicht nicht. Das zusätzliche Verstehen fällt aber in zweifachem Sinn schwer. Erstens ist das Verstehen eines Zustandes oder eines Prozesses – bestehend aus oder auf komplexen sozialen Verhältnissen etc. – schwieriger zu rekonstruieren und prüfen. Zweitens kann Verstehen schwer fallen, wenn mensch menschliches Verhalten und Zustände einschätzt als auf unnötige Art – und damit „übertrieben“ und in gewisser Weise mutwillig –  unvernünftig (im Kant’schen Begriffssinn).

Packen wir’s an. Also nicht wir als wir, sondern wir als jeder nach seiner Art und Rhythmus. Dort wo es möglich ist. Wir wissen, was zu tun ist. Wir wissen, wie es geht. Wir kennen die strukturellen Begrenzungen und die individuelle Lust. Und die Zweckrationalität, die uns arbeiten lässt. Und die ohne Zweck auch keine Rationalität mehr ist. Und der Zweck ist X -> die individuelle Leidvermeidung und Freudemehrung. Und das ist es. Mensch weiß was zu tun ist. Technologie und Technik der Arbeitserleichterung und Leidvermeidung, die uns bereits zu großem Wohlstand brachte. Hamsterrad und Stress und vieles inklusive. Aber eben viel Wohlstand relativ. Weltweit sollte er sein. Aber das ist politisch-politisch. Bleiben wir mal bei der Praxis. Sei innerlich frei und verteidige äußerlich die Rechte, die sich aus der Vernunft für uns alle ergibt. Wir trauen einander nur, wenn es nicht anders geht, z.B. in Not oder Einsamkeit. Zweckvertrauen, keine Akzeptanz des Anderen, sondern temporäre Duldung. Daher ist das Recht die Institution, die uns abstrakt und distanziert zusammenleben lässt, uns relativen Spielraum gibt (wenn auch nicht genug), mit wem wir uns abgeben und mit wem nicht. Das Recht als Idee und defizitäre Realform ist unverzichtbar wichtig und doch kein Vertrauen im essenzialistischen Sinn. Essenzialismus ist einerseits unglaubwürdig und vielleicht andererseits notwendig, in irgendeiner Form. Achso, ja, Vernunft im Sinne Kants ist auch ein Essenzialismus. Die Grundnorm bzw. der Ausgangspunkt (und gleichzeitig der Zweck) des rationalen Denkens – also ein Kreis: Aber Deontologie und Deduktion sind ja auch Setzungen, die das Ergebnis schon als Startpunkt brauchen. Nur ist es da vielleicht noch etwas undeutlicher als nach dem hermeneutischen Zirkel des Anwendens der Vernunft auf das praktische Leben. Der Liberalismus (im Sinne Harry Heines oder James M. Buchanans) ist ein defensiver, einer der die Rechte und die Idee vom Recht verteidigt. Der nie Mehrheit ist. Und als Ganzes eine Utopie. Aber im Konkreten immer wieder den Kampfgeist informiert und in manchen Momenten kleine praktische Erfolge und geglückte Verteidigungen, oder zumindest Fluchthilfen und geistige Verarztungen anbieten kann.

Ich wage mal eine nicht sehr gewagte Vermutung: Die Mehrheit der Menschen mag den Überwachungsstaat, so lange er hauptsächlich die (jeweils) ‚Anderen‘ überwacht. „Und eigentlich ist er ja ganz nett, er packt nur mal ordentlich zu (autoritär, huch nein, so wie sich das anhört ist es gar nicht! und nur), wenn es sein muss. Und heutzutage muss es ja leider sein.“ Früher war noch Ehrlichkeit. Jetzt ist Dschungelcamp und Privilegienkampf innerhalb der Mittelschicht. Moment, das war früher auch schon so ähnlich. Die Unterschicht verdingt sich als DarstellerIn und hat einen gewissen Spielraum in der Tatsache, dass sie nicht ernst genommen wird. Die Mittelschicht lästert nach unten und freut sich über mediale und sozial geteilte Abstürze der „Reichen“ (reich an was?). Da könnte mensch ja vermuten, dass die Reichen für diese Bastiat’schen „Spiele“ schon bald nicht mehr ausreichen. Aber da es immer wieder Dumme gibt, die diese Positionen einnehmen, wird sich auch das Hamsterrad weiterdrehen. So lange die Brosamen reichen, kann einem das Pseudopolitische der Talkshows und Umfragen und das ganze „einfache Volk“ und der empörte „kleine Mann“ und hoffentlich sogar das Beklatschen der autoritären Lösungen am Arsch vorbeigehen.

Freundlichkeit ist Fleißarbeit

Soll mensch regelmäßig oder gar grundsätzlich (bis auf Ausnahmen) freundlich sein, um dann das moralische Recht zu haben, kritisieren zu können, dass die meisten Menschen unfreundliches Verhalten an die Oberfläche des Alltags legen? (- ob als Schutzfolie oder Durchsetzungsmechanismus etc.) Oder reicht es sich zu sagen und darauf zu verweisen, dass mensch es mal versucht hat. (1 Mal oder öfter.) Und frustriert ist, weil Leute Arschlöcher waren oder sich so verhalten haben. Und jetzt soll Schluss damit sein davon negativ berührt zu werden.

Warum noch anstrengen im Sektor Freundlichkeit, für Null bis wenig Gegenleistung? Richtig [ethisch] oder nur wahr? Aber: Dann würde mensch pauschalieren – und damit das Individuum, sich selbst und Andere als eigentlich auch freundlicher bzw. potenziell freundlicher, ethisch sich richtig verhaltender, etc. Mensch entmöglichen bzw. in Abrede stellen. Und absolut-relativieren: Alle, und damit re-konstruiert auch alle Verhaltensweisen, sind gleich schlecht, und damit gleich gut (etc.).