Archive for Dezember, 2015

28. Dezember 2015

Erotik im und zum System

Ist eigentlich Verklemmtheit bzw. darum herum reden (welches in verschiedener Form vorkommt) ein wichtiger Teil der Erotik, im systemischen Sinn?

Das heißt, veschämt zu tun, Sachen nicht an- und auszusprechen, „unausgeprochen zu lassen“, nicht über seine Vorstellungen, „Perversionen“ zu sprechen etc. Alles etwas im Unklaren lassen, nicht deutlich aussprechen, etc. Um die ‚Romantik‘ zu erhalten, oder aus dieser Sicht den schönen Schein zu wahren, als Bedingung für „gepflegte“, kultivierte, „saubere“ etc. Erotik. Und die Instinkte, den Trieb, die teilweise Grobheit der Natur „rauszuhalten“.

Und ist es notwendig, dass dies teils unbewusst geschieht  ist es also eine notwendige Illusion der Funktionalität wegen (und nur ein kleiner Teil der Menschen kann diesen Pfad der systemisch-adäquaten Erotik verlassen, wenn es mehr wären, würde das Systemfunktionieren gefährdet)? Um die Erotik des Gesamtsystems am Laufen zu halten. Die Erotik als Teil des Gesamtsystems, als der sie im wirtschaftlichen Bereich ein Geschäftszweig und einer der großen grundlegenden Antriebe ist, in der Kultur ebenfalls ein grundlegender Faktor, und die auch im sozialen Umgang und in der nichtformalen Politik eine große Rolle spielt.

Oder könnte eine relativ aufgeklärte Gesellschaft auch eine bewusste Erotik betreiben, praktizieren (intentional) bzw. ausführen (von Biologie, Sozialisation, Strukturen und System[en] wegen)?
Oder müsste dann, wenn dies einem großen Teil der Menschen bewusst wäre, bzw. diese sich dies bewusst machten, wieder eine bewusste/absichtliche Illusion geschaffen werden, um die Erotik aufrechterhalten zu können (für viele) bzw., eher: Um die Erotik mit den sonstigen systemischen Anforderungen (des Wirtschaftens, der Kulturaustarierung, der sozi(et)alen Positionen und Verteilungen, der Politik im weiteren Sinne) kompatibel zu erhalten.

U.a. Wilhelm Reichische Sprengkraft der Sexualität. U.a. Michel Focaults Formulierung der Eingebundenheit von Körper, Sexualität etc. in strukturelle Verhältnisse/Wechselwirkungen und Macht-, Bedeutungs- und Positionsverteilungs-Fragen  und Biopolitik noch dazu.

Erotik jenseits des Systems als existenzialistische (und sonstige) Angelegenheit für Künstler (mit Bild, Film, Literatur etc.) bzw. Kunst als Handlung, Erscheinungsform, die systemisch wenig funktional ist–oder gerade dadurch Ausflugsmöglichkeiten/“Ablenkung vom Alltag“ bietet, und damit zur Systemstabilität beiträgt/dazugehört wieder integriert wird und aktiver Teil der Systeme wird (nicht nur tolerierter Anders-Bereich ist). Intellektuelle/Fantasie-entsprungene Randerscheinungen und temporäre Fluchten im sich dauernd stabilisierenden und disziplinierenden/die menschlichen Perspektiven vorformenden Fluss der Systeme. Aber selbst als temporäre und durch die Systemschwerkraft begrenzte Ausflüge in andere Möglichkeiten der Existenz/des Handelns kann nicht(direkt)systemische (bzw. rand-systemische) Erotik ja ein schönes Phänomen sein.
Eine strukturalistische Dualisierung wäre noch: Diese nicht-direkt-systemischen Formen der Erotik (und alle nicht-direkt-systemischen Formen von Kunst und allem anderen) müssen vielleicht von vielen verachtet, jedenfalls ausgeschlossen werden (als „unsauber“, „nicht ästhetisch“, „nicht erotisch“ etc.), damit es, gebunden an das Ganze, existieren (sich vielleicht erst herausbilden kann) und andere es genießen können.

Wäre eine auf- oder abgeklärtere Gesellschaft in Sachen Umgang mit dem Körper schädlich für die Stimmung, für die ‚Erotik‘, ‚Romantik‘? Oder ist es einfach so wie es ist biologisch und sozial vorgegeben, ob wir nun darüber reden oder nicht. Warum wir nicht über unsere verschiedenen Motive und Hintergründe und Vorlieben etc. reden, sondern etwas inszenieren. Oder kann auch dieses Reden schon eine kleine Befreiung sein. Das Reden darüber als Änderung/existenzialistisches Trotzdem in der individuellen Kommunikation, gegenüber und während der Unentrinnbarkeit des Flusses des Lebens.
‚Reden darüber‘ als ernsthafte Kommunikation, den Anderen als individuell zusammengesetzte Person ernst nehmen. Nichts ändern können aber uns anders darüber unterhalten und dadurch wiederum für uns in diesem Moment etwas zu ändern. Nicht den Fluss ändern, aber den Moment darin.

In der Kunst und in unserer konkreten Lebenspraxis bezüglich verschiedener Aspekte  wie u.a. Erotik, Schönheitsempfinden, Menschenwahrnehmung, Kommunikation etc.  gehen wir die dafür systemisch vorgesehenen Wege oder  manche mehr, viele (funktional logisch) weniger  andere Wege, die auch da sind, aber in der Regel für andere Aspekte ‚vorgesehen‘ und die nur in Randfällen anderweitig verwendet/interpretiert etc. werden.

 

27. Dezember 2015

Machen wir uns nichts vor

Machen wir uns nichts vor: Wir machen uns alle etwas vor. Das Leben ist eine Bühne, mit etlichen Subbühnen, mit mehr oder weniger glücklichen SchauspielerInnen und mehr oder weniger angesehenen Rollen. Das Angesehen
– „sein“ (die Position eines Menschen in den Strukturen und [deren] Hierarchien)
– und werden (wie man in der Praxis, in konkreten Situationen behandelt/’eingestuft‘ etc. wird)
ist bei den Rollen am wichtigsten. Und selbst (und teilweise gerade) dann, wenn wir sagen „Machen wir uns nichts vor“, machen wir uns auch, als das, und im Zuge dessen, (wieder) etwas vor.

6. Dezember 2015

Frage und fiktionaler Entwurf: Ist etwas außerhalb der systemischen Einbindung?

— Hat das Gesamtsystem Lücken bzw. Türen,
aus denen man – mit mehr oder weniger großer Gefahr des ver-rückt-werdens oder sozial als verrückt zugeschrieben werdens – austreten kann? Um dort z.B. Urlaub zu machen (die Energiespeicher für systemfunktionales Handeln wieder aufzuladen).
Oder um
– das, was außerhalb ist (als mehr oder weniger konkrete Tatsache) und/oder
das bzw. etwas davon, was sein könnte (Potenzial)
zu erforschen.
Oder um zur wissenschaftlichen Forschung/Rekonstruktion das Gesamtsystem und die sozialen Systeme von Außen zu betrachten.

— Oder hat die systemische Welt in der wir leben (bzw. die systemische Ebene der modernen gesellschaftlichen Existenz) nur Fenster ohne Griffe?

Fenster, aus denen man rausschauen kann

– falls man sie findet und falls nicht Gardinen oder Rolläden (Faktoren oder Imperative [sanktionsbewehrte Funktions-„Aufforderungen“] der verschiedenen Systeme: kulturelle, ökonomische, soziologische, psychologische etc.) die Sicht versperren.
Und falls nicht Grenzen des biologisch-evolutionär entstandenen Verstandes die Erkenntnisfähigkeit/Interpretierbarkeit der außersystemischen Beobachtungen/Erfahrungen verhindern. –

aber aus denen man nicht rausklettern kann?

5. Dezember 2015

Systeme, komplexe Technologie, Alltag, Menschen

Ist es ‚kognitive Dissonanz‘ (als Phänomen, oder als Handlung, oder anderweitig), wenn ich mir vorstelle?:

Systemperspektive: Die (mehr oder weniger) verschiedenen Sozialen Systeme sind mit jeweils einer eigenen Logik versehen. Sie bilden, wechselwirkend verbunden, ein Gesamtsystem. Die Systeme prägen die Menschen, aber sie sind nicht alles. Aber ohne sie ist/wäre keine heutige Gesellschaft, heutiger Leviathan, vieles nicht.

Die selben Menschen, nicht mal nur die gleichen, tragen (im Sinne Althussers, oder anderweitig) bzw. „handeln“ (nicht, zumindest nicht deckungsgleich: „sind“) das Gesamtsystem und die Teilsysteme.

Das sind Menschen mit Fehlern und Sehnsüchten und biologischer Zusammensetzung etc. Und gleichzeitig sind sie Professorinnen und Fachleute für Hochtechnologie, Ingenieurswesen, Medizin etc., Technikentwickler und -versteher, Kommunikationstechniker, Lebenstechniker etc. Zur Entwicklung oder Ingangsetzung und Instandhaltung und Anwendung von komplexen Techniken in der Lage (als Person und durch die technische und gesellschaftliche Struktur). Ganz alltäglich und immer wieder außergewöhnlich.

Die Menschen „sind“/werden (vielleicht u.a. wie nach Hegel, und/oder anders) durch das Handeln, legen sich aber gerne feste Identitäten u.a. zu. In manchen Momenten kommt es mir erstaunlich vor,

dass es die selben Menschen „sind“, die auf allen diesen (beispielhaft benannten) Ebenen handeln – auf der systemischen, der komplex-technischen und der alltäglichen. Und damit auch wieder etwas ’sind’/darstellen/Rollen und Positionen einnehmen etc.

Dass die selben Menschen (wenn auch in oder als verschiedene Aspekte ihres Lebens) zur Wirkung kommen in und durch beides:

— durch das systemische Handeln,

also durch:
– Systemadaptierendes und –ausführendes Handeln.
– Gelegentliches das System funktional-technisch effizienter machendes Handeln.
– Und, graduell-inkrementell oder punktuell-umbruchartig, system-veränderndes Handeln: Das System wie auch seine ungeplante Veränderung in verschiedenen Rollen&Positionen ausführende und repräsentierende Handeln. Welches als Ganzes/in seiner Richtungsentwicklung etc. ungeplant und nicht absichtlich-kontrolliert ist. Also weder systemunabhängiges Handeln ist, noch vollständig vom System (allein) determiniert.

— und auch durch das alltägliche (eventuell u.a. durch: das Handeln im Kontext der Lebenswelt nach Habermas) Handeln.

 

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