Archive for Januar, 2016

16. Januar 2016

Literatur im weiten Sinne als Farbenkasten innerhalb der Rahmen und Muster der uns vorgegebenen Grundstrukturen unserer Existenz?

Alle Lebensbereiche sind Teil des dauernden Kampfes um Deutungshoheit, Interpretations-Dominanz, Weltbild-Erhaltung, Strukturpositionen, etc.

Naturwissenschaft und Literatur sind auch ein Teil dieses Gesamten mit seinem immer nur relativen Kampf (der solange diese Art von Leben existiert nie zu Ende sein kann) und Arrangement der Strukturen und Re-Arrangement und wieder und wieder… Aber vielleicht ist da in der Naturwissenschaft und in der Literatur ein jeweils eigenartiger Moment/Momentpotenzial des Darüber Hinaus Sehens. Moment(e) des Erkennens (Naturwissenschaft) und Momente/Erlebnisse des gefühlt-erzählt-erfahrenen Nichtvollständig-Notwendig-Determinierten. Erlebnisse, die zumindest inhaltlich auch anders hätten sein können. Strukturell ist alles immer von den jeweiligen Konstellationen und Prägungen der Vergangenheit vor-determiniert. Aber inhaltlich könnten da Momente der Offenheit sein, die zwar strukturell längerfristig nichts ändern, aber Momente der Eigenheit sind.
Nicht (vollständig und sicher) vorhersagbar sind beide: Strukturelle und inhaltliche Entwicklungen. Denn die Stränge und Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Strukturen, der Vorgeschichte von allem, sind  in ihrer Fülle an Kombinations- und Wechselwirkungsmöglichkeiten nicht grundsätzlich (vollständig und sicher) vorhersagbar. – Außer vielleicht ab eines Tages vom Quantencomputer?

Zu (natur)wissenschaftlichen Erkenntnissen führen uns die vielen Stränge unserer Vorgeschichte. Wichtig, u.a. der medizinische Fortschritt.

Literatur ist die einzige Welt, die nicht direkt systemisch verbandelt/voll eingegliedert in die Wechselwirkung sein muss -> Zumindest kann man das (sich und anderen) so erzählen -> damit/im Zuge dessen also Literatur erstellen/praktizieren.
Von Literatur zu leben, sie zu verkaufen oder kaufen etc. ist gut, und Teil des kulturellen und des ökonomsichen Systems. Der Schreiber und der Leser sind in diese und alle anderen Systeme immer eingebunden. Aber die Literatur selbst – so schreibe ich hier jetzt
— ich schreibe, also ist es? (wenn ich daran glaube?/es durch Annahme und Aufrechterhaltung dieser Anname praktiziere?) —
ist, oder vielleicht eher: hat, einen Moment der Überfunktionserfüllung, der Über(Über)determiniertheit, das heißt: Sie ist vorhanden, obwohl sie nicht – oder nicht im Inhalt – voll festgelegt funktional notwendig ist. Literatur und Kultur allgemein sind ein Teil der menschlichen Geschichte und nicht frei erfunden, sondern in den menschlichen Anlagen dazu begründet/verursacht. Aber der Inhalt könnte eine gewisse Offenheit haben, wenn diese aufs Inhaltliche beschränkte Offenheit auch – und gerade dadurch dass? sie – strukturell nicht entscheidend ist: Die strukturelle Welt dreht sich (strukturell/prinzipiell gleich) weiter, der Inhalt hätte darin dann eine gewissen Spielraum/Offenheit. Dann wäre der Inhalt nicht das zwingende Ergebnis systemischer oder struktureller Anforderungen, sondern eine mögliche Ausmalung von vielen (strukturell gleichen, aber inhaltlich verschiedenen). Ausmalungen, die nichts an den Grundstrukturen unseres Daseins ändern, aber uns die Welt unterschiedlich erfahren lassen können (Potenzial zu Moral?, also zu Entwicklung?) und faktisch auch lassen (verschiedene Erfahrungen bzw. Erfahrungs-Nach-Erzählungen der Menschen in verschiedenen Kontexten). Und dadurch – falls das so wäre bzw. erzählt/vorgestellt werden könnte – würde und könnte Literatur im weiten Sinne (Die Ausmalung der in ihren Grundstrukturen vermutlich vorgegebenen Welt) schon einen Unterschied für unser Leben machen, eine Mehrfalt der möglichen Geschichten innerhalb der vorgegebenen Strukturen und Strukturbeziehungen: gut-böse, gut-schlecht, wir-die anderen u.s.w., unsere Angewiesenheit auf Abgrenzung, Hierarchisierung, auf das Böse um gut zu sein, auf den Kampf um nicht vor Langeweile aufzuhören zu existieren, auf all das als Vorgegeben und uns dazu zwingend unfrei zu sein, weil ohne diesen Rahmen unsere Existenz gar nicht existieren würde/für uns erkennbar (ohne ihre Kontraste etc.) und vorstellbar wäre.

16. Januar 2016

Ruhe in der Schnelligkeit

Etwas über der Normalgebundenheit allen Seins?

Geschwindigkeit macht mich manchmal an.
[Ich bin meist träge und zusätzlich verhänge ich noch regelmäßig an lauter Dingen, die ich noch reflektieren muss und Dingen, die ich aus Kontrollgründen erst erfasst haben will, und daher nicht schnell vom einen zum anderen weitergehen kann.]
Gerade eben habe ich schnell die Spülmaschine ausgeräumt. Das war ein gutes Gefühl. Es war ein wenig, als könnte man der Zeit, der Eingezwungenheit in die Bedingtheit des Lebens, einen Schritt voraus sein bzw. darüber hinweg eilen. Auf einer Flugbahn nicht außerhalb von allem, aber etwas oberhalb, mit Bezug zur Gesamtwelt etwas weiter unten. Ohne die – zumindest mit weniger Wirkung (oder vermutlich eher: Empfindung der Wirkung) der –  allgemeine(n) Schwere und Gebundenheit, an die wir uns mehr oder weniger gewöhnen können, und die uns, nach Typ und/oder Situation, mehr oder weniger auffällt und belastet.

13. Januar 2016

Unser Handeln/“Sein“ als Inspiration für uns gegenseitig

Ich weiß nicht, warum mich (auch und oft besonders) utopische oder strukturell fernliegende Sachen interessieren. Aber ich sehe es (gleichzeitig) auch nicht ein, nur die Dinge (in meinem Geist bzw. in meiner gedanklichen Weltgestaltung) so zu wiederholen, wie sie strukturell-materiell manifest, also effektiv sind – gesellschaftlich als in der Gegenwart fest ausgeformte, „so ist es“- Inhalte (Ausformungen der gegebenen Strukturen) interpretiert werden, wiederholt und ausdrücklich oder implizit in allem vorausgesetzt, direkt oder indirekt/“letzlich“.

Ob es nur eine Flucht ist oder ein Beitrag zu den Möglichkeiten (und damit der unterschiedlichen Aufgabenverteilung der Menschen), die uns die Strukturen geben, sei mal (bzw. ist es „letzlich“/unserer Kenntnis nach) offen: Es ist Literatur, das Leben in den gegebenen Strukturen zu schreiben . – Mit gegebenen Materialien und Begriffen etc.. Aber vielleicht für die jeweils Anderen mit/aus unterschiedlichen Perspektiven, die uns – innerhalb unserer strukturellen individuellen-Zusammengesetztheit/unseres Gesamtpotenzials; oder als Momente der Erfahrung von Andersartigkeit etc., also etwas Äußerem – inspirieren und Seiten (Saiten) in uns zum Klingen bringen können. Wir brauchen dafür ein bereits vorhandenes Grund-Potenzial/die Wahrnehmungsfähigkeit für eine solche Inspiration – ob es eine Inspiration ist, die etwas in uns anspricht oder eine (theoretisch äußerliche) Erfahrung, einen anderen Menschen etwas Anderes tun zu sehen/erkennen/interpretieren -> wobei für Verständnis auch etwas in uns vorhanden sein muss, was uns das Andere nachvollziehen/an-denken lässt.

Jedenfalls ist – wenn eine Inspiration etc. klappt kann man das ex post/im Nachhinein sagen – das Potenzial vorhanden. Aber die Inspiration sein, das können (bzw. sind, ungeplant, strukturell sich ergebend etc.) wir durch unser Handeln.

13. Januar 2016

Stränge unserer Persönlichkeit treffen sich auf verschiedene Weise

Gesamtstruktureller Rahmen des Lebens (zumindest der Lebenswahrnehmung/-interpretation) – Individuelle Komposition aus vorexistierenden Faktoren und gleichzeitigen Verhältnissen – Treffen von individuellen Kompositionen/Lebenswegen/Perspektiven – Wechselwirkung zwischen Strukturen und Individuen – Relevanz des Handelns für uns gegenseitig/eventuell (allgemein und/oder in besonderen Momenten/Situationen) Relative Relevanz. Nicht ohne strukturelle Grundlage (die vorexistierenden Bedingungen) & Rahmen (die jeweiligen Umstände, Verhältnisse und Zusammensetzungen der Zeit [allgemeiner] und Situationen [konkreter])

 

Wir haben keinen freien Willen im Sinne dessen, dass wir der Ursprung der Grundlagen unseres Denkens oder Handelns wären. Alles ist zusammengesetzt aus Dingen, die schon vorher waren, und die in der konkreten Umwelt und Sozialisation (nichtbewusst, sondern systemisch und strukturell) vorinterpretiert sind.
Wir sind individuell in unserer jeweiligen Gesamtkomposition – unserer Zusammensetzung aus verschiedenen Faktoren und Ausprägungen bestimmter Phänomene.

Wir haben verschiedene Stränge in uns. Diese können von außen verschieden angesprochen werden – aktiviert werden oder unbeachtet bleiben. Die Aktivierung und das zum Ausdruck kommen der Facetten unserer Komposition und des Menschen allgemein, erfolgt auf verschiedene Weise. Eine Eigenschaft (oder Verknüpfung von Eigenschaften) kann sich – auch je nach Maßstab – positiv oder negativ etc. auswirken/zum Ausdruck kommen.
Wir könnten uns also sagen: Wir können uns gegenseitig inspirieren, anregen, Seiten in uns zum Klingen bringen (z.B. im Bild des Universums als vibrierende ‚Strings‘). Das ist/wäre unser individueller Einfluss auf andere Individuen und konkrete strukturelle Situationen – z.B. die Atmosphäre/Spannungslage/strukturelle Zusammensetzung einer Situation. Als Individuen Teil der Komposition der konkreten Strukturen, in denen wir uns bewegen und mit diesen Teil der Gesamtstrukturen. Wechselwirkend. Dabei sind wir bzw. der Orientierungsrahmen
– in dem wir leben und in und durch den wir alles was ist/für uns ‚ist’/was wir erleben, und was wir uns vorstellen können (auch die Fantasie und Begriffsneubildungen bauen auf dem Strukturellen Vorvorhandenen auf), interpretieren –
Ausdruck der strukturellen Gegebenheiten. Diese strukturellen Bauelemente sind geworden und werden (in Reproduktion und Entwicklung) zu den historisch-allgemeinstrukturellen Rahmen – einer Gesellschaft oder einer Lebensweise oder, heute, der vielfach weltweit(en) verknüpften Gesellschaft (genannt Kulturen, Epochen, etc.). Und sie wurden und werden zu den jeweiligen Inhalten/Zusammensetzungen der verschiedenen konkreten Situationen (den längerfristigen sozialen Kontexten oder auch einer kurzfristigen Situation. Einer bestimmten Gruppenkonstellation, ein Treffen verschiedener Individuen und Lebenswege etc.).
Aber theoretisch sind auch wir als Individuen und Handelnde wieder die, die die Gesamtstrukturen ausmachen (jedoch niemals bewusst geschaffen haben), denn ohne uns würde das Universum nicht gedacht/nicht so interpretiert werden.* Wie wir es in unserer Strukturierung denken. Ohne bewussten oder selbst geschaffenen Ursprung und ohne irgendeine Entscheidung, die nicht aus-Vorherigem(-potenziell allem Vorherigen**-) zusammengesetzt ist, wie wir handeln oder wie unsere Handlungen interpretiert und eingeordnet werden – in konkreten und abstrakteren Strukturen, die der Rahmen unseres Verständnisses von uns selbst, allem Anderen, den Vorgängen und den (eher aktiven/reaktiven/passiven) Handlungen darin, sind. Aber doch relevant.

___
* Ob Außerirdische das Universum auch so interpretieren würden/müssten (weil es objektive Parameter hat, wie es z.B. Roger Penrose und Stuart Hameroff versuchen zu ent-wickeln) ist eine interessante Frage der Naturwissenschaften und Philosophie.
** Auch die Zukunft könnte schon „da sein“ – stattgefunden haben oder immer alles gleichzeitig stattfinden. Aber der Zeitpfeil von Vergangenheit nach Zukunft – und erlebbar immer als Gegenwart, gilt zumindest für unser menschliches Erleben/Aufnahmefähigkeit/Aufnahmeperspektive.

9. Januar 2016

We maybe can have (emerging) existential moments in which we are different from what our role expectations prescribe us to do. Role expectations caused by the respective structural arrangements and the general social systemical functional logics – and maybe behind that the ‚fabric of the social space‘ [in reference to Brian Greene: Fabric of the Cosmos]. In a picture: Maybe we can add annotations/readers‘ comments to the pre-written pages of our lives.

But on the other hand the structuralist spoilsport can say: If „too many“ people have „too many“ existential moments of individuality (individually composed moments of slight ownness/originality, or only a little non-following of the systemical demands/functionally established patterns), then society/the respective social contexts will break down. So, in this perspective: Keep up following the script, don’t leave the role, do/perform the roles/work/character patterns which the structures have (structurally, structures aren’t a conscious actor) pre-chosen for you in life. Meaning: Your invidual composition and what the respective structural contexts you were socialised into made of your basic character potential pool.

This perspective on life may be a re-narration of the world as determinist without any meaning behind/beyond our (often superficial) communication or actions.
Existentially on the other hand: Whatever there is. We may forecast some pattern predicitions on the scale and level of technical developments. And we may know the human-historical repeating patterns of group behaviour. But the individual world, our individual interpretation of the structural and contentual things that are presented to us by the (natural and social-cultural) world that is ever-moving and yet often just repeating in variants. We can not predict what people we meet, what aspects of which different structures will influence our lives etc. And so we have the freedom of not knowing what the structurally pre-determined life will present to us. And if there are moments of positive surprise or honest communication (non-show and not one-sidedly role playing behaviour in communication) with another individual, we can enjoy that, to honour the moment.

8. Januar 2016

(Re)Narrations about (re)narrations

To generalise and with a de-personalised/ideal-type simplificational narrative reconstruction:

The German way: Idealism, with much love and much hate from different constructed groups for perceived goals (self-percepting as working for these goals/ideals) and against perceived enemies from other groups and from within. Importance of the role of the enemy.

The Russian way: Narrated collective images (often more or less mystical) and notions of destiny. Importance of the role of other societal models/perceptions of them as decadent/lacking mystical deepness etc. in constructed contrast to oneself.

The USA way: You got to want to make it, and you should be able to make it, then you are (not you can or cannot, you are) part of the ongoing societal dynamics. Love it or not, do it and you can make it. Whatever it is, it’s freedom and you can have your own US flag in front of your American home.

8. Januar 2016

The Buddhist on the veranda sings: „Where have all the fu-h-ucks gone, letting them go one by one.“

I said: The fucks are still there, they are differently distributed. They may re-combine to form new variations and they may re-emerge in different forms.

https://en.wikipedia.org/wiki/Black_hole_information_paradox

8. Januar 2016

Eine Schwerkraft für alle, verschiedene Abstände zum Kern

Wir halten uns primär nicht an Normen (soziale Normungen, Standardisierungen, Gleichmachungen, Uniformierung, etc.), weil diese moralisch gut oder schlecht sind, sondern weil diese unsere Aufnahme in die jeweilige (historisch bestehende) Gesellschaft und die jeweiligen sozialen Gruppen erleichtern (je nach dem von überhaupt ermöglichen bis verbessern). Wohlverhalten ist unsere Eintrittskarte und (entziehbare) Aufenthaltserlaubnis in den sozialen Gefügen.

Diese Einfügung in das Gesamtgefüge ist ein soziales, nicht-individuelles Phänomen, welches aus Effekten besteht und nicht aus dem (theoretisch freien, bewussten) Handeln von Individuen. Nur handelnde Akteure, denkende Wesen, sind potenziell/theoretisch zu moralischen Unterscheidungen fähig. Ein soziales Gefüge ist kein mit Bewusstsein ausgestatteter Akteur und handelt nicht. Daher sind soziale Gefüge a-moralische Phänomene, sie haben also weder moralische, noch unmoralische Kategorien. Ein Gefüge existiert nicht nach einer moralischen Einschätzung (das können nur Lebewesen mit entsprechendem Bewusstsein), sondern nach der/seiner Funktionalität – wenn es sich reproduzieren kann und stabil bleibt, bleibt es, wenn nicht ändert es sich oder hört auf zu existieren. Das geschieht auch nicht nach moralischen Kategorien, sondern systemischen und strukturellen Aspekten. Ein soziales Gefüge überlebt nicht, weil es moralisch „gut“ ist oder „schlecht“ etc., sondern weil es funktioniert/sich reproduzieren kann.

Die verschiedenen sozialen Gefüge
– von einer kleinen bis zur großen, abstrakter konstruierten, Gruppe; und einer darüber existierenden Gesellschaft (als ein etwas differenzierterer, also teils kleinere Widersprüche in den Normierungen aushaltender, Überbau) –
haben unterschiedliche Logiken, die im Gesamtgefüge integriert sind. In den jeweiligen konkreten Kontexten (z.B. dem Teilsystem ‚Kultur‘ oder dem Wirtschafts-Teil-System) gibt es jeweilige soziale Normen und Standardisierungen etc. Diese sind nicht von Menschen „gewählt“ worden. Sie sind Audruck der Gesamtsystemlogik, der Teilsystemlogik und der sich daraus ergebenden/sich von diesen ableitenden strukturellen (nicht von Menschen vernunft-ursächlich oder sonstwie bewusst gewählten Konstruktionen -> Vgl. Rationalismus als Gesellschaftsplanungs-Vorstellung in der Zeit der Aufklärung [und allgemein]) Arrangements.
Die Menschen interpretieren mehr oder weniger viele der jeweiligen bestehenden Normen als angenehm/als „ihre“ Normen (weil diese jeweiligen Normierungen charakterlich und biografisch [genetisch und Lebenserfahrungen] zu ihnen passen, oder weil sie durch die Umstände in ihrer Lebensbiografie reibungsarm/glatt sozialisiert und in die jeweiligen – im Prinzip, aber nur theoretisch: kontingenten – Normvorgaben eingefügt worden sind).

Es geht also ursächlich (so weit man es nachverfolgen kann, also im kritisch-rationalen Sinne: basal) nicht darum, ob eine Norm/Standard/soziale Gleichmachung moralisch legitim oder nicht, vernunftethisch vernünftig oder nicht etc. ist. Es geht darum, ob eine Norm effektiv existiert und ob sie den Logiken des sozialen Gesamtsystems (mit seinen Teilsystemen) entspricht.

Normierungen und Gleichmachungen sind ein Ausdruck unserer in Gruppen (und heute zusätzlich und das Gesamtgefüge-anders-arrangierend: in Gesellschaften) uns gegebenen Lebensweise. Die Normen sind ein Ausdruck der Funktionalität. Alles Normabweichende wäre anstrengend für das System und dessen Effektivität. Und wir fügen uns – ganz „natürlich“ oder weil wir mit Zuckerbrot und Peitsche diszilpliniert und „überzeugt“ (nicht in Vernunftkategorien) worden sind.
Überleben, unsere Sicherheit, unsere Versorgung mit basalen Dingen (Essen, Obdach, Krankenversorgung etc.) und ein mehr oder weniger großer Wohlstand, Konsum etc. stehen für uns als Menschen aus unserer Akteursicht/Sicht als Handelnde auf dem (systemisch und strukturell vorgegebenen) Programm. Für die Systeme selbst und deren Strukturen „geht es“ um ihr Funktionieren und ihre Reproduktion, nicht mehr und nicht weniger.

Aber/Und – als erschreckende oder beglückende Momente – gibt es für manche und manchmal Momente der Abweichung. Ein kleiner Ausflug mit/zu etwas mehr Abstand zur Schwerkraft der biologischen und sozialen Systeme und Strukturen.

„Das mögen vielleicht Künstler oder in ihrer Wahrnehmung der systemischen Ordnungen ver-rückte Menschen erleben, aber ich als Normalbürger doch nicht.“

Doch, es könnte auch Sie treffen. Falls Sie einen erleben und wahrnehmen – und Sie sich währenddessen nicht die ganze Zeit Sorgen um soziale Verstoßung und Statusverlust machen (müssen) – genießen Sie diese Momente und Ausflüge, falls Sie der Typ dazu sind.

7. Januar 2016

Der ‚Sacco di Roma‘ als ein Beispiel

Individuen – Gruppen – Gesellschaft

 

Der Sacco di Roma (der von 1527).

Eines von vielen historischen und aktuellen Beispielen für Männliche Gewalt (nicht: allgemein männliche Gewalt) und weitere gruppengenerierte Verhaltensmuster. Bei Zusammentreffen/Vorhandensein entsprechender Strukturen: wiederholen diese sich, wiederholen sich, … zeitlos. Eine der Konstanten der menschlichen Geschichte (neben auch guten) in verschiedenen Variationen.

Unter Menschen gibt es Gewalt- und Gewalt-Sex-Konstruktionen, allgemeiner: Dominanz- und Herrschafts-Fantasien. (U.a. kann ein Teil der Erklärung dafür in der Suche nach Kontrolle über das eigenen Leben – mit seinen sozial ausgerichteten Trieben, Wünschen und Sicherheitsbedürfnissen sein.) Individuell wird von verschiedenen Menschen mit solchen Fantasien dabei mehr oder weniger an Umsetzung gedacht, und an Umsetzung orientiert gehandelt. Für manche sind es eher Fantasien, für andere aktuelle soziale Ziele.
Umgesetzt (versucht) werden – zumindest in sozialen Kontexten etabliert werden (innerhalb von Gruppen, Parallelgesellschaften oder Gesellschaften) – können solche sozial orientierten Gewalt-(Hierarchie-)Vorstellungen nur in Gruppen. In der Gruppe geteilt als Konstruktionen in den Gehirnen der beteiligten Menschen. Konstruktionen, die durch Wechselwirkung mit bestimmten – in der Gruppe und/oder der Gesellschaft – effektiv etablierten/Wirkung entfaltenden/ausstrahlenden sozialen Strukturen ihre Form bekommen. Diese Konstruktionen und Gruppen-Leitbilder etc. können kurz- oder mittelfristig, situationär oder dauerhafter sein. Sie sind dabei mehr oder weniger ausgelegt/“geplant“/gruppenideologisch herausgearbeitet und entwickeln sich (wechselwirkend) mit der gesellschaftlichen Reaktion, dem Aufeinandertreffen mit anderen sozialen Kontexten etc.

Mit dem sozialtechnischen Instrument (der Gruppe als solche und) dieser Gruppen-Konstruktionen und geteilten (teilweise vermeintlich originellen) Ziele bestätigen sich die Gruppenmitglieder selbst und gegenseitig in ihren Zielen/Vorstellungen  — als Gruppenmitglied (etwas darstellend/eine soziale Position besitzend) und als Gesamteinheit ‚Gruppe‘. So ist die Gruppe mit den Konstruktionen verbunden und die Sinn-, Ziel-, Wert- etc.-Konstruktionen der Mitglieder auf die Gruppe ausgerichtet.
Die Mitglieder der Gruppe binden sich aus verschiedenen Gründen/Motiven/treibenden Kräften an „ihre“ Gruppe und deren Konstruktionen und Handlungen – welche sie als einzelne Menschen gar nicht teilen müssen/bzw. vor ihrem Eintritt in den Gruppenzustand vielleicht gar nicht solche Konstruktionen entwickelt hätten, befürwortet hätten etc.

Geschichtlich bekannt (ob eher strukturell bedingt oder biologisch oder was auch immer – jedenfalls empirisch) waren und sind dies fast alles Strukturen und Handlungen repräsentiert und praktiziert/reproduziert von Männern, begangen an Frauen und Männern.

Dieses menschliche Phänomen hat nichts essenziell mit Herkunft oder einfach zuzuordnenden Unterscheidungen zwischen z.B. einer „immer guten“ Gruppe von Menschen und einer „immer schlechten“ zu tun. Aber es hat mit Strukturen zu tun. Und mit der Welt, wie sie ist, nicht wie sie theoretisch sein sollte.
Ich vermute: Wie eine Gesellschaft (als Gesamtstruktur, nicht als bewusstes [individuelles, kooperatives] Handeln) mit den strukturellen Kämpfen um Geltung, Status, Ränge (in einer Gesellschaft in einem Angebot mehrerer Hierarchien), Anerkennung etc. „umgeht“, prägt ihre gesellschaftlich-allgemeine Atmosphäre und wie (nicht grundsätzlich: ob) dieser Kampf ausgetragen wird. Unterschiedliche Strukturelle Parameter (Rahmenbedingungen) erzeugen bei gleichen beteiligten Menschen unterschiedliche strukturelle Effekte/Folgen -> also unterschiedliche Formen, Mittel (eher gewaltsam oder eher friedlich [kanalisiert oder anderes] etc.) und Auswirkungen, Folgewirkungen/Weiterwirkungen dieses Kampfes.

Unterschiedliche gesellschaftliche Strukturverhältnisse erzeugen also nach der hier dargestellten Struktur-(Ausgangspunkt-)Perspektive:

– eine unterschiedliche (soziologisch formuliert) ‚Aushandlung‘ der gesellschaftlichen Zuordnung von Positionen, Rollen, etc. — innerhalb des gegebenen Spielfelds einer Grundstruktur, mit seinen „zu“ besetzenden („zu“ erobernden, verteidigenden, legitimierenden und delegitimierenden etc.) Positionen, Rollen u.a.

– Und zu der Frage nach der Gestaltbarkeit des Spielfelds selbst: In beschränktem Maße

— je nach dem für wie – poststrukturalisisch oder anderweitig – flexibel/offen, oder gar bewusst gestaltbar, man die strukturellen Grundbedingungen hält [deren Erzeugung bzw. Veränderbarkeit] —

erzeugen unterschiedliche (Sekundär-/Nichtgrund-)Strukturen vielleicht auch eine unterschiedliche konkrete Erscheinungsform/Gestaltung dieses Kampfes/Aushandlung/“Spiel“/Sprachspiels etc., oder beeinflussen/verändern zumindest seine Wirkungen und die Interpretation seiner Wirkungen durch uns Menschen/die Gesellschaft.
– Durch eine (einen eigenständigen Effekt entwickelnde/habende) unterschiedliche (die Ausschmückung sozial-konstruierende) Narrierung/Ausschmückung dieses Kampfes und der Gesamtheit des Lebens.
Und durch die Wirkung dieser Ausschmückung (als eine Inneneinrichtung der strukturellen Rahmenbedingungen/des Gesamt-Gebäudes) darauf, wie dieser Kampf sich auf alle Beteiligten auswirkt. (Die als mehr oder weniger verändernd einschätzbare Wirkung des Erzählungs-Aspekts des Lebens).

7. Januar 2016

Die Menschen haben eine systemisch und strukturell bedingte Rollen-Verteilung, die ihre unterschiedlichen Charaktere in (je nach Eigenschaften dieser Systeme und Strukturen) bestimmter Weise zur Geltung kommen lässt.

[Als Bild: Der allgemeine, relativ breite Genpool und daraus diejenigen Gene, die – aufgrund systemischer und Umweltanforderungen und Erfahrungen – auf bestimmte Weise zur Geltung/Aktivierung kommen. Während andere Potenziale nicht aktiviert und umgesetzt werden.]

Struktur(ierung)en mal analytisch (künstlich) getrennt als:

a) Die grundlegenden Strukturierungen
– einer Gesellschaft
– und der jeweiligen (persönlich konkreter erlebten) darin befindlichen sozialen Kontexte (Familien, Freundeskreise, Gruppen, etc.).
Und b) Die temporär-akuten Strukturverhältnisse (in) einer konkreten Situation,
mit ihrer individuellen Zusammensetzung an aufeinandertreffenden Strukturhintergründen (verschiedene Biografien von Menschen, verschiedene Rollenprägungen etc., die in einer Situation aufeinandertreffen [strukturell] und aufeinander treffen [als Menschen]).

In unterschiedlichen strukturellen Zusammensetzungen kommen dann unterschiedliche Faktoren unterschiedlich stark zum Tragen. Das zeigt sich dann/daraufhin (also zuerst eher als Folge, dann als Wechselwirkung) am Verhalten von Menschen in den Situationen:

In einer Situation A können zum Beispiel 32% der Menschen mit einer (je nach Bewertungsmaßstab) guten Seite von sich zum tragen/zur Auslebung/in Effekt kommen.
In einer anderen Situation B verhalten sich (strukturell bedingt) eine Mehrheit der Menschen dann z.B. gut oder hilfsbereit oder auch schlecht, abweisend, aggressiv u.s.w.

Wie Menschen als Gruppen (abstrakte Großgruppen oder konkrete Kleingruppen) sich in einer bestimmten Situation verhalten werden, kann vermutlich in (die allgemeine Richtung einschätzenden) Muster-Vorhersagen im Voraus vermutet werden – wenn genügend Informationen über die systemischen und strukturellen Parameter (Zusammensetzung, Faktoren, involvierte Logiken etc.) der Situation bekannt sind.
Wie Menschen als Individuen sich verhalten werden, kann derjenige vermuten, der das jeweilige Individuum gut kennt und ebenfalls die, in diesem Fall auf das Individuum, in der Situation wirkenden strukturellen Parameter kennt.

Kennt man ein Individuum nicht so gut, kann man individuelles Verhalten nur, ex post, also im Nachhinein einschätzen/dessen Verhalten auswerten. Und dabei in der Ursachenvermutung beschränkt auf die jeweilige Informationslage (Ursache auf der Suche nach „Erklärungen“ und Kontextanalyse eher auf der Suche nach „Verstehen“). Man kann dann also das individuelle Verhalten nur grob anhand von Wahrscheinlichkeiten abschätzen und – so meine Vermutung – nicht so gut vorhersagen wie (erstaunlich oder erschreckend/enttäuschend berechenbares) Gruppenverhalten. Das Verhalten von (dann nicht mehr individuell handelnden) Menschen in Gruppen, und das Verhalten der gesamten Gruppe als Gruppe, folgt oft berechenbaren Mustern, ist also vielfach – und bis zu einer gewissen Tiefe/Breite der betrachteten Aspekte (die z.B. für eine akute Gefahreneinschätzung reichen muss und auch ausreicht) – vorhersehbar/begründet vermutbar.

So wie z.B. das Verhalten von Männergruppen mit ungleichberechtigtem Frauenbild, fehlender sozialer Integration außerhalb der Männergruppe, nicht erlernten individuellen Techniken und fehlenden sozialen Institutionen und Rahmenbedingungen für effektive Ausweich-/Ersatz-Handlungen für Aggression, Triebe und Geltungsdrang.

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