Monat: Januar 2016

Literatur im weiten Sinne als Farbenkasten innerhalb der Rahmen und Muster der uns vorgegebenen Grundstrukturen unserer Existenz?

Alle Lebensbereiche sind Teil des dauernden Kampfes um Deutungshoheit, Interpretations-Dominanz, Weltbild-Erhaltung, Strukturpositionen, etc.

Naturwissenschaft und Literatur sind auch ein Teil dieses Gesamten mit seinem immer nur relativen Kampf (der solange diese Art von Leben existiert nie zu Ende sein kann) und Arrangement der Strukturen und Re-Arrangement und wieder und wieder… Aber vielleicht ist da in der Naturwissenschaft und in der Literatur ein jeweils eigenartiger Moment/Momentpotenzial des Darüber Hinaus Sehens. Moment(e) des Erkennens (Naturwissenschaft) und Momente/Erlebnisse des gefühlt-erzählt-erfahrenen Nichtvollständig-Notwendig-Determinierten. Erlebnisse, die zumindest inhaltlich auch anders hätten sein können. Strukturell ist alles immer von den jeweiligen Konstellationen und Prägungen der Vergangenheit vor-determiniert. Aber inhaltlich könnten da Momente der Offenheit sein, die zwar strukturell längerfristig nichts ändern, aber Momente der Eigenheit sind.
Nicht (vollständig und sicher) vorhersagbar sind beide: Strukturelle und inhaltliche Entwicklungen. Denn die Stränge und Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Strukturen, der Vorgeschichte von allem, sind  in ihrer Fülle an Kombinations- und Wechselwirkungsmöglichkeiten nicht grundsätzlich (vollständig und sicher) vorhersagbar. – Außer vielleicht ab eines Tages vom Quantencomputer?

Zu (natur)wissenschaftlichen Erkenntnissen führen uns die vielen Stränge unserer Vorgeschichte. Wichtig, u.a. der medizinische Fortschritt.

Literatur ist die einzige Welt, die nicht direkt systemisch verbandelt/voll eingegliedert in die Wechselwirkung sein muss -> Zumindest kann man das (sich und anderen) so erzählen -> damit/im Zuge dessen also Literatur erstellen/praktizieren.
Von Literatur zu leben, sie zu verkaufen oder kaufen etc. ist gut, und Teil des kulturellen und des ökonomsichen Systems. Der Schreiber und der Leser sind in diese und alle anderen Systeme immer eingebunden. Aber die Literatur selbst – so schreibe ich hier jetzt
— ich schreibe, also ist es? (wenn ich daran glaube?/es durch Annahme und Aufrechterhaltung dieser Anname praktiziere?) —
ist, oder vielleicht eher: hat, einen Moment der Überfunktionserfüllung, der Über(Über)determiniertheit, das heißt: Sie ist vorhanden, obwohl sie nicht – oder nicht im Inhalt – voll festgelegt funktional notwendig ist. Literatur und Kultur allgemein sind ein Teil der menschlichen Geschichte und nicht frei erfunden, sondern in den menschlichen Anlagen dazu begründet/verursacht. Aber der Inhalt könnte eine gewisse Offenheit haben, wenn diese aufs Inhaltliche beschränkte Offenheit auch – und gerade dadurch dass? sie – strukturell nicht entscheidend ist: Die strukturelle Welt dreht sich (strukturell/prinzipiell gleich) weiter, der Inhalt hätte darin dann eine gewissen Spielraum/Offenheit. Dann wäre der Inhalt nicht das zwingende Ergebnis systemischer oder struktureller Anforderungen, sondern eine mögliche Ausmalung von vielen (strukturell gleichen, aber inhaltlich verschiedenen). Ausmalungen, die nichts an den Grundstrukturen unseres Daseins ändern, aber uns die Welt unterschiedlich erfahren lassen können (Potenzial zu Moral?, also zu Entwicklung?) und faktisch auch lassen (verschiedene Erfahrungen bzw. Erfahrungs-Nach-Erzählungen der Menschen in verschiedenen Kontexten). Und dadurch – falls das so wäre bzw. erzählt/vorgestellt werden könnte – würde und könnte Literatur im weiten Sinne (Die Ausmalung der in ihren Grundstrukturen vermutlich vorgegebenen Welt) schon einen Unterschied für unser Leben machen, eine Mehrfalt der möglichen Geschichten innerhalb der vorgegebenen Strukturen und Strukturbeziehungen: gut-böse, gut-schlecht, wir-die anderen u.s.w., unsere Angewiesenheit auf Abgrenzung, Hierarchisierung, auf das Böse um gut zu sein, auf den Kampf um nicht vor Langeweile aufzuhören zu existieren, auf all das als Vorgegeben und uns dazu zwingend unfrei zu sein, weil ohne diesen Rahmen unsere Existenz gar nicht existieren würde/für uns erkennbar (ohne ihre Kontraste etc.) und vorstellbar wäre.

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Ruhe in der Schnelligkeit

Etwas über der Normalgebundenheit allen Seins?

Geschwindigkeit macht mich manchmal an.
[Ich bin meist träge und zusätzlich verhänge ich noch regelmäßig an lauter Dingen, die ich noch reflektieren muss und Dingen, die ich aus Kontrollgründen erst erfasst haben will, und daher nicht schnell vom einen zum anderen weitergehen kann.]
Gerade eben habe ich schnell die Spülmaschine ausgeräumt. Das war ein gutes Gefühl. Es war ein wenig, als könnte man der Zeit, der Eingezwungenheit in die Bedingtheit des Lebens, einen Schritt voraus sein bzw. darüber hinweg eilen. Auf einer Flugbahn nicht außerhalb von allem, aber etwas oberhalb, mit Bezug zur Gesamtwelt etwas weiter unten. Ohne die – zumindest mit weniger Wirkung (oder vermutlich eher: Empfindung der Wirkung) der –  allgemeine(n) Schwere und Gebundenheit, an die wir uns mehr oder weniger gewöhnen können, und die uns, nach Typ und/oder Situation, mehr oder weniger auffällt und belastet.

Unser Handeln/“Sein“ als Inspiration für uns gegenseitig

Ich weiß nicht, warum mich (auch und oft besonders) utopische oder strukturell fernliegende Sachen interessieren. Aber ich sehe es (gleichzeitig) auch nicht ein, nur die Dinge (in meinem Geist bzw. in meiner gedanklichen Weltgestaltung) so zu wiederholen, wie sie strukturell-materiell manifest, also effektiv sind – gesellschaftlich als in der Gegenwart fest ausgeformte, „so ist es“- Inhalte (Ausformungen der gegebenen Strukturen) interpretiert werden, wiederholt und ausdrücklich oder implizit in allem vorausgesetzt, direkt oder indirekt/“letzlich“.

Ob es nur eine Flucht ist oder ein Beitrag zu den Möglichkeiten (und damit der unterschiedlichen Aufgabenverteilung der Menschen), die uns die Strukturen geben, sei mal (bzw. ist es „letzlich“/unserer Kenntnis nach) offen: Es ist Literatur, das Leben in den gegebenen Strukturen zu schreiben . – Mit gegebenen Materialien und Begriffen etc.. Aber vielleicht für die jeweils Anderen mit/aus unterschiedlichen Perspektiven, die uns – innerhalb unserer strukturellen individuellen-Zusammengesetztheit/unseres Gesamtpotenzials; oder als Momente der Erfahrung von Andersartigkeit etc., also etwas Äußerem – inspirieren und Seiten (Saiten) in uns zum Klingen bringen können. Wir brauchen dafür ein bereits vorhandenes Grund-Potenzial/die Wahrnehmungsfähigkeit für eine solche Inspiration – ob es eine Inspiration ist, die etwas in uns anspricht oder eine (theoretisch äußerliche) Erfahrung, einen anderen Menschen etwas Anderes tun zu sehen/erkennen/interpretieren -> wobei für Verständnis auch etwas in uns vorhanden sein muss, was uns das Andere nachvollziehen/an-denken lässt.

Jedenfalls ist – wenn eine Inspiration etc. klappt kann man das ex post/im Nachhinein sagen – das Potenzial vorhanden. Aber die Inspiration sein, das können (bzw. sind, ungeplant, strukturell sich ergebend etc.) wir durch unser Handeln.

Stränge unserer Persönlichkeit treffen sich auf verschiedene Weise

Gesamtstruktureller Rahmen des Lebens (zumindest der Lebenswahrnehmung/-interpretation) – Individuelle Komposition aus vorexistierenden Faktoren und gleichzeitigen Verhältnissen – Treffen von individuellen Kompositionen/Lebenswegen/Perspektiven – Wechselwirkung zwischen Strukturen und Individuen – Relevanz des Handelns für uns gegenseitig/eventuell (allgemein und/oder in besonderen Momenten/Situationen) Relative Relevanz. Nicht ohne strukturelle Grundlage (die vorexistierenden Bedingungen) & Rahmen (die jeweiligen Umstände, Verhältnisse und Zusammensetzungen der Zeit [allgemeiner] und Situationen [konkreter])

 

Wir haben keinen freien Willen im Sinne dessen, dass wir der Ursprung der Grundlagen unseres Denkens oder Handelns wären. Alles ist zusammengesetzt aus Dingen, die schon vorher waren, und die in der konkreten Umwelt und Sozialisation (nichtbewusst, sondern systemisch und strukturell) vorinterpretiert sind.
Wir sind individuell in unserer jeweiligen Gesamtkomposition – unserer Zusammensetzung aus verschiedenen Faktoren und Ausprägungen bestimmter Phänomene.

Wir haben verschiedene Stränge in uns. Diese können von außen verschieden angesprochen werden – aktiviert werden oder unbeachtet bleiben. Die Aktivierung und das zum Ausdruck kommen der Facetten unserer Komposition und des Menschen allgemein, erfolgt auf verschiedene Weise. Eine Eigenschaft (oder Verknüpfung von Eigenschaften) kann sich – auch je nach Maßstab – positiv oder negativ etc. auswirken/zum Ausdruck kommen.
Wir könnten uns also sagen: Wir können uns gegenseitig inspirieren, anregen, Seiten in uns zum Klingen bringen (z.B. im Bild des Universums als vibrierende ‚Strings‘). Das ist/wäre unser individueller Einfluss auf andere Individuen und konkrete strukturelle Situationen – z.B. die Atmosphäre/Spannungslage/strukturelle Zusammensetzung einer Situation. Als Individuen Teil der Komposition der konkreten Strukturen, in denen wir uns bewegen und mit diesen Teil der Gesamtstrukturen. Wechselwirkend. Dabei sind wir bzw. der Orientierungsrahmen
– in dem wir leben und in und durch den wir alles was ist/für uns ‚ist’/was wir erleben, und was wir uns vorstellen können (auch die Fantasie und Begriffsneubildungen bauen auf dem Strukturellen Vorvorhandenen auf), interpretieren –
Ausdruck der strukturellen Gegebenheiten. Diese strukturellen Bauelemente sind geworden und werden (in Reproduktion und Entwicklung) zu den historisch-allgemeinstrukturellen Rahmen – einer Gesellschaft oder einer Lebensweise oder, heute, der vielfach weltweit(en) verknüpften Gesellschaft (genannt Kulturen, Epochen, etc.). Und sie wurden und werden zu den jeweiligen Inhalten/Zusammensetzungen der verschiedenen konkreten Situationen (den längerfristigen sozialen Kontexten oder auch einer kurzfristigen Situation. Einer bestimmten Gruppenkonstellation, ein Treffen verschiedener Individuen und Lebenswege etc.).
Aber theoretisch sind auch wir als Individuen und Handelnde wieder die, die die Gesamtstrukturen ausmachen (jedoch niemals bewusst geschaffen haben), denn ohne uns würde das Universum nicht gedacht/nicht so interpretiert werden.* Wie wir es in unserer Strukturierung denken. Ohne bewussten oder selbst geschaffenen Ursprung und ohne irgendeine Entscheidung, die nicht aus-Vorherigem(-potenziell allem Vorherigen**-) zusammengesetzt ist, wie wir handeln oder wie unsere Handlungen interpretiert und eingeordnet werden – in konkreten und abstrakteren Strukturen, die der Rahmen unseres Verständnisses von uns selbst, allem Anderen, den Vorgängen und den (eher aktiven/reaktiven/passiven) Handlungen darin, sind. Aber doch relevant.

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* Ob Außerirdische das Universum auch so interpretieren würden/müssten (weil es objektive Parameter hat, wie es z.B. Roger Penrose und Stuart Hameroff versuchen zu ent-wickeln) ist eine interessante Frage der Naturwissenschaften und Philosophie.
** Auch die Zukunft könnte schon „da sein“ – stattgefunden haben oder immer alles gleichzeitig stattfinden. Aber der Zeitpfeil von Vergangenheit nach Zukunft – und erlebbar immer als Gegenwart, gilt zumindest für unser menschliches Erleben/Aufnahmefähigkeit/Aufnahmeperspektive.

We maybe can have (emerging) existential moments in which we are different from what our role expectations prescribe us to do. Role expectations caused by the respective structural arrangements and the general social systemical functional logics – and maybe behind that the ‚fabric of the social space‘ [in reference to Brian Greene: Fabric of the Cosmos]. In a picture: Maybe we can add annotations/readers‘ comments to the pre-written pages of our lives.

But on the other hand the structuralist spoilsport can say: If „too many“ people have „too many“ existential moments of individuality (individually composed moments of slight ownness/originality, or only a little non-following of the systemical demands/functionally established patterns), then society/the respective social contexts will break down. So, in this perspective: Keep up following the script, don’t leave the role, do/perform the roles/work/character patterns which the structures have (structurally, structures aren’t a conscious actor) pre-chosen for you in life. Meaning: Your invidual composition and what the respective structural contexts you were socialised into made of your basic character potential pool.

This perspective on life may be a re-narration of the world as determinist without any meaning behind/beyond our (often superficial) communication or actions.
Existentially on the other hand: Whatever there is. We may forecast some pattern predicitions on the scale and level of technical developments. And we may know the human-historical repeating patterns of group behaviour. But the individual world, our individual interpretation of the structural and contentual things that are presented to us by the (natural and social-cultural) world that is ever-moving and yet often just repeating in variants. We can not predict what people we meet, what aspects of which different structures will influence our lives etc. And so we have the freedom of not knowing what the structurally pre-determined life will present to us. And if there are moments of positive surprise or honest communication (non-show and not one-sidedly role playing behaviour in communication) with another individual, we can enjoy that, to honour the moment.

(Re)Narrations about (re)narrations

To generalise and with a de-personalised/ideal-type simplificational narrative reconstruction:

The German way: Idealism, with much love and much hate from different constructed groups for perceived goals (self-percepting as working for these goals/ideals) and against perceived enemies from other groups and from within. Importance of the role of the enemy.

The Russian way: Narrated collective images (often more or less mystical) and notions of destiny. Importance of the role of other societal models/perceptions of them as decadent/lacking mystical deepness etc. in constructed contrast to oneself.

The USA way: You got to want to make it, and you should be able to make it, then you are (not you can or cannot, you are) part of the ongoing societal dynamics. Love it or not, do it and you can make it. Whatever it is, it’s freedom and you can have your own US flag in front of your American home.