Literatur im weiten Sinne als Farbenkasten innerhalb der Rahmen und Muster der uns vorgegebenen Grundstrukturen unserer Existenz?


Alle Lebensbereiche sind Teil des dauernden Kampfes um Deutungshoheit, Interpretations-Dominanz, Weltbild-Erhaltung, Strukturpositionen, etc.

Naturwissenschaft und Literatur sind auch ein Teil dieses Gesamten mit seinem immer nur relativen Kampf (der solange diese Art von Leben existiert nie zu Ende sein kann) und Arrangement der Strukturen und Re-Arrangement und wieder und wieder… Aber vielleicht ist da in der Naturwissenschaft und in der Literatur ein jeweils eigenartiger Moment/Momentpotenzial des Darüber Hinaus Sehens. Moment(e) des Erkennens (Naturwissenschaft) und Momente/Erlebnisse des gefühlt-erzählt-erfahrenen Nichtvollständig-Notwendig-Determinierten. Erlebnisse, die zumindest inhaltlich auch anders hätten sein können. Strukturell ist alles immer von den jeweiligen Konstellationen und Prägungen der Vergangenheit vor-determiniert. Aber inhaltlich könnten da Momente der Offenheit sein, die zwar strukturell längerfristig nichts ändern, aber Momente der Eigenheit sind.
Nicht (vollständig und sicher) vorhersagbar sind beide: Strukturelle und inhaltliche Entwicklungen. Denn die Stränge und Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Strukturen, der Vorgeschichte von allem, sind  in ihrer Fülle an Kombinations- und Wechselwirkungsmöglichkeiten nicht grundsätzlich (vollständig und sicher) vorhersagbar. – Außer vielleicht ab eines Tages vom Quantencomputer?

Zu (natur)wissenschaftlichen Erkenntnissen führen uns die vielen Stränge unserer Vorgeschichte. Wichtig, u.a. der medizinische Fortschritt.

Literatur ist die einzige Welt, die nicht direkt systemisch verbandelt/voll eingegliedert in die Wechselwirkung sein muss -> Zumindest kann man das (sich und anderen) so erzählen -> damit/im Zuge dessen also Literatur erstellen/praktizieren.
Von Literatur zu leben, sie zu verkaufen oder kaufen etc. ist gut, und Teil des kulturellen und des ökonomsichen Systems. Der Schreiber und der Leser sind in diese und alle anderen Systeme immer eingebunden. Aber die Literatur selbst – so schreibe ich hier jetzt
— ich schreibe, also ist es? (wenn ich daran glaube?/es durch Annahme und Aufrechterhaltung dieser Anname praktiziere?) —
ist, oder vielleicht eher: hat, einen Moment der Überfunktionserfüllung, der Über(Über)determiniertheit, das heißt: Sie ist vorhanden, obwohl sie nicht – oder nicht im Inhalt – voll festgelegt funktional notwendig ist. Literatur und Kultur allgemein sind ein Teil der menschlichen Geschichte und nicht frei erfunden, sondern in den menschlichen Anlagen dazu begründet/verursacht. Aber der Inhalt könnte eine gewisse Offenheit haben, wenn diese aufs Inhaltliche beschränkte Offenheit auch – und gerade dadurch dass? sie – strukturell nicht entscheidend ist: Die strukturelle Welt dreht sich (strukturell/prinzipiell gleich) weiter, der Inhalt hätte darin dann eine gewissen Spielraum/Offenheit. Dann wäre der Inhalt nicht das zwingende Ergebnis systemischer oder struktureller Anforderungen, sondern eine mögliche Ausmalung von vielen (strukturell gleichen, aber inhaltlich verschiedenen). Ausmalungen, die nichts an den Grundstrukturen unseres Daseins ändern, aber uns die Welt unterschiedlich erfahren lassen können (Potenzial zu Moral?, also zu Entwicklung?) und faktisch auch lassen (verschiedene Erfahrungen bzw. Erfahrungs-Nach-Erzählungen der Menschen in verschiedenen Kontexten). Und dadurch – falls das so wäre bzw. erzählt/vorgestellt werden könnte – würde und könnte Literatur im weiten Sinne (Die Ausmalung der in ihren Grundstrukturen vermutlich vorgegebenen Welt) schon einen Unterschied für unser Leben machen, eine Mehrfalt der möglichen Geschichten innerhalb der vorgegebenen Strukturen und Strukturbeziehungen: gut-böse, gut-schlecht, wir-die anderen u.s.w., unsere Angewiesenheit auf Abgrenzung, Hierarchisierung, auf das Böse um gut zu sein, auf den Kampf um nicht vor Langeweile aufzuhören zu existieren, auf all das als Vorgegeben und uns dazu zwingend unfrei zu sein, weil ohne diesen Rahmen unsere Existenz gar nicht existieren würde/für uns erkennbar (ohne ihre Kontraste etc.) und vorstellbar wäre.

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