DOG ‚N‘ CAT


Ich bin gestern durch einen Kommentar bei Alles Evolution auf die Zeichengeschichten-Reihe DOG’N’CAT gestoßen. Hab‘ dann viele Folgen (eigenständige und zusammenhängende Teile der Reihe) angesehen, was mir intellektuelle Freude bereitet hat. Die semi-postmodernistische Katze, die (wie viele heutigen Menschen einer bestimmten Gruppe ähnlicher ideologischer Konviktion/Sinnprojektion etc.) u.a. poststrukturalistische Interpretationen auf andere, aber nicht auf sich selbst anwendet. Und der Hund, der weniger intellektuelle Ausflüge macht, weniger Widersprüche produziert–weil er aber auch insgesamt weniger Einschätzungen produziert. Beide zusammen sind ein Bild von aufeinander bezogenen, sich indirekt ergänzenden, zusammen lebenden Individuen mit unterschiedlichen Erzählungen.

Es ist eine Art des Umgangs miteinander, die ich schön finde, weil hier Pluralität und Unterschiede und ein widerspruch-zulassendes, interessantes Zusammenleben zusammenkommen. Es ist soziologisch und psychologisch keine Form der Beziehung, die gegenüber allen gepflegt/verallgemeinert werden kann (aber das kann keine Form). (Denn) hier ist der „Feind“/“Andere“ das Gegenüber in der Beziehung. Er verliert dabei seine Funktion als „Außen“ und „Anderer“. Daher muss eine neue Projektionsfläche für die Auslagerung gefunden werden (Auslagerung u.a. der eigenen Widersprüchlichkeit und — in doppeltem Sinn — Selbst-Abgrenzung [Abgrenzung eines Teils des Selbst aus seinem Selbstbild. Und Abgrenzung von sich und den „richtigen“ Anderen (seiner Projektions-Gruppe) zu den „falschen“ Anderen]).
Katze und Hund finden ja regelmäßig wieder einen — in der Ideologie etc. des Anderen und in den Nachrichten von der Außenwelt. Aber untereinander kommen sie trotz und durch (immer beides gleichzeitig) ihrer Weltbild-Gegensätze(n) aus. Das ist — für sich stehend, als eigene Blase in der Komplexität des gesamten Sozialen (vielleicht ein Biedermeier-Refugium jenseits der hierarchischen Differenzierungen) — eine schöne parzielle und gleichzeitig für sich selbst (manchmal) runde und vollständige Momente enthaltende Welt.

Es ist eine Wohngemeinschaft, die Widersprüche und Spannungen in den Charakteren (ihrer individuellen Komposition und ihren sozialen Konstruktionen und Erzählungen) und zwischen den individuellen, sozial-konkreten und gesellschaftlich-abstrakten Strukturen und Prozessen zeigt. Und den ambivalenten pluralen Charakter, der das Zusammenleben ohne ideologische Gleichheit trotz dieser und durch diese Widersprüche so möglich macht: Dialektisch, und vermutlich ko-konstituierend: widersprüchlich nicht-harmonisch wie interessant gehalten.

[…]
Die Welt ist nicht schön, nein sie ist nicht schön
Schön ist sie nur wenn wir träumen
[…]

[Aus: Gilbert Bécaud – es ist nie zu spät. Gibt es auch in einer schönen-nicht-schönen Version von Die Kassierer.]

„[…] I claim, but it’s a highly theoretical point, that, precisely in actual social life, you cannot simply distinguish between, the reality and the dreams. The dreams are constitutive of that reality […]“

[Slavoj Žižek – interview: https://www.youtube.com/watch?v=0OzL0tGygso%5D

 

Manchmal bin ich die Katze, manchmal der Hund. Im Sinne des intellektuellen Erzählens der und über die Welt bin ich eher die Katze. In einer philsophischen, nicht politisch in konkreter Weise engagierten, Variante (also sich, qua philosophischem ernsthaften Hobby/Schicksal, teilweise im Widerspruch stehend und bewegend, mit diesem irgendwie ringend und denkend, nicht diesen nur innerlich und sozial funktional auslagernd).

Sozialtheoretisch ausgedrückt: Eine Wohngemeinschaft von Individuen mit deutlich unterschiedlichen Weltbildern als partielle Möglichkeit [nicht verallgemeinerbar auf gesamte Gesellschaft] komplexer Sozialform. Als nur indirekt mit den Identitätsbgrenzungen der differenzierten Gruppen in der Gesellschaft verbundener Kontext. Als Raum, in dem ansonsten abgegrenzte oder sich (rituell oder „spontan“ etc.) abgrenzende Weltbilder sich als Individuen, nicht als Weltbild-Repräsentation und Struktur-Träger treffen und gegenseitig unterhalten (und ggf. auch mal inspirieren etc.) können. Momente der Individualität erleben, die gesellschaftlich (u.a. soziobiologisch und funktionalistisch-komplexitätsreduzierend) meist nicht auftreten (entweder nicht vorhanden sind oder nicht wahrgenommen werden).

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