Posts tagged ‘Abweichung’

21. Juli 2015

Askese und Herrschaft der „Mitte“

In diesem Artikel auf kalliopevorleserin geht es um einen Hymnus in ambrosianischem Stil, aus dem 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Dieser behandelt Enthaltsamkeit und Aspekte einer Form des asketischen Lebens. Als ich das las, fiel mir ein Abschnitt aus dem Buch „Ignatius von Loyola“ von Ludwig Marcuse ein, der von einem idealistisch-praktischen Asketen namens Ximenes handelt.

Askese war und ist ja immer wieder ein Thema, das verschiedene Positionierungen auslöst (bzw. wechselseitig auslöst und im Gegenzug von verschiedenen Definitionen, Zielen und Wertungen konstruiert wird) und diesbezüglich eine Nichtessenz, aber praktisch eine Lebensmöglichkeit ist. Menschlich ist u.a. Essen (als ein möglicher Aspekt von Askese) ja basal und dessen Gestaltung als Thema zeitlos. Und kirchlich, religiös und weltlich ist es – als radikaler/ernsthaft-bewusster Lebensstil – ein von der jeweiligen Herrschaft und ‚Ordnung‘ beäugtes Phänomen. So schreibt z.B. Ludwig Marcuse über/von Ximenes, der im 15./16. Jahrhundert u.Z. lebte, dass dessen Praxis seines eigenen Lebens teilweise nicht herrschaftsordnungs-opportunistisch und -konform war. (Aber eben auch seinerseits seine Herrschafts– und Führungs-Art für viele (zu) anstrengend und/oder idealistisch und speziell/in eine Richtung spezialisiert.):

„[…] Damals war Ximenes neunundfünfzig: ein Asket ohne Rücksicht gegen sich; ein harter Herr ohne Rücksicht gegen seine Untertanen. Mehr als tausend Mönche seines Ordens verließen das Land und setzten nach der Berberei über, da sie lieber unter Ungläubigen als unter dem strengen Regiment des erzbischöflichen Puritaners leben wollten. […] Auch als Erzbischof trug er das ärmliche Ordenskleid. Aus der Küche seines Schlosses kamen die Gerichte eines Klosters. Seine Reisen machte er, wie der armseligste seiner Diener, zu Fuß; […] Der fürstliche Palast war eine Einsiedelei; […]
Doch ist es schicklich, daß der spanische Primas wie ein Bettler herumläuft? Zwar hatte vor mehr als tausend Jahren das Konzil zu Karthago dem Bischof das bescheidenste Leben vorgeschrieben. Aber die Kirche Alexanders VI., Julius‘ II., und Leos X. hatte andere Vorstellungen von dem Lebensstandard eines Großwürdenträgers Christi. Also erließ der Papst dies Breve an Ximenes, seinen mächtigsten Diener im Weltreich Spanien: »[…] Die heilige Kirche wird, wie Du weißt, dem himmlischen Jerusalem gleich, durch viele und verschiedene Zierden geschmückt, wobei, wie durch Übermaß gesündigt, so durch Mangel geirrt werden kann. [lol!] Das aber, was für jeden Stand sich geziemt, zu beobachten, ist Gott lieb und angenehm. [doppeltes lol] Deshalb muß jedermann, besonders ein Kirchenvorsteher, wie in Sitten so in der Kleidung und der äußeren Erscheinung den Verdacht abergläubischer Niedrigkeit nicht weniger als den Vorwurf der Eitelkeit und des Stolzes vermeiden; denn durch das eine wie das andere wird das Ansehen der kirchlichen Ordnung geschmälert. […]«
Ximenes änderte seine Gewohnheiten. Er entfaltete die Pracht, welche die Welt von seinen Vorgängern gewohnt war. Seine Wagen, seine Pferde, sein Gefolge verkündeten jetzt die Majestät ihres Besitzers. Aber während seine Tafel verschwenderisch gedeckt war, blieb er enthaltsam. Unter seidenen Gewändern und kostbaren Pelzen trug er die grobe Kutte des heiligen Franz, die er eigenhändig ausbesserte. […]“

Zitat aus: Marcuse, Ludwig (1973): Ignatius von Loyola, ein Soldat der Kirche. Zürich: Diogenes (Diogenes Taschenbuch, 21/5).

19. Mai 2015

Meine These, vernunftbasierte Authentizität im offenen Sinne:
Echte Kunst ist immer ein Kampf gegen die Gleichschaltung. Gegen all den Druck von Systemen, Strukturen und den vielen „wohlmeinenden“ Autoritären unter den Mitmenschen.

19. März 2015

Möglichkeit des Mehr als nur Reproduktion

Wir Menschen in unserer Struktur – in Raum und Zeit. Gefangen im Korporatismus – deal with it. Gleichzeitig Momente jenseits der Reproduktion versuchen: Theorie der Vernunft wagen und existenzialistischen Ausbruch praktizieren. Das subjektive Träumen nicht vermiesen lassen und (ernsthaft) so gut es geht, Heterotopien des inter-subjektiven Spielraums erschaffen/herausarbeiten. Einen Raum für gleichberechtigte Kommunikation und Praktizieren von Subjektivität aufbauen. Und diese geistigen und örtlichen Räume lebendig halten (also auch die status-soziologische Erstarrung vermeiden und geistige Bequemlichkeit immer wieder durch Praxis neu in Bewegung versetzen).

10. April 2013

Normautokratismus

Geschichte und Gegenwart der Gouvernementalität. Hardcore: http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/kein-nuetzliches-glied-der-gesellschaft-1.18061130

Ob es einen sozialkulturellen Fortschritt gibt ist unklar. Einen Entgegenschritt sollte es immer geben. „Anders“- und Seinsein als Notwehr und Lebens(sinn)rettung.

3. Oktober 2012

Absurdität und Abhängigkeit (oder Gewohnheit)

Wenn der Staat Geld in die Finger bekommt, sieht das Ergebnis meist ähnlich gut aus wie das Tellerchen einer Klofrau: Ein kleiner Teil der Bevölkerung legt viel aufs Tellerchen und findet beschissene Verhältnisse vor. Der restliche Teil legt wenig oder nichts aufs Tellerchen und findet ebenfalls beschissene Verhältnisse vor. Ein paar wenige Verantwortliche kassieren das meiste ab und leben davon, dass sich nichts am System ändert.

[…] Weiterlesen: Vince Ebert – Unfairteilung

Ich liebe den Sozialstaat, und gerade auch seine Imperfektion. Diese ergibt bzw. weist auf, immer wieder Abweichung und Spielraum in der ansonstigen Stabilität („Ordnung“).

Aber seine Schwächen sind oftmals lustig. Manchmal, gerade was das Geld für Bedürftige angeht, auch sehr anstrengend und man muss sich mit vielem rumschlagen, um an sein Recht zu kommen. Aber dass er da ist, ist unbestritten (von „neoliberalen“ bis zu „neosozialistischen“ KritikerInnen).

27. September 2012

Formulierung des Seins und des werdens

Substantiv -> als Sein -> Zustand, Situation, etc. -> relative Stabilität, relative Berechebarkeit (statistische Erfassung etc.) -> Teilgebiet: Strukturalismus

Verb -> als werden -> Prozess, Herausforderung, Arbeit, Aktion, Tun -> Potenzielle Abweichung, Unberechenbarkeit, Unschärfe, etc. -> Teilgebiet: Post-Strukturalismus

Adjektiv -> Sowohl als auch? -> technisch-realitätsbeschreibend -> zunächst neutral? -> regelmäßig (oder immer) mit etwas konnotiert -> also nie neutral -> subjektiv? -> durch soziale Zuschreibung geprägt => Wanderer zwischen der subjektiven Abweichung und der gesellschaftlichen, z.B. kulturellen, (temporären) Fixierung.

28. April 2012

Im Park

Wege, Wiesen, Bänke und Nischen

Der Mann läuft schnellen Schrittes über den gepflasterten Weg durch die Naherholungsgrünanlage. Er schaut auf den Weg und scheint fokussiert zu sein. Auf sein Vorankommen, zumindest das zu Fuß. Er schaut kurz herüber zu der Person, die auf der Bank neben dem Weg sitzt. Der Bereich mit der Bank ist eine Heterotopie zum und in dazugehörigem Bezug zum Weg – vorgesehen als Raum/Örtlichkeit des Verweilens und mit angelegtem Anschluss zum Weg. Vielleicht ist es eine Frage der Zeit, wie lange man auf der Bank sitzt, wo (bzw. wann) die Grenze/der Übergang/der Unterschied zwischen Verweilen (Pause) und Abweichung liegt. Der Mensch kann nicht nur Pausieren. Ohne Gegenstück keine Pause, so ist der allgültige (aber vielleicht nicht vollständig untranszendierbare) Dualismus. Aber wo ist liegt der inhaltliche Gehalt der Pause, das Heterotope, wenn alles vorgegeben ist? Weg, Arbeit, Pause, (Weg,) Arbeit, Weg, Pause etc. Sind die Pausen normiert ist der Mensch frustriert? Weniger oder mehr oberflächliche Stabilität zum Preis der nicht gesuchten Qualität?

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2. April 2012

Soyez inspiré, vieux continent

La Grèce: Je ne veux pas travailler (trop).

L’Union européenne: Si c’est le cas – moi non plus.

Achtung: Déviance pourrait être contagieuse

Der kleine Mann im Kopf

Was wir sind | Was wir sein wollen | Was wir tun

Die Kieker (Die Spoekenkiekerei )

Blick in die Zukunft des politisch-medialen Komplexes

meermoabit

Moabiter Seefahrten

catveldmaus

Ölmalerei, Acrylmalerei und Fotografie.

systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen