Schlagwort: Geschichte

Aus der Geschichte/Mit Geschichte(n) kann man einiges (machen etc.), aber nichts lernen – höchstens über das was zeitlos ist, also in sekundärer zeitlicher Erfahrung “wiederkehrt“.

Geschichtsdokus sind trotzdem und gerade wegen ihres (beabsichtigt oder indirekten/unvermeidlichen) (u.a. als entspannt erfahrbaren) Fatalismus in manchen Momenten unterhaltsam für mich.

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Nietzsche lebt

Mögliche Fortsetzungsgeschichte:

Fortsetzungsgeschichte oder Geschichte?: Friedrich Nietzsche ist nicht tot. Er wurde vom exekutiven Arm der (katholischen?!, → um den „Welt(en)sinn“ besorgten) Kirche entführt und versteckt. Nun lebt er, unter Einfluss von scheinbar- und halb wirksamen Vergessensdrogen, in einem Kloster. Dort vergisst er die Abgründe und Entdeckung der Seichtgründe durch eine nihilistische radikale Ergründung der Welt. Als Friedrich, nicht als institutionalisierter und historisierter „Nietzsche„, entdeckt er langsam auch die Sinnhaftigkeit bestimmter subjektiver und EU-Seniorischer Lebensform(en) (wieder): Aus bestimmten, konkreten, aber (immer) unvollständigen Eindrücken vom Leben eine ganzheitliche Bewertung (subjektiv willkürlich konstruieren, aber auch) wagen. Und: Folgerungen für das Handeln daraus ziehen! Right or wrong, my Eindruck.

Unterdessen breitet sich eine bestimmte, Zeitgeist-Struktur-passende Version (als eine Interpretation) seines Werkes in der ‚westlichen Welt‘ aus. Während der Nihilismus als Plattform für subjektiv-objektivierenden Existenzialismus als Land „beseelt“ entfernt sich Nietzsche im Kloster davon. Sein neuer Existenzialismus – als Prozess eines existenzialistischen Handelns (nicht des Seins, sondern des Tuns → poststrukturalistisch angehaucht) – sucht die Seelenruhe in der kollektiven Gleichtaktung, nicht im Neben-, Zwischen- und Durch-Einander der ‚Idiorrythmie’**. Das Kloster ist okzidental-koinobitisch** geprägt. Die Welt(en) pendelt(n) zwischen Gleichstrom und Wechselströmungen.

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* Eine Interpretation und Verwendung seines Werkes als abstrakte Gesamtheit („das Nietzscheianische“ etc.). Oder auch (nur, oder sogar) von bestimmten konkreten Gedanken daraus.
** Begriffe nach Roland Barthes: Wie zusammen leben.

Großvater erzählt (,) postmodern

20xx? Irgendwann, in einer Zeit nach dem Ende des gesellschaftlichen Umbruchs. In einer Zeit, in der die Strukturierungen wieder etabliert sind. Horst, Mensch und ‚Akteur in Strukturen‘, und als solcher ein Veteran des Umbruchs gewesen, erzählt:

„Die Republik der wilden, offenen Jahre. Die Umstände waren offen, weil sie für die Menschen in ihrer Entwicklung nicht genauer vorhersagbar waren. Sowohl was die Zeit als Gesamtes, noch was ihre Lebensgeschichten anbetraf. Was waren wir wild gewesen. Natürlich nicht wir als solche oder an sich, nicht mehr oder weniger als Andere in anderen Generationen jedenfalls. Die Strukturen waren es. Sie waren beweglich zu jener Zeit, sie tanzten durch die Tage und Monate, wie der Kongress vorder Restauration, hier allerdings am Ende der wilden Umbruchphase und zu Beginn der Re-Strukturierung. Aber immerhin und unbenommen waren wir – per Zufall und ohne Verdienst, also ohne Stolz, aber mit Glück, wie ich subjektiv meine – die Träger der Strukturen. Ob wir mal Wasser oder mal Wein trugen – beides ist notwendig vorhanden, also bedingt und Teil des Ganzen. Manche von uns trugen Fahnen, andere T-Shirts, mal als (post-)moderne Uniform, mal als Ausdruck naiver Individualität. Es wurde viel vor sich her-, und der Zeit hinterher-, getragen. Dafür wurde »this time« nicht so viel geschlagen – die Demographie war ruhig. Und trotzdem der Umbruch. Das stimmt doch in gewisser Weise optimistisch. Auch die demographisch saturierte Gesellschaft erlebte eine grundstrukturelle Veränderung. Oder ist das ’saturiert-Werden‘ selbst der Umbruch? Bzw. der Grund für diesen? Ich glaube Nein. Denn das Demographisch-Saturiertsein ist ein Element, ein wichtiges, aber nicht das Einzige, in der Komposition der Grundstruktur. Das Element ist nicht die Gesamtheit, wenn auch einzelne Elemente für Erklärungen leichter zugänglich und konkretisierbar sind. Den Pudding anhand eines seiner möglichen Zutaten an die Wand nageln, sozusagen. Die Gesamtheit ist es, in ihrer nichteinfachen, nichteindeutigen Form, die die Sozialsituation darstellt, durch welche die jeweils aktuelle Grundstruktur bedingt ist. Ob in ihrer Stabilität oder in ihrem Umbrechen zu einer neuen Grundstruktur.

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Musikalische Untermalung oder Kunst

Shimanov: „Im Rahmenprogramm wird die Historypunk-Band ‚Schmalkaldischer Frieden“ auftreten. Das gut funktionierende Musikkollektiv spielt neben Punkversionen von historischem Liedgut, wie dem pragmatistischen Klassiker „Die Partei hat immer recht“ oder (dem launigen) „Brüder, zur Sonne zur Freiheit – aber bitte gut eingecremt“ auch eigene Werke zu historisch unzwefelhaften Ereignissen, wie z.B. dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor.
Die Band passt mit ihrer Musik gut ins Jugendprogramm und die Texte passen derzeit auch gut zu unserem Staat. Daher lassen wir Sie hier gerne als offizielle Musikkünstler spielen.“

Hm: „Was ist wenn die Texte mal nicht so passen?“

Shimanov: „Nun, so eine Auftrittsgenehmigung und Spielerlaubnis wird ja auf aktueller Grundlage entschieden. Daher könnte es durchaus sein, dass einzelne Teile oder das ganze Programm angepasst werden müssten. Wenn dies nicht im Sinne der/einer Band wäre, würden andere hungrige junge Gruppen nachrücken.“

Hm: „Wie oft kommt es zu solchen Zensurfällen?“

Shimanov: „Auch nicht häufiger als in anderen Ländern. Nur ist es bei uns begründet.“ Shimanov lächelte Hm verschmitzt an

Historosophie

Was bedeutet neu im historio-kulturell-evolutionären Kontext? Hier kann man u.a. zwischen zwei Fragestellungen unterscheiden:

  • Kann es noch etwas wirklich Neues auf der Welt geben oder ist alles „Neue“ eine neue Form eines bereits Gewesenen?
  • (Wenn es nach Frage 1 theoretisch möglich ist:) Gibt es in den heutigen Rahmenbedigungen und Möglichkeiten der Kultur noch etwas Neues?

Die Frage kann nicht nur im kunstkulturellen Bereich gestellt werden, sondern auch in der Politik, in der Geschichte, in der gesamten Bandbreite menschlicher Kultur und der gesamten Entwicklungsgeschichte des Menschen. Bei der Entwicklungsgeschichte des Menschen kann man natürlich nur die heute bekannte(n) Geschichte(n) vergleichen, was im geschichtlichen Dunkel liegt leider nicht. Aber sollte man beim Vergleich geschichtlicher Abläufe auf allgemeine Regeln treffen, würden diese vermutlich allgemein für Bekanntes und Unbekanntes in der Geschichte und vermutlich auch für die Zukunft gelten. Oder kann der Mensch durch kulturelle Evolutionssprünge sich selbst quasi aus seinen menschlichen geschichtlichen Wiederholungsmustern katapultieren?

Die Frage, die mich auf so allgemeine Sinnierung brachte, stellte sich nach Betrachtung eines Musikvideos: Sind die ‚The Ting Tings‘ die neuen ‚The White Stripes‘? Oder sind die The White Stripes einfach immer noch The White Stripes? Und neue Dinge sollten lieber neu sein oder gar nicht?