Schlagwort: Gesellschaft

Rationalität, Kritik etc. und gesellschaftlich-systemischer und -struktureller Rahmen

Es gibt in einer Gesellschaft – vereinfacht zusammengefasst formuliert – die erlaubten und die nicht erlaubten Dinge:

– unmoralische/vernunftethisch falsche Dinge, die gesellschaftlich erlaubt (oder stärker: institutionalisiert) sind, also systemisch erlaubt/nicht „zu bekämpfen“ sind. Diese erlaubten Dinge werden von den wichtigen gesellschaftlichen Akteuren (welche system-funktional und strukturell für die konkrete Ausgestaltung des vorgegebenen System-Rahmens zuständig sind) entweder toleriert oder gefördert (rhetorisch, materiell etc.). Z.B. als ‚erlaubte Abweichung‘ aka ‚künstlerisch wertvoll‘, als ’notwendiges Übel‘ deklariert oder als ‚moralisch‘ und ‚gut‘ (um)deklariert.

– ethisch falsche Dinge, die nicht erlaubt sind.

Ähnlich dazu gibt es auch gesellschaftlich als ‚gut‘ und als ’nicht gut‘ eingestufte Dinge (Ideen, Handlungen, Gruppen, etc.). Ein Beispiel für die einzelnen Erscheinungsformen/Folgen dieser systemisch-strukturell begründeten* (Zu-)Ordnung der Dinge [vergleiche Michel Foucault]: Die Religionsausübung.

Offizielle und gesellschaftlich-gouvernemental geordnet erfasste Kirchen ’sind‘ (d.h.: werden systemisch und gesellschafts-strukturell eingeordnet und bezeichnet als) gesellschaftlich gut. Als „Sekten“ bezeichnete Formen Religionsausübung sind gesellschaftlich-gouvernemental schlecht.

Ebenso gibt es irrationale und rationale** Dinge, die erlaubt sind oder erwünscht. Und irrationale und rationale Dinge, die verpönt sind oder system-bedingt (und durch die entsprechenden system- und struktur-tragenden Akteure) ausgegrenzt werden.

Alles, was gesellschaftlich inkorporiert, diszipliniert, gesteuert und kontrolliert werden kann, kann erlaubt sein. Was sich der gouvernementalen Rahmung und Eingliederung entzieht wird gesellschaftlich als negativ zugeordnet.

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* Die systemischen und strukturellen Rahmenbedingungen (Grundlagen und darauf aufbauenden Strukturen) sind die relativ ursprüngliche (im sozialen Bereich, nicht im naturwissenschaftlichen, was wieder dahinter stecken mag) (Ver)Ursache dessen, was Menschen in Systemen und Strukturen dann dem entsprechen/das nachvollziehend ausführen, in dem sie es in Handlungen umsetzen.

Auch dabei können Abweichungen (sozusagen Mutationen) passieren. Diese werden aber in der Regel schnell wieder disziplinert/“unschädlich“ gemacht. Einige Wenige davon verändern
– kulminierend, zusammen mit anderen Veränderungen, graduell oder in einem punktuellen Umbruch; nicht-intentional und nicht bewusst steuer-, plan- oder gestaltbar –
bestimmte Parameter des Systems. Allerdings verändern auch diese unbeabsichtigten/unabsehbaren systemisch-strukturellen Veränderungen vermutlich niemals die Grundlogik und die Grund-Bedingungen von Systemen und Strukturen als solche. Allen voran (in der gesellschaftlichen Status-Konstruktion hierarchisch) die system-repräsentierenden/-anführenden Akteure (Funktions-Eliten in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen).
** Was in einer Gesellschaft als rational gilt ist auch (ko-)bedingt durch systemische und strukturelle Anforderungen, Logiken und Dynamiken. Aber auch wenn wir uns ‚Als ob‘ auf eine umfassende Rationalität einigen würden, würde die Gesellschaft qua strukturaler und systemischer Anforderungen immer noch zwischen erlaubten (systemisch und strukturell gestatteten) und unerlaubten, erwünschten und unerwünschten etc. rationalen Handlungen und Kritik unterscheiden. Die gestattete/erwünschte oder zumindest tolerierte Kritik wäre dann aus Sicht der system- und struktur-tragenden Akteure und Institutionen „hilfreich“, „konstruktiv“ etc. und die ‚falsche‘ (auch die noch so rationale) Kritik wäre „destruktiv“, „utopisch“, „verrückt“, „fantasierend“, „obskur“, „düstere Absichten“, „überzogen“, „maßlos“, „radikal“, „unausgewogen“ und viele sich im Laufe der Menschheitsgeschichte dauerhaft wiederholenden Sprechschablonen mehr.

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Werte

It’s the economy stupid. Oder auch: Firstly (and/or ultimately), it’s the economy.

Ist eine (mehr oder weniger, strukturell und [optimistisch] potenziell akteurbewusst) kritische Masse so weit zufrieden, dann ist das Gesamtsystem (als imperfektes, aber funktionierendes Zusammenspiel von einzelnen selbstbezogenen Teilsystemen) stabil.

Wo bleibt die Kultur als veränderndes, als „Stop! Wie soll’s weitergehen?“-Potenzial, das zur Aktion/gesellschaftlichen Wirkung wird?

Wenn mensch sich die Werte mancher bzw. manche Werte anschaut, dann darf mensch aber froh sein, dass regelmäßig nicht diese dominieren.

Ist die materielle Jacke näher als die konstruierte Hose? Eine klassische Frage der Sozialtheorie.

 

Wer rausgeht muss auch wieder reinkommen? Ist das wo er wieder reingeht nur nicht mehr das selbe, oder manchmal sogar nicht mehr das gleiche?

Do we have an alternative or are we the alternative?

Mensch ist jung. Mann ist jung. Frau ist jung. [ – – . . – – . . Manches ist und vieles ist nicht.]

Dann gehen Naivität und Energie verloren. Man ist erwachsen.

Radikalität – wird von der Praxis des Denkens zum Wort und vom Wort zum Begriff und vom Begriff zur kritischen Bejahung oder Ablehnung.

Sturm und Drang wird zum Wort, mit dem man die Jugend zu fassen versucht. Nicht schlecht, aber (eben) nicht mehr Jugend.

Die jungen Leute machen Aktionen und sind aktiv. Sie glauben, lieben, hoffen. Das klingt klischeemäßig und ich kann es nicht wirklich sagen. Aber Jugend ist insofern echt, als dass sie keinen doppelten Boden hat. Weder des existenziellen Zweifels, noch der bewussten Heuchelei. Allerdings: Zweifel haben Jugendliche durchaus. Vermutlich sogar tiefere, direktere und die Welt in Aufruhr und Niederschlag versetzendere als die meisten ins Leben eingespannten Erwachsenen. Nicht, dass Jugendliche nicht auch ins Leben eingespannt wären. Die Gesellschaft ist inklusiv – im Guten wie im Schlechten positioniert sie sich zu allem.

Steuern sind nicht steuerbar

Steuern runter, Bürger munter.

Das ist aus klassisch-liberaler Perspektive durchaus nicht falsch. Nach dieser ist der Staat das Gegenüber des Bürgers. Aus einer klassisch-konservativen Sicht jedoch ist das Konstrukt ‚Der Staat und seine Bürger‘ (und umgekehrt) eine begrifflich-konstruktivistische Gemeinschaft – ohne gefragt zu werden, grundgegeben: Solange es die Institutionen ‚Staat‘ und ‚Bürger‘ gibt. Soll und Haben sind zwischen Staatsbürgern und Staatsinstitution immer gleich groß. Hier ist dann „nur“ die Frage, wessen Steuern wann gesenkt und erhöht und gezahlt werden. Und für was sie ausgegeben werden. Letztlich bleibt alles im Kreislauf.

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Die Sucher der Mitte

Es gibt eine Gruppe, die postmodernistisch und philosophisch motiviert für sich selbst einen Prozess erzählt. Sich als Teil des Prozesses einer Suche versteht. Sie nennen sich die „Sucher der Mitte“ und leben die Paradoxa. Sie lehnen Idealbilder ab und nehmen sie gleichzeitig in ihr Gesamt-Mosaik mit auf. Denn eine reine, aktive Ablehnung von Ideal-Typen und Idealisierungen wäre selbst ein Idealbild.

Unter ihnen sind auch einige Damen. Diese sind im Allgemeinen, ohne deshalb dem – oder auch nur einem – Klischee zu entsprechen, zurückhaltender. Auch bei dem Begriff der Suche und Gruppen, die etwas suchen. Und sei es die Mitte. Und damit sind sie auf der Suche vermutlich bereits mindestens einen Schritt voraus.

An eine Mauer, die leider nicht so frei ist, wie sie sein könnte, hängen sie folgende Denkformulierung, mit der sie Atheisten wie positiv Gläubige beidermaßen zunächst unzufrieden machen:

Gott will von uns, dass wir Atheisten werden.

Dann schleichen sie von dannen, sanft aber hörbar. Etwas kokettierend immer noch, es ist noch Jugend in Ihnen. Aber doch mit einer Betonung auf der Höflichkeit, die das Alter kennt – und respektiert. Aber auch das nicht als einziger Zweck. In der einzelnen Situation schon – dann auch versuchtermaßen voll und ganz. Aber nicht im Gesamten.
Ein Flickenteppich aus fragmentarischen Intensitäten, die Ausgewogenheit ergeben sollen. Und nicht immer, aber immer wieder, auf der Suche.

„Pofallaisierung“ der Politik?

Pofalla-Symbolik und zivilgesellschaftliche Empörung als Ausdruck der Bewegung und Unklarheit in der Zeit des Strukturwandels. „Hip-Hoppisierung“ zugespitzter Äußerungen in der Politik. Nicht gut oder schlecht, aber Ausdruck der Zeit.

Berlusconi „disst“ Merkel, Sarkozy sagt indirekt, Cameron (nicht Diaz, sondern David) solle die „Fresse“ halten. Pofalla konnte Bosbach nicht mehr ertragen, obwohl er ihn körperlich durchaus sehen konnte. Sarkozy disst immer wieder Merkel.

Verunsicherung entspricht hier Unklarheit. Bei politischer Ebene wie in der Gesellschaft.

Keine Angst: Danach treffen sich alle beim EU-Gipfel und machen ein Gruppenbild. Auf den Straßen sammeln sich verunsicherte Menschen und die Zivilgesellschaft erfüllt nonintentional (nicht wie bei Gramsci negativ oder im Republikanischen Ideal positiv erzählt) ihren Zweck. Zweck aber im Sinne von „Die Geschichte geht weiter“ nicht in einem näher konkretisierbaren technischen Sinn.