Schlagwort: Max Stirner

Willy und Max, Individualität, Subjektivität, Sinnkonstruktionen

Man kann keine „Stimmung machen“.
Man klingt. Und etwas klingt an oder nicht.

Max: „Ich hab mein‘ Klang auf Nichts gestellt.“

Willy: „Ist das Nihilismus oder kleinbürgerlicher Radikalismus?“

Max: „Dekonstruktion und Re-Konstruktion.“

Willy: „Das machen wir ja alle.“

Max: „Jou.“
Max: „Dass ‚Ja‘ und ‚Ich‘ in den indoasioeuropäischen Sprachen oft ähnlich sind ist kei Zufall. Also sekundär kein Zufall. Basisch-philosophisch gibt es weder Zufall noch das Schicksal oder Alternativen, sondern nur das Sein.

Willy: „Keine Alternativen, das würde Angela freuen.“

Max: „Weder so, noch so. Einfach so. Wenn’s in der Praxis auch so klar wäre, wäre die Menschheit aus Langeweile ausgestorben.“

Willy: „‚Wird‘, in Anführungsstrichen, sie vielleicht noch. Die Sinnfrage lastet derzeit wie ein Alb auf der Menschheit. Das Bürgertum trägt nicht mehr so recht–rechts ist eh böse und links heuchlerisch–. Und die Revolutionen sind unglaubwürdig geworden. Oder nur sinnleere Zerstörungs-Ideologien.“

Max: „Stell Dein‘ Sach auch auf Nichts. Dann kannst Du mit mir und Nietzsche durch gut und böse und in Sphären und Perspektiven wandern, wo die Fixierung parallel bleibt und nicht vor die Interpretation gestellt wird.“

Willy: „Ich möchte zur Sonne, zum Licht, zur unverstellten Sexualität.“

Max: „Das geht auch. Als Wunsch.“

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Wir als offen und Wir als Definition

Wenn Menschen nicht das Menschsein als „wir“ (kleingeschrieben als Aufgabe) erarbeiten, schaffen sie sich ein anderes „Wir“. Z.B. (als) eine ausgrenzende, rechtsungleiche oder abgestufte Form von „Menschheit“ – die gehören dazu, die anderen nicht. Oder in Gruppen und Gemeinschaften, die sich abgrenzen. Nun, abgrenzen ist strukturell nachvollziehbar. Aber oft, nicht immer, gesellt sich dazu ein Überlegenheitspostulat, und dazu, oft, eine „Mission“ bzw. eine Ausrede, andere Menschen zu unterdrücken, Hierarchien zu erzwingen u.a.

Und da gibt es noch die Stirnerartigen und Dávilaisten. Respekt auch diesen.

Halbabstraktes (abstrahiertes) Ich im Konkreten

Jenseits der (notwendigen) Verortung in den Meta-Strukturen, und jenseits des Drangs, das Soziale zu kontrollieren/ordnen

und sich vom Ich, mit seinen Widersprüchen und verschiedenen Seiten, abzulenken.

Abzulenken, und/oder aber auch auf eine andere Art – durch das ’sich‘ in etwas (hinein und als ein bestimmtes ‚Ich‘ auch wieder herauskommend) zu engagieren – einen (anderen/durch Handeln miterschaffenen) Teil des Ichs zu finden:
Durch ein spezifisches Engagement (in/für einen bestimmten – bewusst gewählten oder anderweitig an diesen geratenen – Ausschnitt und Aspekt des Lebens) ein daran ausgerichtetes „Ich“ zu entdecken und/oder zu ko-konstruieren. (Dieses fragmentarische oder teilweise ‚Ich‘ ist nicht falsch: Im konkreten Fall kommt es auf den jeweiligen Inhalt an; und strukturell ist das Engagement für Ausschnitte, und fokussiert auf bestimmte Dinge, vermutlich ein Teil des Lebens. Denn ich kann [und muss] ja nicht holistisch handeln, sondern „nur“ immer wieder angedacht-holistisch [bzw. so viele Aspekte berücksichtigend wie möglich] reflektieren).

Und ein anderer Teil meines Lebens könnte die Nichtprojektion sein (oder ist es eine Rückprojektion vom Sozialen auf ein dadurch strukturell konstituiertes Ich? Kokonstituiert würde ich sagen. Denn vermutlich, wenn ich die Perspektive auf Kräfte und Momente/Potenziale etc. richte, wirken ja im Individuum eigene Momente und soziale Erfahrungen wechsel).

Ein stirnersches Moment im Leben

Nicht Elite und nicht konkrete Masse (allgemeine abstrakte Masse schon, und dann im Konkreten wieder Individuum).
Nicht um die Mehrheit kämpfend, aber um ein eigenes Leben.
Nicht um allgemeine Durchsetzung des eigenen Wegs, darum, den Weg gehen zu können.
Nicht um Hegemonie, gegen autoritäre Anmaßung.

Die Sach auf sich selbst stellen, auch wenn auf den historischen, und (den jeweils) aktuell wirkenden, Strukturen stehend.

Kunst der ungreifbaren Mitte auch in der Kultur

Die ‚ominöse Mitte‘ ist nicht greifbar, nicht klar und ein-deutig definierbar. Das macht sie aus und das macht sie zur Kunst(herausforderung) im psychologischen (Innen-)Bereich wie auch in sozialen Kontexten.

Laissez autoritaire b

Auch und besonders in der Kulturdebatte gibt es die – für mich klassische, menschheits-traditionelle – (zumindest theoretische) Pol-Linie (z.B. als Stufenmodell oder Kontinuum darstellbar) zwischen Laissez-Faire und Autoritarismus:

– Ist „der Mensch“ fähig, seine eigenen Potenziale und das „was gut für ihn ist“ selbst zu suchen? (Von „Wir haben es gefunden“ sprechen oftmals die Ideolog[i]en.)
– Oder muss ein Mensch, von ‚Individuum‘ bis ‚Masse‘, erst kulturell gebildet und erzogen werden, gezeigt bekommen, was „richtige“ und was „falsche“ Kultur, Lebensweise und Geschmack sind? Aber, da es keine im Voraus gesetzte Objektivität gibt, wer mögen die „auserwählten“ Menschen sein, die den Menschen erziehen, wie Jean-Jaques [Rosseau] „seinen“ Emile? Wie es Max Stirner radikal kritisiert.

Die „Kulturindustrie“ (als abstrakte Zusammenfassung aller [offensichtlich] „kommerziellen“ Unterhaltungen) hat hegemoniale Tendenzen (vgl. Adorno). Die „Wahre Kultur“, wenn sie bloße arrogante Gegenkonstruktion bleibt, ist aber ebenso nicht inter-subjektiv orientiert, sondern projiziert eigene Vorstellungen und ein subjektives „Das ist Kultur und das nicht“ auf die gesamte Gesellschaft.