Schlagwort: Strukturen

Ignorieren und Wahrnehmen

Strukturen (weder und sowohl „intern“ als auch „extern“) und sie zu ignorieren um den absoluten Dingen/Momenten zu begegnen.

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Zeitlosigkeit

„Es ist schon alles gesagt worden, nur noch nicht von allen.“ – verschiedenen Autoren zugeschrieben.

Die Menschen wissen über Strukturen Bescheid, seit langer ‚Zeit‘. Und darüber, dass diese fürwahrgenommenen und interpretierten Strukturen zeitlos sind und nie alles, nie ein fixierbares Ganzes.
Das macht unsere Ideologien orientativ und fragil/mit dem Zweifel der Kontingenz existierend. Dass in der totalisiertesten oder am Weitesten ausgebreiteten/kultivierten Strukturierung der Welt immer ein ‚Rest‘ bleibt. Und dass das Andere, als Pluralität, immer dabei ist.

Die Richtigkeit einer Vermutung kann immer nur im Nachhinein als falsch oder richtig festgestellt/fixiert werden. Und auch dann nicht, denn dazugenommene Hilfsannahmen (Ausreden etc.) helfen, das Paradigma zu erhalten. Oder man baut ein Neues (neu und nicht neu zugleich), kein Besseres oder Schlechteres, ein Anderes.

Philosophie ist keine Eliteangelegenheit (kann interpretiert werden als zum Ausdruck kommend z.B. in Platon versus Sophisten). Sie kann nicht abgeschlossen werden, kein geschlossener Zirkel, keine partikulare Fachwissenschaft oder Ideologie, die für andere, die aus der Muster-Erstellung bzw. Muster-Repräsentation ausgeschlossen sind, einfach „mitgilt“ — per Autorität und effektiver (selbsterfüllender) Bestätigung. Philosophie ist. Und ist Fragen stellen, die der Mensch immer stellt (in basal singulären Momenten, in&gegenüber verschiedenen Konstellationen und sekundären Serialisierungen). Philosophie ‚ist‘ keine Antworten fixieren zu können -> das kann man theoretisch (also meta-philosophisch) fixieren — und praktisch auch nie. (Vergleiche den Satz der Sokrates zugeschrieben wird, der gleichzeitig/zeitlos ein Paradox und kein Paradox sein könnte: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“. Diese Gleichzeitigkeit/Parallelität als Paradox<->Nichtparadox [Praxis und Theorie etc.] gilt meiner Wahrnehmung&Interpretation nach auch für wörtlichere Übersetzungen dieses Sokrates-Satzes in Platons „Apologie des Sokrates“.)

Eine Hypothese: Das Potenzial ist parallel/zeitlos, die Aktualisierung ist primär momentan/singulär, sekundär situativ und serialisiert.

Literatur im weiten Sinne als Farbenkasten innerhalb der Rahmen und Muster der uns vorgegebenen Grundstrukturen unserer Existenz?

Alle Lebensbereiche sind Teil des dauernden Kampfes um Deutungshoheit, Interpretations-Dominanz, Weltbild-Erhaltung, Strukturpositionen, etc.

Naturwissenschaft und Literatur sind auch ein Teil dieses Gesamten mit seinem immer nur relativen Kampf (der solange diese Art von Leben existiert nie zu Ende sein kann) und Arrangement der Strukturen und Re-Arrangement und wieder und wieder… Aber vielleicht ist da in der Naturwissenschaft und in der Literatur ein jeweils eigenartiger Moment/Momentpotenzial des Darüber Hinaus Sehens. Moment(e) des Erkennens (Naturwissenschaft) und Momente/Erlebnisse des gefühlt-erzählt-erfahrenen Nichtvollständig-Notwendig-Determinierten. Erlebnisse, die zumindest inhaltlich auch anders hätten sein können. Strukturell ist alles immer von den jeweiligen Konstellationen und Prägungen der Vergangenheit vor-determiniert. Aber inhaltlich könnten da Momente der Offenheit sein, die zwar strukturell längerfristig nichts ändern, aber Momente der Eigenheit sind.
Nicht (vollständig und sicher) vorhersagbar sind beide: Strukturelle und inhaltliche Entwicklungen. Denn die Stränge und Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Strukturen, der Vorgeschichte von allem, sind  in ihrer Fülle an Kombinations- und Wechselwirkungsmöglichkeiten nicht grundsätzlich (vollständig und sicher) vorhersagbar. – Außer vielleicht ab eines Tages vom Quantencomputer?

Zu (natur)wissenschaftlichen Erkenntnissen führen uns die vielen Stränge unserer Vorgeschichte. Wichtig, u.a. der medizinische Fortschritt.

Literatur ist die einzige Welt, die nicht direkt systemisch verbandelt/voll eingegliedert in die Wechselwirkung sein muss -> Zumindest kann man das (sich und anderen) so erzählen -> damit/im Zuge dessen also Literatur erstellen/praktizieren.
Von Literatur zu leben, sie zu verkaufen oder kaufen etc. ist gut, und Teil des kulturellen und des ökonomsichen Systems. Der Schreiber und der Leser sind in diese und alle anderen Systeme immer eingebunden. Aber die Literatur selbst – so schreibe ich hier jetzt
— ich schreibe, also ist es? (wenn ich daran glaube?/es durch Annahme und Aufrechterhaltung dieser Anname praktiziere?) —
ist, oder vielleicht eher: hat, einen Moment der Überfunktionserfüllung, der Über(Über)determiniertheit, das heißt: Sie ist vorhanden, obwohl sie nicht – oder nicht im Inhalt – voll festgelegt funktional notwendig ist. Literatur und Kultur allgemein sind ein Teil der menschlichen Geschichte und nicht frei erfunden, sondern in den menschlichen Anlagen dazu begründet/verursacht. Aber der Inhalt könnte eine gewisse Offenheit haben, wenn diese aufs Inhaltliche beschränkte Offenheit auch – und gerade dadurch dass? sie – strukturell nicht entscheidend ist: Die strukturelle Welt dreht sich (strukturell/prinzipiell gleich) weiter, der Inhalt hätte darin dann eine gewissen Spielraum/Offenheit. Dann wäre der Inhalt nicht das zwingende Ergebnis systemischer oder struktureller Anforderungen, sondern eine mögliche Ausmalung von vielen (strukturell gleichen, aber inhaltlich verschiedenen). Ausmalungen, die nichts an den Grundstrukturen unseres Daseins ändern, aber uns die Welt unterschiedlich erfahren lassen können (Potenzial zu Moral?, also zu Entwicklung?) und faktisch auch lassen (verschiedene Erfahrungen bzw. Erfahrungs-Nach-Erzählungen der Menschen in verschiedenen Kontexten). Und dadurch – falls das so wäre bzw. erzählt/vorgestellt werden könnte – würde und könnte Literatur im weiten Sinne (Die Ausmalung der in ihren Grundstrukturen vermutlich vorgegebenen Welt) schon einen Unterschied für unser Leben machen, eine Mehrfalt der möglichen Geschichten innerhalb der vorgegebenen Strukturen und Strukturbeziehungen: gut-böse, gut-schlecht, wir-die anderen u.s.w., unsere Angewiesenheit auf Abgrenzung, Hierarchisierung, auf das Böse um gut zu sein, auf den Kampf um nicht vor Langeweile aufzuhören zu existieren, auf all das als Vorgegeben und uns dazu zwingend unfrei zu sein, weil ohne diesen Rahmen unsere Existenz gar nicht existieren würde/für uns erkennbar (ohne ihre Kontraste etc.) und vorstellbar wäre.

Growing old in authenticity?

Where is this Authenti City?
Die Schwerkraft des jeweils in einer Gegenwart Faktischen (Faktisches kurz-, mittel- und längerfristiger Art) ist stark, sehr stark. Schwer zu entgehen (außer temporärer Biedermeier), schwer überhaupt zu kritisieren. Aber nicht unmöglich (sapre aude).
Aber die Überdeterminiertheit und Widersprüchlichkeit des Lebens (als Ganzes) schlägt den einzelnen Kraftfeldern immer wieder doch ein Schnippchen. Schön. Und was draus zu machen (?) (als Frage und Potenzial).
Träume von Kommunen und anderem Leben etc. gibt es. Aber ein Mensch wird älter und sucht Sicherheit. Und braucht Sicherheit. Aber diese muss nicht deckungsgleich mit dem jeweils gerade vorliegenden, inhaltlich fixierten, gesellschaftlich üblichen oder erfolgreich verkauften Verständnis oder Angebot von Sicherheit sein.

Ist es das Individuum, konzeptualisiert als relativ unabhängig von den Strukturen;
Ist es das Subjekt, konstituiert durch die Grundstrukturen;
Ist es die Rolle, durch „fachspezifische“ Strukturen gerahmt, mehr oder weniger fest (interpretiert);
Sind es die Strukturen selbst

die wir kritisieren sollten?

Sollten wir Frieden schließen, mit den Individuen, und diese für sich selbst sein und werden lassen, und statt dessen die Strukturen kritisieren, oder das Gesamt-System und seine Systeme? Wobei: Über das System reden wird oft zum Klischee, Klischees über Systeme und Klischees eigenen Verhaltens und Reden in Phrasen.
Oder sollten wir das System als nicht veränderbar sein lassen, und unsere Energie dafür sparen, mit Individuen zu kommunizieren, uns gegenseitig zu inspirieren – aber über was, wenn nicht das System und die Strukturen? Aber die Strukturen habe ich ja nicht ausgeschlossen aus dem Gespräch. Welche Strukturen? Die grundlegenden, auch die eher abstrakt fassbaren oder nur die konkreten Strukturen an „der Front des Alltags“ oder umgekehrt? Vermutlich beides, weil ja wechselwirkend und zusammen auf die Subjekte wirkend.

Herrschaftsloser (freier) Diskurs nach Habermas? Kampf um Hegemonie gegen die Hegemonie wie bei Chantal Mouffe?
Macht ist überall (Foucault), also Macht haben „macht nichts“? Macht fließend halten?