Posts tagged ‘Vernunft’

20. Juni 2015

Elternschaft mit Kant

– Ehrlich sein.
– Dem Kind inhaltlich etwas vorenthalten, was es erst später kennenlernen soll.
– Dem Kind etwas vorenthalten/ggf. anders darstellen (als es eher ist), um es noch nicht mit der vollen Eher-Realität zu konfrontieren. (Eher-Realität meint hier die „Realität“ von der gesellschaftlich-aktuell in sozialen Routinen etc. oft ausgegangen wird. Die also zumeist naturalisiert als „die Realität“ konstruiert wird und die die Ausgangsbasis für den Umgang mit dem routinierten Leben darstellt.) Das Kind davon noch zumindest ein Stück weit fernzuhalten, strukturell, unabhängig vom (jeweils in der Gesellschaft gerade aktuellen) konkreten Inhalt. Es also in einer anderen, vor-routinierten?, Welt aufwachsen zu lassen.
– Und gleichzeitig ehrlich sein können? -> was zum Beispiel der Unterschied zwischen wahrhaftig und wahr sein könnte. Aber ist das ein guter Grund für das Kreieren einer anderen Welt für das Kind nach unseren eigenen Vorstellungen? Wird damit, mehr oder weniger effektiv, eine Alternative errichtet, die das Plurale fördert (Fantasie und Wirklichkeit verbindend)? Womit und wodurch (Öffnung für weitere Welten) auch die Routine-Welt nicht als die Einzige erscheint/erfahren wird? Oder wird dadurch nur von effektivem Internalisieren der Routine-Techniken für die Routine-Welt abgelenkt/das routine-technische Lernen ineffizient gemacht? Oder (immer?) von beidem etwas? Wir können träumen und uns selbst eine andere Welt einrichten. Aber das Kind soll sich ja selbst entwickeln können – sollten wir seinem Potenzial keine Steine in den Weg legen, oder bewusst bestimmte Steine (des Anstoßes, der Rebellion, des Erfahrens veschiedener Möglichkeiten etc.)?

Dass ich gar keine Kinder habe ist jetzt nicht entscheidend, es geht ja um die Theorie der Praxis.

Schlagwörter: , ,
19. Mai 2015

Lieber leben

Es sollte einen nicht mehr stören, wenn mensch mal über das Alter hinaus ist, in dem sie sich noch in die heteronome und autoritäre Soziomentalität integrieren kann. Aber immer wieder macht er mich doch noch wütend oder auch mal traurig (wenn es z.B. von einem Menschen kommt, von dem ich mehr erwartet hätte, das sind aber im Laufe der Jahre weniger geworden): Der Gleichschaltungsdrang und die Lust an der autoritären Disziplinierung von anderen Menschen.

10. Juli 2014

Revolte (hier geschrieben als Camus-Kantisch als Aktivität gegen Unvernunft) in der Praxis ist u.a. das Gegenteil und im grundlegenden Unterschied zum so genannten Pragmatismus* (als Ideologie oder Ausrede). Pragmatisch-„sein“ hier gemeint als eine feststehende, „pragmatische“ Art der Reaktion auf das Leben. Und dabei keine vernünftige, höchstens zweckrational.

* Gemeint ist nicht die Philosophie des Pragmatismus.

4. Juni 2014

Kant Leviathan, Etatismus für Individualismus

Kant Leviathan

Der Kant-Hobbes’sche Vernunftstaat, zusammengesetzt aus Individuen. Als Möglichkeit zu sein: Die Summe ihrer Teile, die Nicht-Summe ihrer intern differenzierten und relativ spielraumhabenden Individuen und auch, wenn grundlegend freiwillig: mehr, weniger oder anders zu sein als die Summe ihrer Teile. Mit individualistischer, also rechtlich-philosophischer Konstitution und gebaut aus freiwilliger Kooperation und bei Bedarf Kommunen-Bildung. Wenn Hierarchiebildung, die bei menschlichen Gruppenbildungen zumindest Tradition hat (ob Unabdingbarkeit ist eine weitere Frage), dann mit Exit-Option in den allgemeinen ‚Individuum im Staat-Zustand‘ zurück.

4. Februar 2014

Packen wir’s an. Also nicht wir als wir, sondern wir als jeder nach seiner Art und Rhythmus. Dort wo es möglich ist. Wir wissen, was zu tun ist. Wir wissen, wie es geht. Wir kennen die strukturellen Begrenzungen und die individuelle Lust. Und die Zweckrationalität, die uns arbeiten lässt. Und die ohne Zweck auch keine Rationalität mehr ist. Und der Zweck ist X -> die individuelle Leidvermeidung und Freudemehrung. Und das ist es. Mensch weiß was zu tun ist. Technologie und Technik der Arbeitserleichterung und Leidvermeidung, die uns bereits zu großem Wohlstand brachte. Hamsterrad und Stress und vieles inklusive. Aber eben viel Wohlstand relativ. Weltweit sollte er sein. Aber das ist politisch-politisch. Bleiben wir mal bei der Praxis. Sei innerlich frei und verteidige äußerlich die Rechte, die sich aus der Vernunft für uns alle ergibt. Wir trauen einander nur, wenn es nicht anders geht, z.B. in Not oder Einsamkeit. Zweckvertrauen, keine Akzeptanz des Anderen, sondern temporäre Duldung. Daher ist das Recht die Institution, die uns abstrakt und distanziert zusammenleben lässt, uns relativen Spielraum gibt (wenn auch nicht genug), mit wem wir uns abgeben und mit wem nicht. Das Recht als Idee und defizitäre Realform ist unverzichtbar wichtig und doch kein Vertrauen im essenzialistischen Sinn. Essenzialismus ist einerseits unglaubwürdig und vielleicht andererseits notwendig, in irgendeiner Form. Achso, ja, Vernunft im Sinne Kants ist auch ein Essenzialismus. Die Grundnorm bzw. der Ausgangspunkt (und gleichzeitig der Zweck) des rationalen Denkens – also ein Kreis: Aber Deontologie und Deduktion sind ja auch Setzungen, die das Ergebnis schon als Startpunkt brauchen. Nur ist es da vielleicht noch etwas undeutlicher als nach dem hermeneutischen Zirkel des Anwendens der Vernunft auf das praktische Leben. Der Liberalismus (im Sinne Harry Heines oder James M. Buchanans) ist ein defensiver, einer der die Rechte und die Idee vom Recht verteidigt. Der nie Mehrheit ist. Und als Ganzes eine Utopie. Aber im Konkreten immer wieder den Kampfgeist informiert und in manchen Momenten kleine praktische Erfolge und geglückte Verteidigungen, oder zumindest Fluchthilfen und geistige Verarztungen anbieten kann.

26. Juli 2013

Jörg Zink über den (unvernünftigen) Scheinfrieden im Pater-Mater-nalismus

Ich spontaneously mag vom Sehen her Jörg Zink und Anselm Grün.

Ein Auszug eines Textes von Jörg Zink von 1978, den ich zufällig an der Uni las [also den Auszug]:

[…] das unterdrückte Wesen. Sie ist Sklavin. Sie ist Gebrauchsmittel. Sie ist geistig unterlegen. Sie hat an der Freiheit nicht teil, die dem Mann offensteht. Und noch immer ist ihre Befreiung in weiter Ferne.

Denn die Angst vor den Müttern sitzt auch dem modernen Mann noch tief in den Knochen. So macht er sie zur Eva, die die Vertreibung aus dem Paradies verschuldete, oder zur Verkörperung der Sünde, mit der er bei sich selbst nicht fertig wird. Sie ist diejenige, die ihm immer wieder beweist, wie wenig souverän er sich selbst gegenüber ist, wie abhängig von seinem Trieb, wie gefährdet in seiner moralischen Standfestigkeit.

Die Rolle des Mannes ist, grob gesprochen, der Frau gegenüber auf zwei Funktionen reduziert: Er ist einerseits ihr Wächter, der sie bewahrt vor aller Freiheit, und ihr Herr, der sie davon entlastet, ihren Verstand zu gebrauchen. Auf der anderen Seite ist er ihr Kind, orientiert an seinen Bedürfnissen, und die Frau als heimliche Mutter ist eins davon. So werden bis heute zwischen Mann und Frau die uralten Rituale durchgespielt, durchgekämpft, durchgelitten, und die wenigsten verstehen, was da vorgeht.

Hat eine Frau einen kindisch gebliebenen Mann, so findet sie sich ihm gegenüber, ohne es zu wollen und ohne anders zu können, in der Rolle einer Mutter. Da sie keinen Partner findet, dem sie als erwachsene Frau zugehören kann, findet sie schließlich Gefallen an der Macht, die sie als Mutter über das Kind hat. Sie bleibt ausgeliefert an ihre Rolle als Gattungswesen und wird nie sie selbst. Und sie rächt sich, indem sie dem Mann den Weg zum erwachsenen Menschen versperrt.

Der Mann wird dabei zum Pantoffelhelden und begegnet auf seiner Suche nach einer freundlichen Mutter dem zerstörenden, verschlingenden Aspekt der Frau. Weil er aber nicht verschlungen werden will, spielt er den Unterdrücker, und es ergibt sich landauf, landab das festgefahrene System der gegenseitigen Unterdrückung […]

Quelle: Jörg Zink – Licht über den Wassern. Geschichten gegen die Angst, Stuttgart 1978.
Ein anregender und debattierbarer Text. Einige technisch sehr gute Formulierungen darin. Der Text formuliert eine psychologische Perspektive und bildet einen Kontrast (nach) zwischen kantisch-aufklärerischem Vernunftgebrauchs-Potenzial und -sollen und der strukturellen Gebundenheit im partiellen Waffenstillstand bzw. der (vermeintlichen) Harmonie der gegenseitigen Ungleichbehandlung zwischen Mann und Frau. Paternalismus als mögliche Lebensform, aber als unvernünftig und unter dem Potenzial beider Geschlechter bleibend.

21. Juni 2013

Idiorrhythmische Einzelstücke

Idiorrhythmische Kommune.

Ich lebe parallel in meiner Fantasiewelt. Keine Parallelgesellschaft, eher eine Parallel-‚Realität‘ -> -Nominalität. Inhalt ist, was mensch daraus macht. Für mich ist Fantasie, als. u.a. die Eigenkonstruktion/-vorstellung von einer Welt nicht unrealer als die technisch-materielle, „realistische“ Welt. Definition von Real ist hier (an-denkensweise) ganzheitlich, nicht aufs Handfeste beschränkt. Praktisch macht die Welt der Vorstellungen das individuelle Leben aus, darin leben wir, als Einzelne, deren Welten (bildhaft und je nach philosophischem Erkenntnis- und Welt-Bild) sich überschneiden oder in Austausch (strukturell) befinden und (individuell) aktiv gebracht werden können. Die Rationalität gebietet uns (objektiv, nicht partikularistisch), die kommunikative Plattform beizubehalten, mindestens so, dass wir uns austauschen, unsere Hilfe anbieten und unsere Grenzen aufzeigen können.

alienaid

If you're an alien in need of advice, feel free to contact me.

immerabgelenkt.de

Digitale Zweigstelle der Indie-Autorin Juliane Ungaenz

milch_honig

Prosaminiaturen

Der kleine Mann im Kopf

Was wir sind | Was wir sein wollen | Was wir tun

Die Kieker (Die Spoekenkiekerei )

Blick in die Zukunft des politisch-medialen Komplexes